Samstag, 12. Februar 2011

Vergessen, was einen belastet? - Vom Umgang mit der Schuld


Schuld gehört zu den großen Problemen mit denen sich die Menschen aller Zeiten beschäftigen müssen. Jeder ist von ihr betroffen, wenn auch in verschiedener Weise und in unterschiedlicher Heftigkeit.

Da gibt es die subjektive, persönlich empfundene Schuld. Sie entsteht wenn man gegen seine eigene Überzeugung, gegen sein Gewissen gehandelt hat. Man war zum Beispiel böse, launisch, gemein und macht auch noch jemanden schlecht vor allen Leuten, nur weil man gerade einen schlechten Tag hat. Solche Schuld läuft einem nach. Man könnte sich ohrfeigen...

Dann gibt es die objektiv feststellbare Schuld. Sie entsteht wenn man gegen eine bestimmte Vorschrift gehandelt hat. Beispiel: Man trinkt entgegen seiner Gewohnheit in einer Gesellschaft Alkohohl, setzt sich ans Steuer des Wagens und überfährt jemand. Die Polizei ist schnell zur Stelle, es kommt später zum Prozess, man bekommt die Schuld an diesem Unfall zugeschrieben ...

Eine dritte Form von Schuld ist die krankhaft empfundene Schuld. Sie entsteht aus kindischer Angst, aus zwanghafter Gesetzlichkeit, indem man immer und überall Gebote sieht. Man fühlt sich schuldig, obwohl man nichts Schuldhaftes getan hat. Hier handelt es sich um „unechte“ Schuldgefühle. Menschen die unter solchen Schuldgefühlen leiden brauchen fachkundige Behandlung, oder einen wohlmeinenden Seelsorger.

Dann gibt es Menschen, die trotz nachweisbarer Schuld kein Schuldgefühl empfinden. Was andere zuviel haben, haben sie zuwenig. Da hinterzieht ein reicher Geschäftsmann dem Staat Jahr für Jahr Tausende Euro an Steuergeldern. Er hält es für sein gutes Recht, den Staat zu betrügen ...

Wir sehen: Schuld gibt es in vielfacher Weise. Schuld ist nicht gleich Schuld. Auch der Sünder hat Schuld auf sich geladen. Er hat Gottes Gebot übertreten, das „Tischtuch“ zwischen sich und Gott zerschnitten. Der Sünder hat sich gegen ein unsagbar gütiges DU verfehlt. Sünde bezieht sich immer auf das Verhältnis des Menschen zu Gott. Sie ist im Grunde nichts anderes als ein gestörtes Verhältnis zu Gott.

Wie kann der Mensch mit der Schuld fertig werden?

Die Meinung, man solle nicht mehr über die Schuld reden, ist sinnlos. Die Schuld gibt keine Ruhe. Mit vergessener oder verschwiegener Schuld ist nicht zu spaßen! Sie ist nicht „passé“, sondern treibt ihr Unwesen ständig weiter.

Was der Schuldige vor allem braucht, ist das befreiende Wort der Vergebung. Schuld tut immer weh. Darum gibt es für den, der schuldig geworden ist, nichts Wichtigeres, als dass ihm die Hand zur Versöhnung und Wiedergutmachung gereicht wird. Mahatma Gandhi berichtet Folgendes aus
seinem Leben: „Ich war l5 Jahre, als ich einen Diebstahl beging. Weil ich Schulden hatte, stahl ich meinem Vater ein goldenes Armband, um die Schuld zu bezahlen. Aber ich konnte die Last meiner Schuld nicht ertragen. Als ich vor ihm stand, brachte ich vor Scham den Mund nicht auf. Ich schrieb also mein Bekenntnis nieder. Als ich ihm den Zettel überreichte, zitterte ich am ganzen Körper. Mein Vater las den Zettel, schloss die Augen, und dann zerriss er ihn. „Es ist gut“, sagte er noch. Und dann nahm er mich in die Arme. Von da an hatte ich meinen Vater noch viel lieber.“

Manche lassen den Schuldigen „zappeln“. Andere vergeben, aber wie! Ganz von oben herab, mit herablassender Güte, Gönnerhaft! Die Folge: Der Kleine wird noch kleiner, der Verwundete noch einmal verwundet. Wieder andere verlangen schriftlich fixierte Garantien, dass so etwas nie wieder vorkommt.

Jesus hat das anders gemacht. Bei ihm geschah Wiedergutmachung durch Zuneigung. Er wusste: Wer schuldig geworden ist, ist genug gestraft. Als Simon Petrus ihn dreimal verleugnet hatte, blickte der Herr ihn an, neigte sich ihm zu. Und Petrus „ging hinaus und weinte bitterlich“ (Mt 26,75). Ohne Zuneigung und Vergebung kann niemand leben - die Kinder nicht und auch die Erwachsenen nicht. Am leichtesten tut sich mit der Vergebung, wer selbst Zuneigung und Vergebung erfahren hat.

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