Dienstag, 29. März 2011

Das Maß der Vergebung


Petrus trat an Jesus heran und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Bis siebenmal? Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal-
siebenmal! (Mt 18,21-22)


Dass Menschen sich wieder miteinander versöhnen oder einen Ausgleich untereinander erreichen, ist gar nicht so einfach. Wie oft kommt es vor, dass die Brücke zwischen Freunden, Nachbarn, Kollegen oder sogar Verwandten abgebrochen ist. Keinen einzigen Schritt will oder kann man mehr aufeinander zugehen: Ohnmacht – Kälte – Funkstille. Wie sehr muss da Jesu Aufforderung zur Vergebung ins Herz treffen, entdecken wir doch angesichts seines Gebotes zur Aussöhnung unsere eigene Schuld oder unseren Mangel.

Im biblisch-semitischen Denken verbindet sich die Zahl Sieben mit der Fülle. Sieben Tage machen eine volle Periode aus, sieben Planeten waren bekannt. Die heilige Zahl Sieben und das Wort „Fülle“ werden im Hebräischen sogar mit dem gleichen Begriff ausgedrückt. Wenn Petrus heute vorschlägt, als Antwort auf seine selbst eingebrachte Frage nach der Vergebung, siebenmal zu verzeihen, dann meint er, dass er schon einen perfekten Vergebungswillen hat Die Maßstäbe des Reiches Gottes aber sind andere. Jesu Antwort bezieht sich auf die Vollkommenheit göttlicher Vergebung. Gott ist bereit, uns vollkommen zu vergeben, auch wenn wir es nicht verdient haben. Aber wem verziehen wird, der soll selbst zum Menschen möglichst vollkommener Verzeihung werden. Es ist geradezu ein Beweis gelingender Nachfolge, von Herzen vergeben zu können.

Um die durch Jesus vorgelebte göttliche Barmherzigkeit immer wieder verinnerlichen zu können, beten wir Christen im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Nach dem Maß, mit dem wir vergeben, wird auch uns vergeben
werden

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