Montag, 13. Juni 2011

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 14. Juni 2011.

Alle wollen an unser Geld. Diesen Eindruck haben wir wohl recht oft. Einmal gespendet – das löst in der Regel eine Flut von weiteren Bettelbriefen aus. „Leute, bin bin ich etwa ’ne Bank?“, so möchten wir manchmal fragen.

Doch wenn ich ehrlich bin: Viele dieser Anliegen sind berechtigt. Ich könnte auch oft helfen. Paulus bettelt in der heutigen Lesung bei den Korinthern. Er möchte, dass sie ihre Gabe als Werk der Liebe verstehen, einer Liebe, die um Geschwister weiß, die nicht einmal das Nötigste zum Leben haben:

Brüder, wir wollen euch jetzt von der Gnade erzählen, die Gott den Gemeinden Mazedoniens erwiesen hat.

Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihres selbstlosen Gebens. Ich bezeuge,
dass sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus, indem sie sich geradezu aufdrängten und uns um die Gunst baten, zur Hilfeleistung für die Heiligen beitragen zu dürfen. Und über unsere Erwartung hinaus haben sie sich eingesetzt, zunächst für den Herrn, aber auch für uns, wie es Gottes Wille war.
Daraufhin ermutigten wir Titus, dieses Liebeswerk, das er früher bei euch begonnen hatte, nun auch zu vollenden. Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen. Ich meine das nicht als strenge Weisung, aber ich gebe euch Gelegenheit, angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen.

Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. (2 Kor 8,1-9)

Unzählige Ausreden, ganz vernünftige sogar, kennen und finden wir, wenn es darum geht, das Geld in der eigenen Tasche zu lassen oder nur für sich und die „Eigenen“ zu verbrauchen.
Der Bettler verschafft sich ja sowieso wieder nur die nächste Flasche Alkohol, bei den Hilfswerken weiß man nicht, wie viel in der Verwaltung hängen bleibt und ob es die Bedürftigen wirklich erreicht. Die Bilder in den Medien, die Aufrufe in unseren Missionszeitschriften, das Betteln unserer Pfarrer für die eigene Gemeinde, stoßen meist auf den Eindruck: Da gibt es jemand, der mehr hat als wir selber, der mehr geben könnte, dem/der es nicht so weh tun würde wie mir …
Aber ob Liebe so denkt? Ob das Rechnen immer über die Sprache des Herzens siegen muss? Wir sind Weltmeister im Spenden, Gott sei Dank! Wir brauchen ja auch Spendenquittungen für die Steuererklärung, damit wieder etwas zurückfließt … Damit wir wieder Gutes tun können. Aber wir sitzen auch oft auf jedem Cent, erfinden Notszenarien für uns selber, flüchten in die Angst vor nicht ausreichender Altersversorgung. Alles gut und recht. Aber viele Menschen in unserer Welt leiden Not und brauchen dringend Hilfe, damit sie den heutigen Tag überleben. Eine strenge Weisung, dass wir helfen müssen, gibt uns Paulus nicht, aber an unsere Liebe appelliert er schon.
Vielleicht geben wir uns mal wieder einen Ruck ... Wenn wir unsere Gabe mit unserem Gebet begleiten, wird sie doppelt fruchten.

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