Dienstag, 8. März 2011

Aschermittwoch - Beginn der 40-tägigen Fastenzeit


Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt eine neue Zeit im Kirchenjahr: die Fastenzeit, oder richtiger: die österliche Bußzeit, wie wir diese Wochen bis Ostern nennen.

Die Fastenzeit ist keine Zeit, die so für sich da steht, sondern wir müssen sie im Zusammenhang sehen mit dem Fest das an ihrem Ende steht: Ostern. Darauf läuft diese 40-tägige Fastenzeit hinaus. Auf die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu sollen wir uns bereiten. Lassen wir uns in diesen vierzig Tagen vom hl. Paulus ermahnen, der uns in der Lesung sagt, dass jetzt die Zeit der Gnade ist, dass jetzt die Tage des Heils da sind (2 Kor 6,2).
Heilsstunden beginnen, wenn wir wacher und bewusster als sonst leben, wenn wir Nachlässigkeiten ablegen. Unser Leib, unser Herz und unsere Seele soll fasten von all dem was uns krank macht, was uns verschlossen hält für Gott und die Menschen.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Wenn wir am Aschermittwoch daran erinnert werden, wie vergänglich unser Leben ist, dann will die Kirche damit nicht sagen: Es hat ja doch alles keinen Sinn; es lohnt sich überhaupt nicht, sich in diesem Leben anzustrengen. Ganz im Gegenteil, sie will uns anspornen, damit wir uns für die richtigen Dinge einsetzen, für das, was bleibt.

Es geht im Leben eben nicht zuerst um Karriere, um großes Ansehen, Ruhm, Einfluss, Macht: All das vergeht. Es geht vielmehr darum, die Zeit zu nutzen, um die Welt zu verändern, um eine bessere, eine lebenswertere Welt zu gestalten, oder, um es mit den Worten der Bibel zu sagen, um Reich Gottes aufzubauen. Und der Einsatz dafür lohnt sich; denn das bleibt!

Die Kirche gibt uns für diese Besinnung sehr bewährte Hilfsmittel an die Hand, eine Art von Werkzeugen, die uns helfen wollen, dass wir unsere Kraft für die richtigen Dinge einsetzen, nämlich dafür, die Welt zu verbessern. Ja! Christen sind Weltverbesserer - aber nicht in einem utopischen, unrealistischen, romantischen Sinn, sondern die an ihrem Ort, in ihrem Bereich, in ihrem schlichten Alltag anpacken und ernst machen mit dem Evangelium. Das heißt: eben nicht nur einen Blick zu haben für das, was mir nützt, was mich weiter bringt, sondern vor allem einen Blick dafür zu haben, was allen nützt, was die Welt weiterbringt, was meinem Nächsten genauso hilft wie mir selbst. Diese Werkzeuge, die Hilfsmittel, die uns an die Hand gegeben werden, das sind die drei Dinge, die uns im Evangelium gesagt wurden: Almosen geben, Beten, Fasten.

Almosen geben, das bedeutet: den Blick für den Nächsten und seine Bedürfnisse offen halten. Wir haben oft ein sehr sensibles Gespür entwickelt für unsere eigenen Bedürfnisse, für das, was mir nutzt und hilft und Freude macht. Und das ist auch in Ordnung. Aber es ist notwendig, dass wir ein mindestens ebenso feines Gespür für die Bedürfnisse der anderen haben.

Beten, das bedeutet: immer wieder die Verbindung mit Gott suchen. Aus dieser Verbindung zu leben versuchen. Von hier her immer neu Kraft zu schöpfen. Im Gebet erhalte ich die Kraft mich immer neu einzusetzen. Beten heißt: sich immer wieder vergegenwärtigen, was Gott von mir will und erwartet. Das wird er uns in den seltensten Fällen direkt sagen. Im Gebet aber bleibe ich mit Gott in einer so engen Verbindung, dass ich spüre, was er von mir will, ohne dass er es ausdrücklich sagen muss. Und deshalb ist das Gebet so wichtig und so hilfreich, gerade in einer Zeit, in der ich vielleicht meine Ziele, die Grundrichtung meines Lebens neu überprüfe.

Fasten: Dieses Hilfsmittel hat der Fastenzeit ihren Namen gegeben. Das Fasten darf nicht falsch verstanden werden: Es geht nicht darum, sich selbst zu kasteien. Im Gegenteil, es geht darum in den Blick zu nehmen: Was tut mir gut? Damit ich den Blick dafür frei bekomme: Was brauche ich wirklich zum Leben und was ist vielleicht schönes, aber nicht notwendiges Beiwerk? Der bewusste Verzicht auf manchen Luxus, auch vielleicht einmal wirkliches Fasten lässt uns zugleich dankbarer werden für all das, was wir sonst als selbstverständlich ansehen. Und er schafft Raum für neue Erfahrungen: Wer zum Beispiel in der Fastenzeit einmal auf Fernsehen verzichtet, hat plötzlich wieder Raum, um einmal ein gutes Buch zu lesen oder etwas mit der Familie zu unternehmen, oder einfach nur, um über sich nachzudenken oder zu beten.

Verzicht ist also nicht Selbstquälerei, sondern macht frei für neue Erfahrungen. Almosen geben, Beten und Fasten: Das sind drei Werkzeuge, die uns helfen wollen zu entdecken, worauf es wirklich ankommt im Leben was bleibt, auch wenn wir einst zu Staub geworden sind.

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