Mittwoch, 20. April 2011

Tut dies zu meinem Gedächtnis



Der Herr und Meister auf den Knien


Der Gründonnerstag ist ein eigengeartetes Gedächtnis, zumindest wenn wir den Text des heutigen Evangeliums betrachten. Es ist ein Text, der nicht unmittelbar die Einsetzung der Eucharistie zur Sprache bringt, sondern es wird nur schlicht von einem Mahl gesprochen.

Vielmehr ist von einer Szene die Rede, die aus dem Ablauf des Abschieds-
mahles heraus-
genommen ist die ein Geschehen schildert, das Jesu letztes Vermächtnis in deutlicher Geste offenbar macht. Es ist als ob er ihnen ein bleibendes Erbe übergibt. In dieser Abschiedsstunde schenkt Jesus den Aposteln ein besonderes Zeichen seiner Verbundenheit. Er erweist ihnen seine Liebe indem er ihnen die Füße wäscht.


Die Fußwaschung
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz
gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?


Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.


Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte
er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.
Diese Geste zeigt Jesus als Sklaven; er vollzieht einen Dienst, der üblicherweise den Hausdienern obliegt. Damit soll noch zum Ausdruck kommen, was für Jesu gesamtes Leben gilt und was er in einer anderen Situation einmal gesagt hat: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig. Ich bin nicht gekommen um bedient zu werden, sondern um zu dienen.“
Petrus versteht Jesu Symbolhandlung zunächst nicht. Es widerstrebt ihm, den Knechtsdienst der Fußwaschung gerade von seinem Meister anzunehmen; zu ihm will er bewundernd aufschauen. Aber er vermag es nicht, seinen Lehrer und Herrn wie einen Sklaven anzunehmen. Darum muss Jesus ihn zunächst noch einmal belehren: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen“.

Was versteht Petrus nicht? Der Sklavendienst Jesu will weit mehr als eine äußere Reinigungsgeste sein. Vielmehr wird den Jüngern auf sehr schlichte Weise erklärt, dass ihnen dieser Dienst in Zukunft aufgetragen ist. Es ist Jesu Erbe, das ihnen in dieser Stunde anvertraut wird.
Gemeint ist ein Leben der Liebe und des Dienstes. Das sollen die bestimmenden Grundlinien christlicher Existenz sein. An einer anderen Stelle der heiligen Schrift steht: „Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“.

Die Nächstenliebe gehört also untrennbar zu d
er im Abendmahlsaal gefeierten Christusgemeinschaft in Brot und Wein dazu. Das im Abendmahlssaal den Jüngern und mit ihnen der Kirche übergebene Vermächtnis schließt die Bereitschaft ein, Jesu Gottes- und Menschenliebe zu teilen. So sehr die Eucharistie Dank und Anbetung fordert, sie schließt auch das Vermächtnis Jesu ein: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“. Erst dann wird die Gedächtnisfeier die wir in jeder heiligen Messe vollziehen, zu fruchtbarem und heilbringendem, zu wirklichem Herrenmahl.

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