Freitag, 11. März 2011

Vom richtigen und falschen Fasten

Auf die Frage, was die Menschen unter Fasten verstehen, steht die Antwort „weniger essen“ wohl an erster Stelle. Fasten bedeutet aber noch viel mehr. Die Schrifttexte des heutigen Tages zeigen uns, was Gott unter Fasten versteht. Wir erhalten ganz konkrete Vorschläge, wie wir unsere Fastenzeit gestalten können. Es geht dem Propheten Jesaja, um das richtige Fasten. Auf die rechte Gesinnung kommt es an. Jesaja sagt: „Ihr lasst eure Köpfe hängen wie eine Binse, damit jeder sieht, dass ihr fastet. Gleichzeitig betreibt ihr mit brutaler Gewalt eure Geschäfte und es gibt Streit und Zank.“ Ein solches Fasten gefällt Gott nicht. Solch fromme Übung ist schal und leer. Sie schadet mehr, als dass sie hilft. Der Prophet Jesaja:

So spricht der Herr: Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück! Lass deine Stimme ertönen wie eine Posaune! Halt meinem Volk seine Vergehen vor und dem Haus Jakob seine Sünden! Sie suchen mich Tag für Tag; denn sie wollen meine Wege erkennen. Wie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das vom Recht seines Gottes nicht ablässt, so fordern sie von mir ein gerechtes Urteil und möchten, dass Gott ihnen nah ist.


(Gott spricht:) Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt?

Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. (Jes 58,1-9)

Fasten im Sinne Gottes verändert etwas in der Gesellschaft: Der Hungrige wird satt, der Nackte bekleidet, der Arme bekommt eine Unterkunft. Damit wird ein verengtes Verständnis vom Fasten weiter gefasst. Wer immer noch der Meinung ist, Fasten bedeute nur reduzierte Nahrungsaufnahme, wird heute eines Besseren belehrt. Nicht Gesundheit und Kosmetik, sondern geistige Erneuerung ist der Sinn dieser Wochen. So lesen und hören wir es am Beginn der österlichen Bußzeit. Vielleicht müssen wir unsere Fastenvorsätze nach dieser Lesung etwas korrigieren.

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