Dienstag, 15. Februar 2011

Gottesbilder


Es gibt sehr viele und sehr unterschiedliche Vorstellungen von Gott. Jeder Mensch trägt sein eigenes Gottesbild in sich. Der bekannte Theologe Karl Rahner sagte: „ Über 80 Prozent all dessen, was die meisten Leute sich unter Gott vorstellen, gibt es nicht.“ Wir haben uns unser Gottesbild irgendwann selber zurecht gelegt.

1. Der Gottheit ausgeliefert zu sein.

Viele Menschen glauben, Gott vollkommen ausgeliefert zu sein. Alles was geschieht ereignet sich durch seinen Willen. Gott ist für alles verantwortlich. Solch ein Gottesbild kommt aus frühesten Kindheitserfahrungen. Sie glauben, Gott so ausgeliefert zu sein wie ein kleines Kind seinen Eltern. Sie können es nähren oder verhungern lassen, lieben oder quälen. Sie sind Herr über Leben und Tod. Dieses Bild projizieren sie auf Gott.

2. Handel mit Gott

"Ich gebe dir, damit auch du mir gibst", wird zu einem zentralen Verhaltensmuster dieses Gottesbildes. Aus dem Säugling wird das Kleinkind. Das „Ich“ wird entdeckt. „lch wiIl“ heißt die Devise. lmmer noch in großer Abhängigkeit Iernt das Kind Strategien zu entwickeln, wie es auf das Handeln der Größeren Einfluss nehmen kann. “Du gibst mir, wenn ich dir gebe“ wird als Regel erfahren. Ich beteilige mich großzügig an der Kollekte für die Armen. Dann wird Gott mir dieses oder jenes geben, was ich mir so sehr wünsche. Diese Menschen machen aus ihrer Beziehung zu Gott einen Kuhhandel. Sie lieben Gott nicht, sondern lieben ihren Eigennutz.

3. Gott hat mit meinem Leben nichts zu tun
„Wenn es überhaupt Gott gibt, wohnt er weit hinter den Sternen. Mit meinem Leben hat er nichts zu tun. Eigentlich brauche ich Gott nicht. Gott ist für mich gestorben.“ Dieses Urteil wird aus der Erfahrung gespeist, mein Bitten und Beten hat nicht gefruchtet. Beispiele: Es hat in Strömen geregnet. Der Besuch im Zoo ist ausgefallen, obwohl ich um gutes Wetter gebetet habe. Ich habe trotz vielen Bittens die Prüfung nicht bestanden, die Anstellung nicht bekommen und muss mit schwerer Krankheit leben. Ein sechzehnjähriger Junge macht sich mit schwerem Kreuz auf der Schulter nachts auf den Weg zu einem Pilgerort. Er fleht um das Leben seines todkranken Vaters. Der Vater stirbt. Das Urteil des Jungens: „Jesus, ich pfeif auf dich“. Der Gott dieses Jungen stirbt und dann kommt oft nichts mehr. Er kommt zu der Erkenntnis: Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich. Und es verhärtet sich diese Haltung, wenn ihm nicht neue Perspektiven zuwachsen.

4. Ein Gott der mich braucht
Ein ganz anderes Gottesbild stellt sich nun vor. Es ist inspiriert vom Bild Christi, der am Kreuz hängt, dem aber Arme und Beine genommen wurden. Dieses Gottesbild besteht in der Betroffenheit, von Gott aufgefordert zu sein: Ich brauche dich! Sei du mein Fuß, meine Hand, mein Herz. Arbeite mit, hilf mit, dass mein Werk, das Kommen des Reiches Gottes auf Erden, fortgeführt wird.

Die Beziehung Gott - Mensch bekommt bei diesem Gottesbild eine neue Richtung. Ich bin ihm nicht mehr ausgeliefert, ich behandele ihn nicht wie einen Geschäftspartner, ich stelle seine Existenz nicht in Frage. Nein, bei diesem Gottesbild ist das Verhältnis Gott - Mensch eher Partnerschaftlich. Menschen wissen sich berufen, sich mit ihren Talenten für Gott zu engagieren, aus dem Geist Jesu, in seiner Liebe die Welt zu gestalten.

Eazit: Die Existenz Gottes lässt sich nicht naturwissenschaftlich beweisen und begreifen, trotzdem glauben viele Menschen an Gott, oder sie haben zumindest eine bildliche Vorstellung von ihm. Bei der Entstehung des Gottesbildes sind in den ersten Lebensjahren vor allem die Eltern beteiligt. Ein Kind macht sich weniger Gedanken über Gott, als vielmehr ein Bild von Gott. Das Kind sollte die Freiheit haben, sich Gott auf seine Weise vorzustellen, auch wenn diese nicht den theologischen Gottesbildern entsprechen. Es soll aber ebenfalls erfahren, dass letztendlich niemand sagen kann, wer oder was Gott ist und jede menschliche Gottesvorstellung richtig und falsch zugleich sein kann.

Gott begegnen

Es war einmal ein Junge, der unbedingt Gott treffen wollte. Er war sich darüber im Klaren, dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott Iebte, ein sehr Ianger war. Also packte er sich einen Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren Schokoriegeln und so machte er sich auf die Reise.

Er lief eine ganze Weile und kam dann in einen kleinen Park. Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach Futter auf dem Boden suchten. Der kleine Junge setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola herausholen, als er den hungrigen Blick der alten Frau sah. Also griff er zu einem Schokoriegel und reichte ihn der Frau. Dankbar nahm sie die Süßigkeit und lächelte ihn an. Und es war ein wundervolles Lächeln.

Der kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und so bot er der alten Frau auch eine Cola an. Und sie nahm die Cola und lächelte wieder - noch strahlender als zuvor. Der kleine Junge war selig. Die beiden saßen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank im Park, aßen Schokoriegel und tranken Cola - aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde er war und er beschloss zurück nach Hause zu gehen. Nach einigen Schritten hielt er inne und drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und umarmte sie. Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.

Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem Gesicht und fragte: "Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?" Und der Junge antwortete: "Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen - und sie hat mir ein wundervolles Lächeln geschenkt!".

Die alte Frau war auch nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Und auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussah. Sie antwortete ihm: "Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen - und er ist viel jünger, als ich gedacht habe". (Herkunft unbekant)

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