Donnerstag, 23. Juni 2011

Sein Name ist Johannes: 24. Juni, Hochfest Geburt Johannes des Täufers

Die Gestalt Johannes des Täufers berührt uns eigenartig. Jemand, der in der Wüste lebt, sich mit einem Kamelhaarmantel bekleidet und sich von Heuschrecken ernährt, kommt den Kindern, denen er in der Adventszeit begegnet, zumindest merkwürdig, wenn nicht sogar etwas gruselig vor.
Im Grund wissen wir nicht viel über ihn. Die Heilige Schrift berichtet nicht viel von ihm. Allerdings setzen sich eine Reihe von Schriftstellen mit seiner Person auseinander und zeigen, wie stark die Gestalt des Täufers die Menschen beschäftigt hat. Ausführlich wird im Lukasevangelium von seiner Geburt erzählt, aber gerade diese Texte sind stark geprägt durch die Absicht, Johannes als Vorläufer Jesu darzustellen. Sie sind geradezu parallel zu der Geburtsgeschichte Jesu redigiert. Dann hören wir von seinem Auftreten am Jordan, von seiner Predigt und davon, dass er Jesus tauft. Und es folgt noch die Erzählung von seinem Tod.

„Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“

Dieses Wort des Täufers aus dem Johannesevangelium hat viele Predigten über den letzten Propheten des Ersten Bundes geprägt. Das prägte die
Vorstellung einer Funktion des Johannes: der Vorläufer zu sein, der auf Jesus hinweist. Das ist sicherlich nicht falsch, aber es schmälerte die Bedeutung dieses Mannes.

Fragen wir uns deshalb nach der Bedeutung des Johannes, ohne ihn sofort nur in seiner Hinordnung auf Jesus zu sehen. Zunächst bleibt festzustellen: Dieser Johannes war auch im Judentum seiner Zeit eine außergewöhnliche Gestalt. Er gehört auf jeden Fall in die Reihe der Propheten. Er lässt sich nicht einfach den Mönchsgemeinden vom Toten Meer zuordnen, denn seine Taufe war keine rituelle Reinigung, sondern eine Taufe zur Umkehr. Auf jeden Fall gehört er zum Judentum, seine Gerichtspredigt enthält einen neuen Aspekt: Sie sagt nicht den bevorstehenden Untergang an, sondern sie lässt die Chance, durch Umkehr diesem zu entgehen. Seine Taufe ist etwas Besonderes. Sie ist nicht rituelle oder kultische Reinigung, sie enthält schon Aspekte eines Sakramentes, eines Zeichens, durch welches religiös etwas geschieht.

In seiner Kleidung und Nahrung nimmt er die Tradition der Wüstenwanderung Israels auf, er kleidet sich und ernährt sich wie ein Beduine. Und so gehört Johannes
voll und ganz in die jüdische Tradition und erinnert uns an die jüdischen Wurzeln des Christentums. Jesus ließ sich von ihm taufen und zitiert ihn. Man darf deshalb annehmen, dass Jesus eine Zeitlang zu seinen Schülern gehörte. Und die junge Kirche übernimmt von ihm die Taufe als das Zeichen, das die Umkehr, den Neubeginn, die Religion des Neuen Weges besiegelt. Denn in den Evangelien finden wir nirgendwo einen taufenden Jesus. Man kann deshalb vorsichtig sagen: Am Ursprung der Kirche, die Sakramente spendet, steht Johannes mit seiner Taufe. So gesehen, ist Johannes nicht nur ein bedeutender Prophet, sondern das wichtige Bindeglied zwischen Altem und Neuen Bund, zwischen Judentum und Christentum. (Günther Nörthemann)

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