Dienstag, 15. März 2011

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 16. März 2011

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen (Am 8,4-7).
Stellt euch vor ein Pfarrer würde so von der Kanzel reden, wie wir es eben vom Propheten Amos gehört haben. Einige würden wahrscheinlich unter Protest die Kirche verlassen, andere würden sich nach der Messe per Telefon beschweren. Andere würden sagen, ich gehe nicht zur Kirche, um eine Drohbotschaft zu hören, sondern eine frohe Botschaft. Was ist also dran an der Botschaft des Amos?
Um sie zu verstehen müssen wir uns zurückversetzen etwa um das Jahr 760 v. Christus. Vor dem Tempelportal von Bet-El hatte sich der Prophet Amos postiert. Viele Pilger kamen dorthin, um mit großem Aufwand ihre festlichen Gottesdienste zu feiern. Damals erlebte die Wirtschaft des Landes einen mächtigen Aufschwung, weil seit vierzig Jahren Friede im Land herrschte, und das war für damalige Verhältnisse eine Seltenheit. Handel und Verkehr blühten auf. Dementsprechend ist auch die Lebensweise der Menschen. Berauschende Feste werden gefeiert, mit allem was dazugehört. Kurzum, es waren vierzig Jahre schönes Leben.
In diese Welt hinein spricht nun die Stimme des Propheten Amos. Er spricht die wirtschaftlichen und religiösen Missstände im Land an, denn bei allem Reichtum: dieser Reichtum beschränkte sich auf eine gewisse Oberschicht im Lande. Die kleinen Leute haben davon kaum etwas abbekommen. Im Gegenteil: Die Reichen wurden immer reicher und die Armen immer ärmer. Und die breite Volk gehörte eben zu den Armen. Eine richtige Ellenbogen-
gesellschaft hatte sich herausgebildet. Für gegenseitige Unterstützung blieb wenig Sinn. "Eine böse Zeit, sagt Amos .

Ich will nicht dramatisieren, aber ich sehe durchaus Parallelen in unserer Zeit. Übertragen wir diese Rede des Amos ins heute, dann müssen wir allerdings auch sozusagen international denken, dann ist mit den üblen Geschäftemachern, die ihre Waage manipulieren, das Maß kleiner und den Preis größer machen, nicht der Laden um die Ecke gemeint, oder der Händler vom Mittwochsmarkt, nein, dann sind die Multis gemeint, die weltweit agieren, und deren Geschäftspraktiken für den Durchschnittsverbraucher immer undurchsichtiger werden.
Großkonzerne jonglieren regelrecht mit ihren Mitarbeitern. Wer bereits Geld hat, verdient leichter weiteres hinzu als jener, der nur auf seine Arbeit angewiesen ist. Die Schere von Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Verdienen die Konzerne nicht mehr genug, dann wird kurzerhand ein ganzer Betrieb geschlossen und nach Thailand oder in ein anderes Billigland verlegt und die Ware dort produziert, notfalls sogar durch Kinderarbeit.
Amos sagt: “Wann ist das Neumondfest vorbei, wir wollen Getreide verkaufen. - Das Neumondfest war ursprünglich ein Dankfest, ähnlich unserem Erntedankfest. Heute ist es ähnlich. Wie damals wird jeder Tag, an dem die Geschäfte geschlossen sind und die Maschinen stillstehen, geheim oder offen beklagt. Der Sonntag muss weg, sonst können wir nicht mehr mithalten und konkurrieren. Unsere Maschinen sind so schnell und so modern, dass wir sie unmöglich sonntags ausschalten können, sonst fahren wir Verluste ein. Dass dadurch immer mehr Menschen gezwungen werden, an einem seit tausenden von Jahren bestehenden Ruhetag arbeiten zu müssen, interessiert nicht, Hauptsache die Kasse stimmt. Die Marktriesen diktieren den Preis und machen die Kleinen kaputt. Wir lesen täglich davon in der Zeitung. Und dass selbst mit Müll noch satte Gewinne zu machen sind, das war schon zur Zeit des Amos so.
Die Rede des Amos ist sehr hart. Er sagt am Schluss, im Namen seines Gottes, der ihn als Prophet gesandt hat “Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen“. Nicht umsonst wurde dieser Prophet als Aufrührer verfolgt. Er hätte es sicher leichter gehabt, wenn er gesagt hätte: „Natürlich gibt es manche Missstände, aber irgendwie haben wir doch alle unsere Fehler und brauchen deshalb Nachsicht und Vergebung.“
Wir lieben unseren Trott, unsere eingefahrenen Gleise, unsere Gewohnheiten. Da haben es Propheten schwer. Vergessen wir den Schwur Gottes nicht, den Amos ausspricht: Ich werde ihre Taten nicht vergessen. Wer sich auf Kosten der Armen bereichert, lebt im Widerspruch zu Gott. Denn er steht auf der Seite der Schwachen. Tun wir was uns möglich ist.

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