Samstag, 2. April 2011

Gedanken zum Sonntagsevangelium


Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Er sagte zu ihm und den Umstehenden: Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.


Nicht sehen können! Vielleicht von Geburt an! Oder wenn ein Unfall oder eine heimtückische Krankheit das Augenlicht raubt! Wir, die wir sehen können, wissen alle zusammen nicht, was das bedeutet: Ständig in der Nacht leben müssen!

Darüber hinaus gibt es noch ganz andere Blindheiten, die weit verbreitet sind: Ich sehe beispielsweise nicht, welch hoher Wert die Gesundheit für mich ist. Erst die Begegnung mit einem Kranken oder eine eigene, schwerwiegende Krankheit öffnet mir da die Augen. Ich bekomme einen neuen Blick.

Und noch so eine „Blindheit“: Ich denke an jemand aus einem der Dörfer in denen ich arbeite einen Menschen, den ich bisher nur ganz oberflächlich kannte. Ich hatte große Vorbehalte ihm gegenüber. Ich ging nur von äußerlichen Gegebenheiten aus. Erst jetzt, als ich einmal näher mit ihm ins Gespräch kam, merkte ich, wie wertvoll er doch ist, wie viel in ihm steckt. Ich gestehe: Das war eine ganz unangenehme und gefährliche Blindheit bei mir.
Ich denke an die Blindheit der Menschen die glauben, dass alles machbar ist, dass es keine Grenzen gibt. In diesen Tagen und Wochen gehen uns die Augen auf. Wir sehen die Fehler die gemacht werden im Umgang mit der Atomenergie.

Und dann denke ich beim Thema „Blindheit“ auch an Menschen die groß geworden sind in einer Umgebung und Familie die ihnen nie die Chance gaben Zugang zum Glauben zu finden, wo die religiöse Dimension einfach fehlte. In den kommenden Jahren wird es immer mehr solcher Menschen geben, die auf keine Glaubenstradition in der Familie zurückgreifen können.

Trotzdem ist es möglich, dass sie zum Glauben an Jesus kommen. Denn Gott sucht die Menschen und er findet immer neue Wege zu ihnen. Im Evangelium wird das sehr deutlich. Der erste Schritt zur Überwindung der Blindheit wird nicht vom Blinden selber getan sondern von Jesus. Jesus erblickt den Blinden. Und ohne dass dieser Ihn darum gebeten hat, handelt Jesus: Er spuckt auf die Erde, macht mit dem Speichel einen Teig, streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Und nicht nur das. Jesus fordert dann den Blinden auf: „Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!“.

Der Name ist wichtig, denn „Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte“. Der Blinde soll sich also – bildlich gesprochen – in Jesus waschen. Das Eintauchen in Jesus, in eine lebendige Verbundenheit mit Ihm wird ihn heilen. Er muss dafür aber zulassen, dass ihm dieser Teig aus Erde und Speichel auf die Augen gestrichen wird. Er muss Jesus ganz nahe an sich heranlassen – und er muss allein den Weg zum Teich gehen, allein im Vertrauen auf Jesu Wort. Der Blinde lässt sich auf all das ein. Er ist offen. Und deshalb lässt er Seltsames und Ungewohntes an sich geschehen. Er ist bereit sich ganz auf Jesus einzulassen, obwohl er diesen Jesus gar nicht kennt.
Wie der vormals Blinde, so sind auch wir gerufen, Jesus tiefer, auf persönlicher Ebene kennen zu lernen. Wir sind aufgerufen, aufzubrechen, unseren je eigenen Glaubensweg zu suchen und zu finden. Sonst bleiben wir blind und wir können nicht zu einem persönlichen Glauben kommen. Der vormals Blinde spürt das. Auf Jesu Frage: „Glaubst du an den Menschensohn?“ antwortet er: „Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.“

Dies ist die entscheidende Frage – die Frage, mit der Jesus auch uns begegnet: „Glaubst du an den Menschensohn?“ Diese Frage Jesu ist zugleich eine Bitte, die Er an jeden von uns heranträgt: Glaub mir doch, vertrau mir doch und dein Leben wird sich ändern! Glaube, dass der Herr Dich reinigen möchte von allem was dich innerlich belastet. Von deinen Blindheiten, von dem was dich vom wahren Menschsein abhält. ER hat die Macht die ausreicht, mit einem einzigen Wort Tote aufzuerwecken, Blinde sehend zu machen und jede Sünde zu vergeben. Glaube allen Umständen zum Trotz! „Glaube nur und Du wirst gerettet!“

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