Mittwoch, 18. Mai 2011

Der "Engel des Todes"

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Eine alte arabische Sage erzählt von einem Scheich, den man den „Großen“ nannte. Eines Tages stand ein junger Mann in seinem Zelt und grüßte ihn. „Wer bist du?“ fragte der Scheich. „Ich bin Allahs Bote und werde der Engel des Todes genannt.“ Der Scheich wurde ganz bleich vor Schrecken. „Was willst du von mir?“

„Ich soll dir sagen, dass dein letzter Tag gekommen ist. Mach dich bereit. Wenn morgen Abend die Sonne untergeht, komm ich, um dich zu holen.“ Der Bote ging. Das Zelt War leer.

Fröhlich klatschte der Scheich in die Hände und befahl einem Sklaven, das schnellste und beste Kamel zu satteln. Er lächelte noch einmal, weil er an den Boten dachte, der morgen Abend das Zelt leer finden würde.


Bald war der Scheich weit in der Wüste draußen. Er ritt die ganze Nacht und den ganzen Tag trotz der brennenden Sonne. Er gönnte sich keine Rast. Je weiter er kam, um so leichter war ihm ums Herz. Die Sonne war nicht mehr weit vom Rande der Wüste entfernt. Er sah die Oase, zu der er wollte. Als die Sonne unterging, erreichte er die ersten Palmen. Jetzt war er weit, weit Weg von seinem Zelt. Müde stieg er ab, lächelte und streichelte den Hals seines Tieres. „Gut gemacht, mein Freund.“ Er führte sein müdes Tier zum Brunnen.


Und am Brunnen saß ruhig wartend der Bote, der sich Engel des Todes genannt hatte, und sagte: „Gut, dass du da bist. Ich habe mich gewundert, dass ich dich hier, so weit entfernt von deinem Zelt, abholen sollte. Ich habe mit Sorge an den weiten Weg und an die brennende Sonne und an dein hohes Alter gedacht. Du musst sehr schnell geritten sein ...“

Im Laufe unseres Lebens sind wir diesem Boten schon häufiger begegnet. Jede Krankheit, die uns trifft, ist ja ein Bote,, der uns sagt, dass unser Leben zerbrechlich ist und vergänglich ist. Und wenn wir merken, wie mit den Jahren die Kräfte schwinden, ist das nichts anders als der Vorbote des Todes.

Aber, wer wollte seine Botschaft hören, und wer konnte sich an sie gewöhnen? All die Generationen von Menschen vor uns haben schon mit dem Tod und seinen Vorboten gerungen, aber noch niemandem ist es gelungen, ihn zu besiegen. So kann es nicht verwundern, dass die Menschen wie der Scheich in der Geschichte angesichts des Todes bleich vor Schrecken werden und in panischer Angst die Flucht ergreifen.

Vielleicht ist die übertriebene Hektik unserer Zeit auch eine Art Flucht vor dem Tod und der Versuch der Tatsache , dass unsere Tage gezählt sind, zu übertönen. Alles Nachdenken und Spekulieren nützt uns hier nichts! Wir kommen nicht weiter. Was uns hilft ist, diesen Tag gläubig zu erwarten.

Niemand kennt die Stunde. Darum heißt es, wachsam sein, damit uns der Tod nicht wie ein Feind überrascht. Diese Wachsamkeit meint nicht, dass wir ängstlich auf mögliche Vorzeichen starren sollen, um dann noch schnell alles ins Reine zu bringen. Diese Wachsamkeit meint vielmehr eine Lebenshaltung die mit Gott rechnet, zu jeder Zeit.

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