Freitag, 22. April 2011

Mit Jesus in Getsemanie




Heute begleiten wir den Herrn im Geiste auf seinem Weg vom Saal des letzten Abendmahles hin zum Garten Getsemani, wo er in Todesangst gebetet hat. "Wachet und betet" - so hat Jesus seine Jünger eingeladen. Auch wir sind dazu eingeladen, mit ihm zu wachen und zu beten für die vielen Menschen, die sich von Gott und den Menschen verlassen fühlen.




Der Gang zum Ölberg

Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich niemals! Jesus entgegnete ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle anderen Jünger. (Mt 26,30-35)

Jesus ahnt, was ihm bevorsteht. Er spürt die Nähe des Todes. Und er befürchtet, dass er gewaltsam ums Leben gebracht wird. Als er darüber spricht, greift er auf einen Vergleich zurück, den er schon öfter benutzt hat: Er sieht sich als Hirte, der bald erschlagen und dessen Herde zerstreut wird.


Aufruf zum Wachen

Darauf kam Jesus mit den Jüngern zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu ihnen: Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete. Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! (Mt 26,36-38)

Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Er weiß auch, wie beschwerlich sein Weg sein wird. Darum zieht er sich zurück, um zu beten. So will er Kraft schöpfen für das, was vor ihm liegt. Sein himmlischer Vater soll ihn stärken. Deshalb betet er. Aber Jesus legt nicht nur Wert auf himmlischen Beistand, sondern auch auf irdische, sprich: menschliche Unterstützung. Darum bittet er drei seiner Jünger, ihn zum Beten zu begleiten: Petrus, Johannes und Jakobus. Ihnen gesteht er, wie traurig er ist. Er hat Gefühle und scheut sich nicht, diese mitzuteilen.


Die Angst Jesu

Jesus hat Angst. Seine Verzweiflung steigert sich. Er wirft sich sogar zu Boden, als er betet. Er bäumt sich auf, um das Unheil abzuwenden. Eindringlich bittet er den Vater, ihn zu verschonen. Jesus will nicht sterben. In dieser Hinsicht verhält er sich wie alle normalen Menschen. Der Selbsterhaltungstrieb beherrscht sein Handeln. Jesus kehrt dem Vater nicht den Rücken zu. Er bittet zwar um Schonung, andererseits sagt er: „Aber nicht, wie ich will, sondern wie du willst.“


Die Müdigkeit der Jünger

Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Dann ging er zum zweiten Mal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Mt 26, 40-43

Die Jünger Jesu sind müde. Die Augen fallen ihnen zu. Zu schwach sind sie, um die Bitte ihres Herrn erfüllen zu können. Sie schlafen ein. Und das ausgerechnet jetzt, da ihr Meister sich auf die schwersten Stunden seines Lebens vorbereitet. Nicht Feigheit, nicht Trägheit ist es. Nein, die Jünger sind schlichtweg überfordert; sie sind zu schwach, um die Aufgabe, die ihnen gestellt ist, zu bewältigen.


Die Stunde ist gekommen

Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da. (Mt 26,44-46)

Die Zeit ist um, der Countdown ist abgelaufen. Die Stunde ist gekommen. Jesus muss sich aufraffen. Die nächste Station seines Leidensweges steht unmittelbar bevor. Die Zeit in Getsemani dient der Vorbereitung. Jede Vorbereitung ist dazu da, auf das einzustimmen, was kommt. So auch hier: Jesus hat gebetet, hat mit Gott ein letztes Mal gerungen. Jetzt ist er so weit. Er gibt sich ganz. Der Kreuzweg kann beginnen.


Die Festnahme Jesu

Während er noch redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest. Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. (Mt 26,47-50)

Jesus wird verraten. Nicht von einem Fremden. Nein, von einem, der sein Freund gewesen war. Judas, einer seiner Jünger liefert ihn aus. Dafür wählt er sogar eine Geste, die alles andere als feindlich wirkt: Er grüßt ihn und gibt ihm einen Kuss. Widersinniger kann es gar nicht sein: mit einem Akt der Zärtlichkeit Gewalt in ein Leben bringen.


Jesu Nein zur Gewalt


Jesus selbst wehrt sich nicht. Aber einer seiner Jünger will Gewalt ausüben. Er zieht ein Schwert und schlägt einem der Männer, die Jesus festnehmen, ein Ohr ab. Vielleicht hätte daraus ein Handgemenge entstehen können. Womöglich wäre es Jesus im Durcheinander einer Schlägerei sogar gelungen zu entkommen. Wer weiß? Doch er lehnt das ab. Denn Gewalt ist nicht seine Sache. Er will seinem Auftrag nicht untreu werden.


Die Feigheit seiner Gegner


Die Gegner Jesu sind feige. Erst zu nächtlicher Stunde, abseits der Öffentlichkeit, trauen sie sich, Jesus gefangen zu nehmen. Das beweist, wie unsicher sie ihrer Sache im Grunde sind. Sie wissen, dass ihre Vorwürfe auf wackeligen Beinen stehen. Jesus lässt es sich nicht nehmen, seine Häscher darauf aufmerksam zu machen. Er entlarvt ihre Feigheit, obschon ihm das nichts von dem erspart, was noch vor ihm liegt.


Die Flucht der Jünger

Da verließen ihn alle Jünger und flohen. (Mt 26,56b)

Die Jünger stehen unter Schock. Wie gelähmt verfolgen sie die Festnahme Jesu. Dann machen sie sich aus dem Staub. Panische Flucht ist das einzige, was ihnen einfällt. Das Entsetzen ist zu groß, die Enttäuschung bricht sich Bahn. Jesus ist endgültig allein. Keiner seiner Freunde ist an seiner Seite, als er abgeführt wird. Umso erstaunlicher ist, wie gelassen Jesus alles hinnimmt. Er verlässt sich ganz auf seinen Vater. Und genau darin ist er nicht verlassen, sondern gestützt und gestärkt.

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