Donnerstag, 24. Februar 2011

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 25. Februar 2011.


Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!

Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.

Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh' auf, geh' hin; dein Glaube hat dir geholfen.(Lk 17,11-19)

Vergiss das Danken nicht!

Ob jemand Erfolg hat oder Misserfolg, hängt in vielen Bereichen von der Quote ab. Musiker und Politiker können ein Lied davon singen, was es heißt, zum Erfolg verurteilt zu sein. Ausschlaggebend sind für sie Einschaltquoten, Verkaufszahlen und Umfrageergebnisse. Stimmen die Zahlen, ist die Welt in Ordnung, wenn nicht, dann haben sie ein Problem.

Wenn wir ,Erfolg‘ zum Maßstab nehmen und auf die Heilung der zehn Aussätzigen durch Jesus anwenden, dann sieht es nicht gut aus. Sicherlich können wir lesen, dass er alle zehn rein gemacht hat, also eine 100%ige ,Heilungsquote‘ hatte. Aber wenn wir weiterlesen, müssen wir feststellen: Nur einer „kehrte um, als er sah, dass er geheilt war und lobte Gott mit lauter Stimme.“ Das bedeutet, dass Jesus in gewisser Hinsicht nur eine 10%ige ,Erfolgsquote‘ hatte. Verständlicherweise fragt Jesus in dieser Situation: „Wo sind die übrigen neun?“

Auf den ersten Blick könnte man meinen: Jesus ist enttäuscht, ja wütend wegen der offensichtlichen Undankbarkeit der Neun. Vielleicht ist er das auch, aber davon sagt das Evangelium uns nichts. Es will vielmehr unseren Blick auf die unterschiedliche Haltung der Geheilten lenken: Neun von ihnen haben nichts begriffen. Sie machen aus dem Rabbi Jesus einen Wunderonkel, der schnell und ohne großen Aufwand eine Heilung vollbringt. Dann soll er Ruhe geben. Die Heilung selbst bringt die Geheilten nicht zum Nachdenken, wer denn dieser mit heilenden Kräften Begabte sein könnte.

Nur einer kommt ins Grübeln. Dem Samariter wurde bewusst, dass Jesus nicht der schnelle Wunderonkel sein will. Ein kurzes Flehen genügt nicht. Rettung und Heil verlangt mehr, verlangt herzlichen Lobpreis, tiefen Dank und ein gläubiges Vertrauen, ein ganzes Leben lang.

Und wir Heute? Sind wir nicht gerade deshalb eine unfrohe, frustrierte, gelangweilte Gesellschaft geworden, weil wir trotz allen Wohlstands verlernt haben, zu danken? Weil wir es wie Kinder tun, die immer nur sagen "ich will das und das ...", aber nie gelernt haben "danke" zu sagen. Und die Kinder verhalten sich so, weil sie dieses Verhalten von den Alten gelernt haben. Wir wollen mehr und immer mehr und haben versäumt, für das, was wir schon erreichen durften, zu danken. Wir rufen in Stunden der Not: "Herrgott, hilf !" Und wenn die Krankheit überwunden ist, gehen wir zur Tagesordnung über.

Wir haben mehr erreicht, als Menschen sich jemals erträumen konnten. Aber sind wir darüber froher, glücklicher geworden? Oder haben wir uns nicht vielmehr selbstsicher und verbissen in den Slogan geflüchtet: "das steht mir zu !" Alles steht uns zu, und so brauchen wir niemandem mehr zu danken. Dabei sind wir eine freudlose, weil danklose Gesellschaft geworden.

Achtet einmal darauf, wenn mehrere Menschen beisammen sind, wie das Gespräch verläuft. Da wird sehr oft darüber geschimpft, wie schlecht es uns geht. Das Wetter ist schlecht, die Ärzte sind schlecht, die Politiker tun nichts für uns, usw. Sehr selten klingt Dank oder Freude an. Selten, aber immerhin! Ja, es gibt zum Glück einige wenige, die nicht einfach nur fordern, sondern sich bewusst sind: Ich werde beschenkt, ich werde geliebt, ich darf danken ! Sie stehen für den einen Geheilten im Evangelium. Eins zu zehn ist im Evangelium die Quote. Eins zu zehn schätze ich, wird sie auch in unserer Zeit sein.

So kann uns dieses Evangelium wachrütteln bewusst auf das zu achten was wir an schönem und Gutem jeden Tag geschenkt bekommen. Teils durch andere, teils durch unser eigenes Bestreben. Wer länger überlegt, wird vielleicht feststellen, dass es doch einige Dinge gibt, für die er danken kann: für ein gutes Wort, für die Anteilnahme der Mitmenschen bei einem Sterbefall in der Familie, für einen Händedruck, der mehr sagte als viele Worte, für einen gelungenen Abend, den wir selbst, oder andere organisiert haben, für das Licht des neuen Tages, für das gute Gespräch mit einem Freund, das schon lange zurückliegt, mir aber noch als kostbare Erfahrung in Erinnerung ist.

Vielleicht sind es ja nur wenige Augenblicke des Glücks gewesen. Es muss nicht immer die Heilung von einer schweren Krankheit sein. Immerhin, wir können davon erzählen - und leben. Sind diese Erfahrungen unser Werk, unsere eigene Leistung? Vielleicht ist uns aufgegangen: Das habe nicht ich gemacht; das ist im Grunde gar nicht zu machen. Es ist ein Geschenk des Himmels! Achten wir einmal bewusst auf solche großen und vor allem die kleinen Erfahrungen des Glücks und vergessen wir das Danken nicht.

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