Dienstag, 19. April 2011

Ostern dieses Jahr so spät wie nie

Seit 1943 ist kein Ostersonntag mehr so spät gewesen wie in diesem Jahr. Damals fiel das Fest der Auferstehung Jesu auf den 25. April, in diesem Jahr ist es der 24. April.
An einem 24. April fand Ostem zuletzt 1859 statt, das nächste Mal wird es erst wieder 2095 sein, weiß Reinhold Bien, Kalenderexperte im Heidelberger Astronomischen Rechen-Institut. Auf Jahre im Voraus berechnen die Wissenschaftler dort mit Computerprogrammen oder astronomischen Erfahrungswerten den Lauf der Gestirne und die sich daraus ergebenden Jahresläufe und Feste.

Dass das höchste Fest der Christenheit so sprunghaft durch den Kalender wandert, hat mit dem jüdischen Paschafest und seiner Abhängigkeit vom Mondkalender zu tun. Das Paschafest wird alljährlich am 14. Nissan, am Tag des ersten Frühjahrsvollmonds, gefeiert- unabhängig davon, um welchen Wochentag es sich dabei handelt. Da Jesus laut Bibel unmittelbar vor dem Paschafest gekreuzigt wurde, orientierten sich auch die ersten Christen an diesem Datum.


Denn Ostem wird in den christlicheni Kirchen immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Als Frühlingsbeginn gilt dabei der 21. März; frühester Ostertermin ist deshalb der 22. März, spätester der 25. April.


Dies ist noch aus einem anderen Grund kein Ostern wie jedes andere. Denn trotz unterschiedlicher Zeitrechnung feiern katholische, evangelische und
orthodoxe Christen das Fest von Tod und Auferstehung Jesu in diesem Jahr wieder am selben Tag. Das kommt nicht gerade häufig vor. Denn seit dem 16. Jahrhundert folgen orthodoxe und die westlichen Kirchen unterschiedlichen Kalendern: die russisch-orthodoxe richtet sich nach dem auf Julius Caesar zurückgehenden Julianischen Kalender, katholische und evangelische Kirche folgen dem 1582 von Papst Gregor XIII. reformierten Gregorianischen Kalender. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinander fallen.

Eine Einigung auf einen gemeinsamen Ostertermin könnte ein Signal für das Zusammenwachsen aller Kirchen werden, meinte Papst Johannes Paul II. vor
wenigen Jahren. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist seit Jahrzehnten um eine Vereinheitlichung des Osterdatums bemiiht - bislang ohne Erfolg. Denn alle Versuche, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, verliefen im Sand. Wegen großer Widerstände in den orthodoxen Kirchen - die über solche Fragen in den 1920er Jahren schon einmal einen bis zur Kirchenspaltung hochkochenden Konflikt erlebt hatten - trat diese Regelung jedoch nicht in Kraft.

Quelle: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Ausgabe Ostbelgien. Autor: Christoph Arens.

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