Mittwoch, 27. April 2011

Ehrensache Ehrenamt


In jeder Pfarrei und Pfarreiengemeinschaft gibt es viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Ihr Dienst steht oft nicht im Vordergrund, er ist aber sehr wichtig für das Leben in einer Pfarrei. In Deutschland sind schätzungsweise 23 Millionen Menschen über 14 Jahre ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden, Initiativen oder Kirchen tätig. Manches könnte ohne Ehrenamtliche kaum mehr existieren. Neben Betreuung von Kindern und alten Menschen zählen dazu: Dienste bei Tierschutz, Berghütten, Bewährungshilfe, Telefonseelsorge, Caritas und Diakonie, Hilfsorganisationen, Umsonstladen oder Hausaufgabenhilfe; Helfer wie Grüne Damen und Herren in vielen Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen; in Sport- und anderenVereinen. Die Freiwilligen Feuerwehren, wichtigste Stütze der aktiven Gefahrenabwehr in Deutschland, haben ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder. Auch den Katastrophenschutz der Bundesrepublik Deutschland gewährleisten größtenteils ehrenamtliche Kräfte.

Frau Müller (Name erfunden; Situation ist Realität) leitet seit 20 Jahren die Frauengemeinschaft. Außerdem hilft sie mit im Team der Katholischen Öffentlichen Bücherei, bei der Sakramenten-
vorbereitung und ist selbstverständlich Mitglied im Pfarrgemeinderat. Im Gespräch sagt sie: „Mir ist eigentlich alles zuviel. Aber man will ja niemanden enttäuschen. Die Frauengemeinschaft wollte ich schon seit vielen Jahren abgeben, aber niemand fand sich für die Nachfolge. Dann mache ich halt noch weiter. Nur: Ich verstehe nicht, warum die jungen Frauen nicht kommen. Da ist heute alles anders als früher.“ Sie macht alles andere als den Eindruck, dass ihr die Arbeit Freude macht. Mit der Organisation der Adventsfeier und der Karnevalsfeier für die Frauengemeinschaft war sie eigentlich sehr überfordert.

Wie soll ehrenamtliches Engagement aussehen?

Was ist zu tun? In der Tat finden sich nur noch wenige Menschen bereit, ehrenamtlich in den Gemeinden mitzuarbeiten. Sind deshalb die Menschen schlechter geworden? Wie soll ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde aussehen?

Mitarbeit aus Freude

Dazu möchte ich im Folgenden einige Anregungen geben: Zunächst das Wichtigste: Ehrenamtliche Mitarbeit muss auch und überwiegend Freude bereiten. Wer nicht eine Freude an seiner Mitarbeit ausstrahlt, kann auch von der Frohbotschaft des Evangeliums nichts vermitteln. Ehrenamtliche Tätigkeit sollte deshalb aus echter Betroffenheit und innerer Überzeugung erwachsen und nicht aufgrund eines tatsächlichen oder sich selbst eingeredeten moralischen Zeigefingers.

Wirkliche Probleme anpacken

Die Pastoral-
theologen sprechen von einer Pastoral aus Betroffenheit anstelle der Zielgruppen-
pastoral. Von all dem, was sich an bürgerlichen Formen pfarrgemeindlichen Lebens entwickelt hat, muss vielleicht das eine oder andere einmal fallengelassen werden. Nicht alle Elemente der volkskirchlichen Tradition lassen sich in der Zeit schwindender Kirchenmitgliedszahlen aufrechterhalten. Aber dies ist auch gar nicht nötig. Entscheidend scheint mir, wirkliche Probleme im Stadtteil zu sehen und anzupacken, den Blick also über die traditionelle pfarrgemeindliche Arbeit hinaus zu erweitern auf das Wohnumfeld des eigenen Stadtteils.

Loslassen und auf Gott vertrauen

Bei unserem nächsten Gespräch werde ich Frau Müller raten, den Vorsitz der Frauengemeinschaft trotz allem niederzulegen, auch auf die Gefahr hin, dass die Frauengemeinschaft dann erstmal auseinander bricht. Manches müssen wir auch loslassen können. Vielleicht werden dann in ein bis zwei Jahren neue Frauengruppen aus dem Boden sprießen. Ganz andere vielleicht als die heutige Gruppierung! Von ihrem Gemeindeengagement sollte Frau Müller nur das beibehalten, was ihr wirklich selbst Freude macht. Vielleicht tut eine gewisse Abstinenz vom Gemeindeleben ihr auch einmal sehr gut. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin muss man auch einmal gehen dürfen. Das verlangt von der Gemeinde, nicht ängstlich zu sein, sondern auf Gottes unverhofftes Wirken zu setzen. (Elmar Funken, in: www.pfarrbriefservice.de)

Nur kein Ehrenamt (?)


Willst du froh und glücklich leben?
Laß kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehne jedes Amt glatt ab!
So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft Dir schnipp, schnapp,
Deine Ehre vielfach ab!
Wieviel Mühe, Sorgen, Plagen,
wie viel Ärger musst du tragen,
gibst viel Geld aus, opferst Zeit –
und der Lohn? – Undankbarkeit!
Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul,
jedes ungewasch´ne Maul!
Ohne Amt lebst du so friedlich
und so ruhig und gemütlich.
Du sparst Kraft und Geld und Zeit,
wirst geachtet weit und breit!
Drum, so rat ich dir im Treuen:
Willst du Frau und Mann erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
laß das Amt doch anderen Dummen!

Wilhelm Busch (zugeschrieben)


„Genau“ werden vielleicht einige sagen. Doch was würden wir in der Gemeinde, im Verband oder Verein sagen, wenn alle so denken würden. Dann gäbe es keine Messdiener, Lektoren, Kommunion-
helfer, Vorbereitungsgruppe für Gottesdienste, Büchereien, Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände, Chöre, …
Es gibt sie aber, die Ehrenamtlichen, die ein Amt zum Wohle anderer übernehmen. Und sie sind oftmals froh und glücklich, trotz des Ehrenamtes oder auch gerade wegen des Ehrenamtes. Dieser Dienst kann gar nicht hoch genug wertgeschätzt werden. Hoffen wir, dass es diese Menschen auch weiterhin gibt, damit ein lebendiges Gemeindeleben überhaupt möglich ist. Fangen wir bei uns selber an: Danken Sie den ehrenamtlich Tätigen doch einmal für den gelungenen Schaukasten oder den Pfarrbrief oder die Mitarbeit bei …

Oder stellen Sie sich selber für ein Ehrenamt zur Verfügung. Bringen Sie Ihre Kompetenzen ein. Sie werden sehen, ein Ehrenamt ist nicht nur Last, sondern auch Freude. (Michael Bogedain)

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