Samstag, 5. März 2011

Wort Gottes für den Tag, Sonntag, 2. März 2011


Die Debatten über das Kopftuchverbot, den Bau von Moscheen oder auch den Umgang mit dem Islam im Allgemeinen werden teilweise recht hitzig und mit den verschiedensten Argumenten geführt. Auffällig ist immer wieder das Argument der Angst, irgendwann vom Islam überrannt zu werden.

Ganz so dramatisch würde ich es nicht einschätzen, aber ich glaube, dass so etwas durchaus passieren könnte. Die Schuld dafür wäre allerdings nicht bei unseren muslimischen Mitbürgern zu suchen, sondern da müssen wir Christen uns schon an der eigenen Nase fassen. Was macht den Islam scheinbar so stark? - Es ist die Einstellung zum eigenen Glauben. Die Überzeugung von dem, was man bekennt, und den festen Willen, das, was man glaubt, im Leben umzusetzen und in der Öffentlichkeit zu dem zu stehen, was man glaubt. Da hat uns der Islam einiges voraus.

Natürlich möchte ich hier nicht einfach verschweigen, dass es im Zusammenhang mit dem Koran und den Muslimen einiges zu kritisieren gibt. Wir alle kennen die Fehlformen des Islamischen Glaubens und die Folgen die aus einer fehlgeleiteten Interpretation des Koran entstehen können. Wir sehen sie fast jeden Tag am Fernsehen. Aber wir müssen doch auch differenzieren und die Lage sachlich beurteilen. Nicht jeder streng gläubige Muslime trägt auch
gleichzeitig einen Sprengstoffgürtel um den Bauch. Ich glaube sogar, dass die Mehrzahl der Muslimen Gewalt ablehnen.

Wir könnten an ihnen aber etwas abschauen: Uns Christen täte ein wenig mehr Mut und Standfestigkeit manchmal ganz gut. Dazu will uns auch der heutige Lesungstext aus dem Buch Deuteronomium auffordern: „Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und auf eure Seele schreiben. Ihr sollt sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf eurer Stirn werden" (Dtn 11,18). Da gibt Mose dem Volk Israel den Auftrag, sich mit dem Wort Gottes zu schmücken. Und er meint das wirklich wortwörtiich. Sie sollen sich die zehn Worte JHWH‘s , wir sagen die zehn Gebote, auf Herz und Seele schreiben, sie sollen sie als Zeichen um das Handgelenk binden und die zehn Worte JHWH‘s als Schmuck auf der Stirn tragen, damit sie diese auf keinen Fall vergessen.

Fromme Juden nehmen diese Bibelstelle ganz wörtlich. Zum Gottesdienst binden sie sich kleine Kapsein mit Lederschnüren um das Handgelenk und auf die Stirn und in der Kapsel ist tatsachlich das Wort Gottes - nämlich ein Satz aus dem Alten Testament, in dem das Entscheidende der Bibel zusammengefasst ist: "Höre lsrael! Jahwe, unser Gott, ist der einzige Gott! Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft!“ Daran soll man erkennen können, wohin dieser Mensch gehört: zum Volk Gottes und es wird deutlich, dass er seinen Glauben ernst nimmt und einen festen Standpunkt im Leben hat.

Das - so stellt Mose im Namen Gottes klar - bedeutet Segen. Wer das Wort Gottes hört und es im Herzen trägt, wer sich öffentlich dazu bekennt erfährt Segen. Wer das Wort Gottes aber ablehnt oder sich scheut im Alltag zu ihm zu stehen, und statt dessen Iieber anderen Göttern nachläuft, der zieht einen Fluch auf sich.

Das, liebe Christen, sind harte Worte für verwöhnte Westeuropäische Ohren. Aber sie stehen so in der hl. Schrift. Und anstatt Angst vor einem mächtigen lslam zu haben, sollten wir lieber prüfen, wie wir zum Wort Gottes stehen. lst es wirklich Richtschnur für unser Leben? Hat es eine Bedeutung für mich, oder geht es zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus?
Genau das will Jesus auch im heutigen Evangelium deutlich machen, wenn er sagt: ,,Nicht jeder kommt in das Himmelreich, der zu mir sagt: Herr! Herr! Sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfült!“ (Mt 7,21). Es braucht für den Eintritt in den Himmel gleichsam eine Art Ausweis, ein Zeichen, an dem ich erkannt werde. Und da genügt nicht ein frommes
Lippenbekenntnis nach dem Motto: ,,Ach, Iieber Jesus, wir waren doch immer die besten Freunde!“ Sondern da braucht es etwas wirklich Sichtbares, Vorzeigbares.

Die Liebe zu Gott muss gleichsam sichtbar geworden sein in unseren Taten: "Wer meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat! (Mt 7,24) Gottes Wort will nicht nur fromm gehört sein nach dem Motto: zum einen Ohr rein und zum andern wieder heraus, sondern es muss sich in Taten verdichten. Dadurch erst entsteht ein solides Fundament. Unsere Taten sollen wie ein Brandzeichen sein, an dem jedermann erkennen kann, woraus wir leben, worauf wir unser Leben gegründet haben: auf die Liebe zum einzigen Gott und zu seinen Geschöpfen.

Keine Kommentare: