Samstag, 11. Juni 2011

Komm, heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen.

Die Bitte um sie Sendung des heiligen Geistes, das ist der Grundtenor am Pfingstfest. Damit verbunden die Bitte, uns neu in Gang zu setzen, das Feuer des Glaubens neu in uns zu entfachen, uns aufnahmebereit zu machen für notwendige Erneuerungen in der Kirche usw.

Nun könnten wir fragen: Was soll er denn verändern? Und außerdem, Veränderungen haben wir nicht so gerne. Wir möchten dass alles so bleibt wie es ist. So, oder so ähnlich verhalten wir uns, liebe Christen. Und das nicht erst heute, sondern Menschen aller Zeiten haben sich so verhalten. Wir lassen uns nicht gerne verändern. Denn Veränderungen tun weh. Aber gerade das will der Heilige Geist. Ich glaube das ist ein Grund, warum wir in der Kirche so wenig vom Heiligen Geist sprechen. Weil etwas von uns verlangt zu tun. Weil er uns verändern will.

Schon das Bild vom Pfingstfest in Jerusalem ist voller Unruhe. Vom Brausen des Sturms ist zu hören, von Feuerzungen, die auf die Köpfe der Menschen herabkommen. (Lies: Apostelgeschichte 2,1-11)

Pfingsten hat so viel Bewegung und so viel mitreißende Kraft, dass es uns mitnehmen will. Pfingsten ist die Einladung an uns, Gott in uns und durch uns handeln zu lassen. Darum müssen wir uns heute fragen lassen: Ist es nicht derselbe Hl. Geist, der damals über Maria und die Jünger herabkam, der heute herabkommt über über uns? Wenn man bedenkt, was damals bei der Herabkunft des Hl. Geistes geschah: das gewaltige Brausen, die feurigen Zungen, das begeisterte Reden in fremden Sprachen.

Und heute? Es ist doch derselbe Hl. Geist. Oder sind wir von ganz anderer Art als jene Versammlung damals im Obergemach. Ein Sprichwort kann das Problem vielleicht helfen zu klären. Es geht so: “Die Sonne scheint in viele Zimmer, aber ob sie diese erhellt, hängt auch davon ab, ob die Fenster lichtdurchlässig sind.” Ja, wie ist das mit unsern Fenstern? Haben wir die Gardinen zugezogen, die Rollos herunter gelassen? Oder lassen wir die Sonne herein?

Wie lichtdurchlässig sind unsere Fenster. Schauen wir mal nach, was es eventuell zu putzen gibt:

- Maria und die Jünger bereiteten sich neun Tage lang auf das Kommen des hl. Geistes vor, indem sie sich zum gemeinsamen Gebet versammelten. Wir rücken schon nervös auf unseren Bänken, wenn die Hl. Messe einmal etwas länger dauert als gewöhnlich.

- Maria und die Jünger verharrten tagelang im Gebet; wir vergessen oft unser kurzes Gebet am Morgen oder Abend, weil alles andere uns wichtiger ist.

- Maria und die Jünger waren einmütig in Liebe; wir diskutieren tagelang über jede Kleinigkeit und kommen immer noch zu keinem Ergebnis.

- Für Maria und die Jünger stand Gott im Mittelpunkt ihres Lebens. Alles, was Gott und sein Reich betraf, berührte sie leidenschaftlich. Für uns bleibt Gott oft am Rande unserer Existenz als Lückenbüßer. Viele glauben nicht mehr an Gott. Wie können sie dann an die Wirkkraft seines Geistes glauben.

Wie anders als wir waren doch Maria und die Jünger und die ersten Christen, über die der Hl. Geist kam!

Wir singen oft so einfach daher: "Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!" Das sollten wir auch ernst nehmen. Gott sendet seinen Geist um zu erneuern. So wie ein Kind jeden Tag neues lernen muss, um sich immer mehr in dieser Welt zurechtzufinden, so bricht Gottes Geist immer wieder in unser Leben und in unsere Kirche ein, um sie immer mehr auf den Weg zu führen, der uns dem Ziel näher bringt, das Gott selbst uns bestimmt hat.

Ich denke, wir müssen uns das immer wieder vor Augen halten. Es kann in unserer Kirche, es kann in unserem Glauben, so sehr wir das manches Mal auch bedauern mögen, es kann da keinen Stillstand geben. Es ist zu keiner Zeit, alles so geblieben, wie es halt einmal war. Das hieße ja, dass wir im letzten schon am Ziel wären. Aber das ist nicht so, wir sind unterwegs zu diesem Ziel. Und Gott führt uns durch seinen Geist immer näher an dieses Ziel. Er selbst ist es, der uns immer wieder mit neuen Situationen, neuen Fragen und auch neuen Antworten konfrontiert. An uns liegt es sich nicht vor dem Neuen zu verschließen, sondern von Gottes Geist führen und antreiben zu lassen, dann wird Er uns mit Seiner Kraft, mit Seiner Freude, mit dem Feuer Seiner Liebe erfüllen. Dann werden wir seine Zegen sein, bis an die Grenzen der Erde (Apg.1,8). Amen.

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