Dienstag, 22. Februar 2011

Ohne Großeltern geht es nicht - Großeltern beteiligen sich in erheblichem Maße an der Betreuung der Enkelkinder

von Lena Kaufmann


Oma und Opa spielen im Leben junger Familien eine große Rolle. Das Klischee von der Strümpfe strickenden Großmutter und vom Großvater, der im Ohrensessel Pfeife raucht, ist längst überholt. Viele Großeltern stehen oft selber noch mitten im Berufsleben. Sie haben ihre eigenen Hobbys und Interessen, sind aber auch gern bereit, sich für ihre Enkelkinder einzusetzen.

Schöne Erinnerungen an Oma und Opa

Den Duft von Omas Apfelkuchen habe ich immer noch in der Nase.“ – „Mein Opa kannte die lustigsten Geschichten. Ich habe sie bis heute nicht vergessen.“ – „Dass ich so naturverbunden bin, verdanke ich meiner Oma. Denn die hat mich in besonderer Weise für Pflanzen und Tiere sensibilisiert.“ Diese Aussagen stehen stellvertretend für viele andere und liefern den Beweis: Auch erwachsene Enkel, die selber vielleicht schon Eltern oder sogar Großeltern sind, erinnern sich noch Jahrzehnte später gern an ihre Omas und Opas. Ganz gleich, wie alt die Enkel sind: Sie bleiben Oma und Opa in den meisten Fällen eng verbunden – auch wenn diese längst verstorben sind. Dies ist das Ergebnis einer Studie, in deren Rahmen die Psychologin Dr. Sabine Hoier, Universität Kassel, etwa 1800 Erwachsene nach ihrer früheren Beziehung zu Oma und Opa befragte. „Über 90 Prozent hatten überwiegend positive Erfahrungen mit den Großeltern gemacht“, sagt Dr. Hoier.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Oma und Opa tragen nicht die Verantwortung für die Erziehung der Enkel. Sie müssen sich auch nicht mit den tausend kleinen Alltagsdingen herumplagen, die in der Summe oft zu Stress und Frustrationen bei Eltern und Kindern führen: Streit unter Geschwistern, zerrissene Hosen, Ärger mit der Lehrerin, der ewige Zank ums Fernsehen, das Mäkeln am Essen, die endlose Trödelei der Kinder am Morgen, wenn eigentlich alle pünktlich das Haus verlassen sollten.
Von all dem bleiben Großeltern in den meisten Fälle verschont. Sie können alles mit mehr Abstand sehen und sind gelassener. Und sie dürfen das Enkelkind hin und wieder auch verwöhnen – am besten mit viel Zeit. Eltern sollten dabei kein schlechtes Gewissen haben. Denn es tut ihren Kindern einfach gut, einen Ort zu haben, an dem sie einmal auftanken und die Regelmäßigkeiten des Alltags vergessen können. Einmal mit Oma und Opa bis spät in die Nacht aufbleiben und einen alten Film anschauen oder den ganzen Nachmittag mit Klönen und Kartenspielen vertrödeln: Das sind Vorzüge, die Kinder nur bei den Großeltern genießen. Eltern können unbesorgt sein. Denn schon kleine Kinder lernen sehr bald, dass bei Oma und Opa andere Gesetze gelten als zu Hause.

Omas und Opas: ein starkes Team

Doch Großeltern müssen sich in den meisten Fällen die Gunst der Enkelkinder mit den anderen Großeltern teilen. „Eifersüchteleien sind da ganz normal“, meint Dr. Sabine Hoier. „Es kommt sehr auf die Eltern an, wie gut das Verhältnis zwischen den beiden Großelternpaaren ist. Sie tragen da die Verantwortung.“ Dazu gehört, dass sie mit den Kindern achtsam und voller Respekt über beide Großelternpaare reden. „Wichtig ist auch, dass die Großeltern untereinander Kontakt haben“, meint die Psychologin. „Auch wenn es Menschen sind, mit denen man sonst nicht viel gemeinsam hat: die Liebe zu den Enkelkindern ist ein starkes Band.“ Und den Enkeln tut es allemal gut, wenn ihre beiden Omas und Opas sich gut verstehen.

Auch mal an sich denken

Auch wenn die heutigen Großeltern nicht mehr in das typische Oma-Opa-Rollenklischee passen wollen und – ganz im Gegenteil – jung und dynamisch wirken: „Die Enkelfürsorge ist für alle Befragten der bedeutungsvollste Aspekt des Lebens“, hat Dr. Sabine Hoier bei ihrer Befragung erfahren. „Großmüttern war diese Fürsorge immer schon wichtig. Aber die Großväter haben hier enorm aufgeholt.“ Da wird selbst der früher durch den Beruf sehr gestresste und genervte Vater zum fürsorglichen Großvater, für den Zeit mit den Enkeln höchste Priorität hat.

Großeltern sollten andererseits aber auch ihr Leben wegen der Enkel nicht total umkrempeln. „Es ist wichtig, dass sie ihre Aktivitäten beibehalten“, rät Dr. Sabine Hoier. „Wenn Großeltern nämlich ständig ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen, schleicht sich auf Dauer Unzufriedenheit ein.“ Ganz wichtig für Kinder ist, dass Großeltern Geschichte erfahrbar machen. Sie sind Zeugen einer Zeit, die Kinder sonst nur aus Erzählungen kennen. Enkelkinder hängen gebannt an Omas und Opas Lippen, wenn diese aus Mamas und Papas Kindertagen erzählen. Oder wenn die Zeitreise noch weiter geht und bis in die Kindheit der Großeltern führt. Quelle: http://www.katholisch.de

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