Donnerstag, 14. April 2011

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 15. April 2011.


Ein junger Mann sitzt sichtlich bedrückt im Zug. Einem Mitreisenden erzählt er, er sei gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Keiner aus der Familie habe ihn dort besucht und jetzt fahre er nach Hause. Vielleicht wollten sie nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er hatte ihnen geschrieben, ob sie ihm ein Zeichen geben könnten. Ob sie, falls sie ihm verziehen, als Zeichen an dem Apfelbaum, den der Zug kurz vor seiner Heimatstadt passiert, ein weißes Band anbringen könnten. Sonst würde er weiterfahren, irgendwohin.

Der Zug nähert sich dem Baum. Die Spannung des jungen Mannes ist so groß, dass er sich nicht aus dem Fenster zu schauen getraut. Er bittet den Mitreisenden, für ihn zu schauen.

Dieser sieht den Baum und berührt sanft den jungen Mann: „Es ist alles gut. Der Baum ist voller weißer Bänder.“ In dem Augenblick verschwindet alle angestaute Angst und Bitternis aus dem Gesicht des jungen Mannes. - Der Mitreisende sagt später: „Mir war, als hätte ich ein Wunder erlebt. Vielleicht war es auch eins ...“.

Menschen haben das Glück eines Neuanfangs geschenkt. Ein Wunder.
Sie haben etwas von Gott verstanden.

An Gott zu glauben, das ist das eine, aber an der Zusage, dass dieser Gott barmherzig ist und jeden Menschen bedingungslos liebt und annimmt, keinen Anstoß zu nehmen, das kann eine Umkehr in einem ganz neuen Sinn bedeuten. Das kann den so sicheren und festen Glauben in ganz neuem Licht erscheinen lassen.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium, so predigt Jesus, dieser Satz war die Mitte all seiner Verkündigung. Kehrt um zu einem Gott, der barmherzig ist so, wie die Familie in der Geschichte von dem entlassenen Sträfling. Ich glaube, dass sich im Glaubensleben vieler Christen, viel verändern würde, wenn der oberste Grundsatz unseres Glaubens lautet: Unser Gott, der Vater Jesu Christi, ist ein barmherziger Gott.

Jesus hat dem Menschen seiner Zeit eine unglaublich schöne Geschichte erzählt um ihnen deutlich zu erklären wie groß Gottes Vergebung ist, die Geschicht vom verlorenen Sohn oder wie andere sie nennen die Geschichte vom barmherzigen Vater. (Lies Lk 15,11-31)

Es ist die Geschichte eines Menschen, der aus der kleinen Welt ausbricht und die große Welt erobern will. Als jüngerer Sohn kann er sich auch nur sein Erbteil auszahlen lassen und dann sein eigenes Glück suchen. Denn die Erbfolgeregelung ist klar, Zweidrittel des Hofes gehören per Gesetz dem Erstgeborenen, der Rest gehört dem Zweiten. Verständlich, dass irgendwann der Tag kommt, an dem sein eigener Weg ansteht. Verwerflich ist hier nichts. Eher selbstverständlich. Nein, als der Sohn geht, ist seine Geschichte offen. Hätte er denn - zu Hause bleiben sollen? Als Juniorpartner des älteren Bruders. Da wäre er höchstens ein guter erster Knecht gewesen, mehr nicht.

Der Vater gibt ihm alles mit: seine Liebe und sein Erbteil und wahrscheinlich viel Vertrauen! Und genau dieses Vertrauen trägt den Sohn, als er am Ende ist, auch wieder nach Hause. Wie viel Mut dazu gehört - ich zittere richtig mit. Ob mein Stolz mir nicht im Wege stünde? Es gehört schon etwas dazu, so nach Hause zurück zu kommen. Ohne etwas vorweisen, ohne etwas mitbringen zu können. Erbe verspielt, Chancen verspielt, Zukunft verspielt. Ein Verlierer, aber: ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen - das ist der Sohn. Darin ganz und gar der Sohn seines Vaters.

Je älter ich werde, ums besser gefällt mit diese Geschichte. Sie ist so Realitätsnahe. Das Leben spielt einem manchmal hart mit. Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Wir alle kennen Menschen, die sich einmal neugierig, mutig und mit vielen guten Vorsätzen auf das Abenteuer Leben eingelassen haben. Aber dann ging manches anders als geplant oder erwartet. Eine Beziehung ging auseinander. Ein Job wurde zum Albtraum. Finanziell hatte man sich verspekuliert. So oder so: Träume platzten wie Seifenblasen. In vielen Fällen kam die Angst dazu, etwas falsch, gar sich schuldig gemacht zu haben. Im Hinterkopf ist immer, dass ein Leben gelingen muss - und wenn es dann scheitert? Unansehnlich wird? Oft sind nicht einmal Menschen in der Nähe, die zuhören, überlegen, mittragen können. Was in Jesu Geschichte bei den Schweinen endet, endet in vielen anderen Geschichten im Suff, vor dem Richter oder beim Therapeuten.

Die Geschichte, die Jesus erzählt, provoziert. Jesus erzählt die Geschichte eines Vaters, der seinen Sohn freigibt - und ihn wieder aufnimmt, der ihn gehen lässt - ihn aber aus dem Dreck auf hebt. Eine Wundergeschichte also. Nichts für Moralisten. Die werden nur den Zeigefinger heben. Die werden nur das Negative sehen, das Versagen, die Sünde. Den Aufbruch zum Neubeginn aber nicht zu würdigen wissen.

Der Vater nennt ihn den “verlorenen Sohn” - weil er sich freut, ihn gefunden zu haben. Wir hören ihn rufen: Mein Sohn war tot . . . mein Sohn war verloren . . . War! Vergangenheit. Wir sehen den Schlussstrich förmlich. Eine große Entdeckung in dieser Geschichte: Es geht nicht um Verlorenheit - es geht um Gefunden sein.

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