Montag, 7. Februar 2011

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 08. Februarr 2011.


Einmal wollte ein Mädchen sein Fahrrad anstreichen. Es hatte grüne Farbe dazu genommen. Grün hat dem Mädchen gut gefallen. Aber der große Bruder hat gesagt: “So ein grasgrünes Fahrrad habe ich noch nie gesehen. Du musst es rot anstreichen, dann wird es schön." Rot hat dem Mädchen auch gut gefallen. Also hat es rote Farbe geholt und das Fahrrad rot angestrichen.

Aber ein anderes Mädchen hat gesagt: „Rote Fahrräder haben doch alle! Warum streichst du es nicht blau an?" Das Mädchen hat sich das überlegt, und dann hat es sein Fahrrad blau angestrichen.

Aber der Nachbarsjunge hat gesagt: „Blau? Das ist doch so dunkel. Gelb ist viel lustiger!" Und das Mädchen hat auch gleich Gelb viel lustiger gefunden und gelbe Farbe geholt.

Aber eine Frau aus dem Haus hat gesagt: „Das ist ein scheußliches Gelb! Nimm himmelblaue Farbe, die finde ich schön. Und das Mädchen hat sein Fahrrad himmelblau gestrichen.

Aber da ist der große Bruder wieder gekommen. Er hat gerufen: „Du wolltest es doch rot anstreichen! Himmelblau, das ist eine blöde Farbe. Rot musst du nehmen, Rot!“ Da hat das Mädchen gelacht und wieder den grünen Farbtopf geholt und das Fahrrad grün angestrichen, grasgrün. Und es war ihm ganz egal, was die anderen gesagt haben.

Die Geschichte zeigt: Wer eiligst auf jeden Vorschlag eingeht, ist nicht unbedingt klug; wer jedem zu gefallen sucht, ist noch lange nicht bescheiden; wer es allen recht machen will, steht am Ende ganz dumm da und gefällt schlussendlich niemandem. Ein wirklich Weiser hingegen steht zu dem was er ist und was er meint und wird dadurch von anderen ernst genommen.

Dieser Meinung ist auch Jesus Sirach, der um 180 v. Chr. als Weisheitslehrer in Jerusalem tätig war und aus dessen Buch wir einen Ausschnitt lesen: Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt. Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott. Für die Wunde des Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln. Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche der Weisen, ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude. (Sir 3,17-18.28-29)

Mein Sohn, bei all deinem Tun bleib demütig, und du wirst mehr gelobt werden als einer, der Gaben verteilt“ (V17), das meint nichts anderes als: Sei der, der du bist. Sei bescheiden und versuche nicht jedem zu gefallen, nur um von anderen gelobt zu werden.

Gunsterwerb um jeden Preis hat nichts mit Wohltätigkeit zu tun, sondern endet oft tragisch, weil man sich in Abhängigkeiten hineinmanövriert. Dagegen wird nüchterne Selbsteinschätzung, die um die eigenen Grenzen weiß, und ehrliche Offenheit von den Mitmenschen wahrgenommen und geschätzt. Eine eigene Überzeugung und ein persönlicher Standpunkt werden von den Mitmenschen gewürdigt und geschätzt und verschaffen Achtung.

Weiter sagt Jesus Sirach: „Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott“. Mit "groß" ist der Reichgewordene, wirtschaftlich Mächtige und politisch Einflussreiche angesprochen. Der durch glückliche Umstände nach oben empor gestiegene erliegt leicht der Gefahr eitlen Imponiergehabens, das sich anmaßend, ehrsüchtig und rechthaberisch äußert. Die Versuchung ist groß, sich in überheblichen Gebärden von oben herab als gnädiger Herr zu geben.

Arroganz, Rechthaberei und Rücksichtslosigkeit vergiften und zerstören so die zwischenmenschlichen Beziehungen, Das ist der Grund, warum der durch Erfahrung klug gewordene Weisheitslehrer Jesus Sirach seinen Hörern die Bescheidenheit ans Herz legt. Demütige Selbstbescheidung ist die soziale Grundtugend, in der sich alle Höhergestellten und Einflussreichen üben sollten. Freundlichkeit und Rücksichtnahme, Verfügungsbereitschaft und Anspruchslosigkeit sind Tugenden, die auch heutzutage noch ihren Stellenwert in der Gesellschaft haben.

Kurz: Eine von Klugheit geleitete Bescheidenheit vergibt sich nichts, sondern gewinnt alles. Sie braucht sich nicht zu zieren, ist sie doch eine Zier vor Gott und den Menschen!

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