Sonntag, 20. März 2011

Wort Gottes für den Tag, Montag, 21. März 2011.

Vom Richten
Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.

Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden. (Lk +6,36-38)

Die Zeit vor Ostern will uns ermutigen zu einem neuen Lebensstil. Das steckt hinter der Forderung nach Umkehr. Wir sollen uns an Gott selbst ausrichten, auf dessen Bild hin wir ja geschaffen sind. Und dieser Gott ist ein menschenliebender, barmherziger Gott, der ja zu uns sagt. So kann Jesus uns heute auch sagen: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Das sollen wir uns vornehmen – nicht nur für diese Zeit, sondern grundsätzlich.

Es ist ein hohes Ziel, aber wieviel Gutes für uns und die Menschen um uns herum steckt darin: Seid barmherzig.
Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! (Lk 6,36) Diese Weisung soll allem Umgang miteinander zugrunde liegen. Die Christen sollen in allem so sein, wie der himmlische Vater zu ihnen ist. Diesen Zusammenhang kannte schon das Alte Testament, wenn es heißt: Seid heilig, denn ich, der Hem euer Gott, bin heilig (Lev 19,2).

Im Evangelium geht es um eine Grundhaltung. Richten und Verurteilen sind in einem
Sinn gemeint, der nur Gott zusteht, nicht aber Menschen, die weder die Liebe noch die Einsicht Gottes aufbringen. Wir können und müssen sicherlich Ansichten und Taten beurteilen und wohl auch verurteilen. Etwas anderes aber ist es, einen Schuldig gewordenen endgültig zu verurteilen und ihm quasi vor Gott und den Menschen keine Chance mehr zu lassen. Es kommt auf die Haltung an, in der wir anderen begegnen, die sich verfehlt haben: in gnadenloser Strenge, die ein gewisses Rachegefühl befriedigt, oder mit der Bereitschaft der Vergebung, die verlangt, dass ich dem anderen helfe.

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
In der Konsequenz des Gebotes, nicht zu richten und nicht zu verurteilen wird dieser Satz gleichsam umgedreht: Ihr werdet das Maß der Barmherzigkeit Gottes erhalten, das ihr anderen gewährt habt. Die Hoffnung der Christen kann dann nur sein, dass die Barmherzigkeit Gottes noch einmal das Maß der menschlichen Barmherzigkeit übersteigen wird.
Hier zeigt sich ein deutlicher Verweis auf das Vaterunser: Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Dieser Verweis macht deutlich, dass es nicht darum geht, Dinge unter den Teppich zu kehren oder zu verharmlosen. Schuld bleibt Schuld und eine mehr oder Weniger große Störung der Beziehung zu Gott und unter den Menschen. Aber wir sollen, besser: dürfen damit umgehen, wie Gott damit umgeht, großzügig und nicht engherzig.
Gott gibt dem Gebenden wie ein hochherziger Bauer: mit reichem, vollem, gehäuften, überreichen Maß, und nicht wie ein Geizhals,der das Maß flach streicht. Ein plastisches Bild, mit dem wir unseren Umgang mit anderen bemessen können.

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