Samstag, 9. Juli 2011

Keine Angst, es lohnt sich

Sich nicht von scheinbaren Misserfolgen entmutigen lassen

Es gibt sie immer noch, die Bauern in ärmeren Ländern, die nicht mit einem riesigen Maschinenpark auf ihren Acker fahren, um die Saat zu bestellen. Sie können sich eine bestimmte Technik nicht leisten. Das mag ärmlich wirken, wenn sie die Saat immer noch so ausstreuen, wie es die Vorfahren seit Generationen getan haben. Man könnte aber auch sagen, die spüren noch eine größere Nähe zum Leben, das sie mit der Saat und dem Acker verbindet.

Wenn ein Bauer so über den frischen Acker geht, dann ist das eigentlich eher ein maßvolles Schreiten, das geradezu feierlich wirkt. Er trägt Verantwortung, wenn er mit einem gekonnten Schwung das Saatkorn wie ein Netz über den Acker wirft. Er gibt das Getreide aus der Hand, das er nach der letzten Ernte eigens beiseite gelegt hatte. Man hätte auch von diesem Getreide Brot machen können, aber dann hätte es keine Aussaat gegeben und keine neue Ernte. Der Strom des Lebens wäre lebensgefährlich unterbrochen worden.

Für den Bauern ist klar, es muss gesät werden,
und wir werden ernten,
wir hoffen wenigstens darauf.

Dieses Bild vom Sämann greift Jesus auf, um seinen Zuhörern etwas sehr Tröstliches zu sagen. Kein Mensch soll denken, was er tue, sei umsonst oder habe keinen Sinn. Im Reich Gottes wird alles an ein gutes Ziel kommen, dafür wird Gott selber sorgen. In den Augen der Menschen sieht manches erfolglos aus, aber Gott sieht das ganz anders.


An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! (Mt 13,1-9)

Jesus sagt vom Sämann: Es ist das Normalste von der Welt, dass er auf den Acker geht und die Saat ausstreut. Und er geht mit seiner Saat nicht zimperlich um. Er beguckt nicht ängstlich jedes Saatkorn und fragt, was dabei herauskommen wird. Auf keinem Acker der Welt bringt jedes Korn eine Ähre. Manches wird auf dem Weg oder auf der Strecke bleiben und wie ein Verlust aussehen. Aber Jesus sagt: Das ist das Typische am Reich Gottes. Der Mensch kommt an ein gutes Ende, egal, was passiert, egal, wie ein Leben verläuft zwischen Erfolg und Misserfolg.

Vom Menschen wird nicht der Erfolg eingefordert, sondern die ganz normale menschliche Art unseres täglichen Bemühens.

Ich denke an die Frucht einer durchstandenen Krise zwischen zwei Menschen; Eltern, die trotz aller Schwierigkeiten immer wieder das Positive in ihren Kindern gesehen haben; Frauen und Männer, die ehrenamtlich ihre Zeit für die Gemeinde investieren, immer wieder - trotz der Besserwisserei der anderen...

Der Same wird Frucht bringen, sich weiterverschenken.

Ich denke, dass Jesus uns heute einlädt zu vertrauen. Vertrauen auf ihn und seine Kraft. Er bewirkt das Eigentliche, es ist Geschenk an uns. Wir sind eingeladen, uns frei zu machen von einem vordergründigem Erfolgsdenken und Selbermachenwollen. Vielleicht wird gerade das Korn, das wir mit Vertrauen und Offenheit, d.h. ohne Vorbehalte und festgefahrenen Vorstellungen aussäen, die reiche Frucht bringen, die dem Sämann im Evangelium zugesagt ist: Ein anderer Teil der Körner fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

1 Kommentar:

Freiwirtschaftler hat gesagt…

Reichtum, Zivilisation, technologischer und kultureller Fortschritt entstehen aus einer funktionierenden Arbeitsteilung (Marktwirtschaft) und nicht aus der "Fähigkeit", auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu existieren (Kapitalismus). Dabei handelt es sich nicht um eine Frage der "Moral", sondern des Bewusstseins, das allerdings solange unterdrückt werden muss, wie es noch keine Marktgerechtigkeit gibt. Denn wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die Ursache der Ungerechtigkeit bis heute aus dem Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um absolute Gerechtigkeit (gerechte Güterverteilung nach Leistung) herzustellen. Wer aber nichts weiter zu verkaufen hat als eine "Moral", die in einer gerechten Welt so überflüssig ist wie eine Kerze bei Sonnenschein, geht sogar soweit, dem größten Genie aller Zeiten zu unterstellen, er sei ein naiver Moralverkäufer gewesen, der angeblich die "Feindesliebe" gepredigt habe:

"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

Jesus von Nazareth

Das obige Zitat ist so gut wie alles aus dem neuen Testament der Bibel, dessen ursprüngliche Bedeutung noch zu erkennen ist, wenn wir es mit dem folgenden Zitat aus dem bedeutendsten makroökonomischen Grundlagenwerk der Moderne, "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", vergleichen:

"Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

Silvio Gesell

Was im Nachhinein betrachtet die schlimmste Verbrecherorganisation der Welt, die "heilige katholische Kirche", der Menschheit angetan hat, lässt sich nicht mehr in Worte fassen. Wir können nur noch versuchen, die ganze Geschichte zu verstehen, bevor die gegenwärtige "Finanzkrise" in der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) endet:

http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html?spref=tw