Samstag, 23. April 2011

"Wann ist Ostern?"

Manche werden sagen: Komische Frage, steht doch im Kalender: Ostern fing gestern Abend mit der Osternacht an. Heute ist Ostersonntag. Ostern ist jetzt. Kalendarisch stimmt das. Aber wann feiern wir unser ganz persönliches Ostern? Wann wird es Ostern in unserem eigenen Leben?
Vielleicht fühlt sich mancher von euch noch immer ratlos und blickt heimlich wieder auf den Kalender. Ostern in meinem eigenen Leben? Da läuft doch vieles einfach gerade aus. Da gibt es klare Abläufe, wie eben jeder einzelne Tag zu laufen hat. Die einen verharren in ihrem täglichen Einerlei, in der immer gleichen Leier. Sie kommen sich vor wie in seinem Laufrad aus dem es kein Entrinnen gibt.
Andere wieder leben in den Tiefen und dem Dunkel des Karfreitags, weil sie in ihrer Trauer steckengeblieben sind oder weil sie keinen Ausweg mehr sehen aus einer zermürbenden und verworrenen Situation.
Wann ist für uns Ostern im eigenen Leben?

Ich kann mir vorstellen, dass wir viele ganz unterschiedliche Antworten hören würden, wenn jede und jeder von uns diese Frage laut beantworten würde. Oft ist das Ostern im eigenen Leben kein rauschendes Fest, sondern der erste Blick aus dem Fenster nach einer langen Zeit des Kreisens um sich selbst. Ostern geschieht meistens nicht mit Pauken und Trompeten, sondern oft unbemerkt von uns. Erst im Nachhinein können wir etwas ahnen von der Auferstehung, die Gott uns mitten in unserem Alltag schenkt. Zum Beispiel:
- Da gab es endlich die Spur der Hoffnung nach einer langen Zeit der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
- Oder - auf einmal bekam ich die Kraft, um mich aufzulehnen und zu kämpfen gegen äußere Einflüsse, die meinen Körper und meine Seele krank machten.
- Oder - Ich nehme wahr, wie der Stein von meiner Seele weggerollt ist, weil ich endlich die Entscheidung getroffen habe, vor der ich so viel Angst hatte.
- Oder - Ich spüre, dass die Beziehung, die ich fast schon als verloren, zerbrochen glaubte, neu auzublühen beginnt.


Ihr seht: Ostern gibt es nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern jeder von uns kann Ostern in seinem Leben auf ganz unterschiedliche Art und Weise feiern. Ostern in unserem ganz persönlichen Alltag ist immer dann, wenn nach einer langen, dunkeln Zeit wieder die Sonne scheint.


Und so geschieht Ostern in meinem Leben oft ganz in der Stille, unbemerkt, übersehen, ohne großes Aufhebens. Dann spüre ich Gottes Zusage zu mir: Du bist gewollt. Ich will Dein Leben. Ich hole Dich heraus aus den unterschiedlichen Gräbern Deines Lebens. Ich stehe an Deiner Seite und mache Dich lebendig.


Wir feiern an Ostern nicht nur Gottes Versprechen, dass er uns am Ende unserer Lebenszeit Leben schenkt. Er will unser Leben auch heute und hier. Mitten in unserem Alltag schenkt er uns österliche Erfahrungen des Lebens. Und so wünsche ich uns, dass wir heute am Osterfest ein Hochfest unseres Lebens feiern können, weil wir spüren und ahnen: Gott ruft und lockt mich immer wieder zu neuem Leben.

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