Mittwoch, 20. Juli 2011

Das Ziel des menschlichen Lebens

Als die ersten Glaubensboten nach England kamen, mussten sie beim König um die Erlaubnis zum Predigen nachsuchen. Der König versammelte seine Ratgeber in der Königshalle, um die Missionare anzuhören. Da kam ein Vogel aus der Dunkelheit in die Halle geflogen, schwirrte eine Zeitlang umher und flog auf der anderen Seite hinaus in die Nacht. Da sagte einer der Männer: „War das nicht ein Zeichen des Himmels? So ist es doch auch bei uns Menschen: Wir kommen aus der Dunkelheit in die lichte Halle des Lebens und fliegen wieder hinaus in die Dunkelheit. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Wenn uns diese Männer auf diese Fragen eine gute Antwort geben können, wollen wir sie hören.“

Wer sind wir, wohin gehen wir, was erwartet uns?,
so fragen wir.

Wie viele Bücher sind über diese Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen schon geschrieben worden: Warum bin ich da, woher komme ich, was ist mein Ziel? Wozu dieses ganze Leben, wenn ich am Ende doch sterben muss? Wie viele Antworten sind schon versucht worden! Die Wissenschaft kann uns keine Antwort geben, hier kann nur der Glaube antworten. lm Tagesgebet (vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B) heißt es knapp und lapidar „Gott, du bist unser Ziel.“ Auf dieses Ziel muss der Mensch hin leben. Der Mensch kann dieses Ziel aber verfehlen, er kann vom rechten Weg abkommen. Deshalb gibt uns das Tagesgebet drei Wegzeichen, drei Weisungen auf unseren Lebensweg mit:

1. Der sich verirrt hat, ist nicht verloren:

„Gott, du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit und führst sie auf den rechten Weg zurück.“ Gott stellt an unsere Irrwege „das Licht der Wahrheit“ , damit wir nicht
als „Geisterfahrer“ in den Tod rennen. Dieses Licht ist auf rot gestellt, ein Warnlicht, das uns sagt: Du bist auf dem falschen Weg, kehr um! Diese Warnlichter können die verschiedenste Gestalt haben. Einen Saulus warf der Herr vom Pferd in den Staub. Ein Augustinus hörte das Wort, das sein Gewissen aufwachen ließ: „Es ist Zeit, vom Schlafe aufzustehen !“ Die Krankheit kann ein solches Licht sein oder der Tod eines lieben Menschen. Oder auch die große Enttäuschung, die falsche Götter entlarvt. Ein junger Mann meinte: „Herr Pfarrer, Sie brauchen um mich keine Angst zu haben. Ich finde immer wieder auf den rechten Weg, weil ich eine so wunderbare Mutter habe !” Gott bedient sich vieler Lichter, um „den Irrenden auf den rechten Weg zurückzuführen”.

Das Kirchengebet sagt uns auch, wir sollen:

2. "meiden, was dem Namen eines Christen widerspricht".

Das Tagesgebet fährt fort: „Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft, das zu
meiden, was diesem Namen widerspricht” Im Lateinischen heißt es „respuere - ausspeien”. Was unserem Körper schadet, speien wir sofort aus. Wer Gift getrunken hat, tut alles, um dieses Gift loszubringen. Es gibt Dinge, die unserm Christ-sein widersprechen. Paulus wird nicht müde, alle diese Dinge aufzuzählen, die zu einem, der mit Christus in der Taufe gestorben und auferstanden ist, nicht mehr passen: Hass, Streit, Habgier, Unzucht, Lieblosigkeit ... Wir sind als Christen Söhne und Töchter Gottes geworden. Solcher Adel verpflichtet. Weiterhin sagt uns das Tagesgebet, wir sollen

3. „tun, was unserem Glauben entspricht“:

Das Tagesgebet fährt fort: „Gib uns die Kraft, zu tun, was unserem Glauben entspricht!“ Thomas von Aquin sagt:
,,agere sequitur esse” - „das Handeln folgt aus dem Sein”. Jedes Wesen muss so handeln, wie es seinem Wesen entspricht. Das Tier lebt, wie es ihm als Tier entspricht. Der Mensch muss leben und handeln, wie es ihm als Menschen, also als Geschöpf und Ebenbild Gottes, zukommt. Der Christ, der erlöste, der neue Mensch, muss also so leben, wie es ihm als Christen entspricht. Paulus drückt das so aus: ,,Ihr seid Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichtes” (Eph 5, 8).

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