Mittwoch, 9. Februar 2011

„Gott formte den Menschen und blies ihm den Lebensatem ein und setzte ihn in den Garten Eden“. (Gen1)


Unsere Vorstellung vom Garten Eden ist verbunden mit dem Paradies. Aus dem Persischen kommend bezeichnet Paradies einen umgrenzten Bezirk, einen geschützten Raum, in dem sich Leben entfalten kann. Es ist das Urbild für den Garten.

Das Wort „Eden“ bedeutet hingegen Wüste, unwirtliches Land. Für Gott ist der Mensch so kostbar, dass er aus dem wüsten Eden ein richtiges Paradies schafft, und zwar an einem eigenen Ort, „östlich von Eden“. Er lässt die vier göttlichen Ströme „Pischon, Gichon, Tigris und Euphrat“ f|ießen, um all das gute Land zu bewässern, ein überreiches Land, in dem es Gold, Edelsteine und kostbare Harze gibt. Gott lässt „Grünkraut“ wachsen und bildet allerlei Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, um sie zum Menschen zu bringen, damit dieser ihnen Namen gebe, in Beziehung zu ihnen trete und sich an ihnen freue. (vgl. Gen 2,4ff)

Der Garten: das Bild für den Urgrund allen menschlichen Lebens.
lm Herzen trägt der Mensch den Traum vom Paradies.

„Gott, der Herr, ließ allerlei Bäume aus der Erde wachsen“, heißt es in der Schöpfungserzählung „verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten“. Ein Ort der Fülle und des Lebens, wie es in der Bibel heißt, wird uns vor Augen geführt. Zu allen Zeiten und in allen Religionen wird der Garten als Urzuhause des Menschen benannt. Die Mönche des Mittelalters spornten die Menschen an, wüstes Land urbar zu machen, damit es Frucht bringe. Die Menschen sollten teilhaben an der Schöpferkraft Gottes und die Erde seinem Willen entsprechend bebauen und bewahren. Ihre botanischen Beobachtungen und Studien führten nicht zuletzt zu einer neuen Gartenkultur, die eine bessere Ernährung ermöglichte.

„Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre“, wie der Schöpfungsauftrag im Ersten (Alten) Testament der Bibel lautet. (Gen 2,4-15)

In der großartigen Schöpfungserzählung aus dem Buch Genesis wird erzählt, wie Adam und Eva glücklich und erfüllt lange Zeit im Paradies leben. Alles ist Harmonie und Lobpreis und nichts als reine Liebe. Doch dann werden die Menschen anmaßend. Sie wollen selbst göttlich sein, Herr über Gut und Böse. Die Harmonie zwischen Gott und Mensch ist gestört. Es wird erzählt, wie der Mensch sich von der göttlichen Liebe absetzt, distanziert und den geschützten Raum Gottes, das Paradies, verlassen muss.
Gleichsam mit seinem Schuldigwerden erlebt der Mensch eine Trennung des Ganzen. Wo zuvor alles eins, ganz und heil war, geht plötzlich ein Riss durch das Leben, durch Völker und Stämme, Ehen und Familien, ja sogar durch jedes Individuum. Der Mensch ist sozusagen aus dem „Heile-Welt-Garten“ des Anfangs herausgefallen.

Geblieben ist die Ur-Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Die Vertreibung aus dem Paradies „deutet“ gewissermaßen die Sehnsucht, die tief im Innersten jedes Menschen schlummert. Es ist dies die Sehnsucht nach einer ursprünglichen Welt, die mit Gott eins ist, die sich noch nicht geteilt hat in Gut und Böse, in Frieden und Unfrieden. „Kein Zufall also, dass die Menschen über alle Jahrtausende hinweg speziell in ihren Gärten den ewig unerfüllten Traum vom Paradies einzulösen suchten: von den hängenden Gärten der Semiramis - einem der sieben Weltwunder der Antike - über die Klostergärten des Mittelalters mit ihren Paradiesgärtlein bis hin zu den Wellnesslandschaften unserer Tage, in denen wir den Ort des himmlischen Friedens so perfekt wie möglich zu simulieren suchen“, schreibt Regula Freuler in: Die Gärten der Mönche, HEYNE-Verlag, 2oo4.

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