Donnerstag, 18. August 2011

Die Frage nach dem wichtigsten Gebot


Mt 22,34-40: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst
Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Man will Iesus eine Falle stellen. Die jüdische Frömmigkeit kannte viele Gebote. Die Angaben über die Anzahl schwanken zwischen 248 und 365 Geboten. Die Falle für Jesus bestand darin, ihn der Unkenntnis und Missachtung des jüdischen Gesetzes zu überführen.
Manchmal hört man auch heute Fragen dieser Art. Sind die Zehn Gebote nicht mehr gültig, man hört in der Kirche so wenig davon? Gelten die Kirchengebote nicht mehr? Etwa das des sonntäglichen Gottesdienstbesuches? Aber: Wer darf die Zehn Gebote Gottes abschaffen? Werden sie nicht mehr eingefordert aus Resignation, weil die Meisten sich doch nicht darum scheren?

Demgegenüber kann deutlich werden, was Jesus mit seiner Antwort des Hauptgebotes sagen wollte. So, in der Art und Weise wie er das Gebot der Liebe zu Gott und der Liebe zu dem Nächsten zusammenfügt, gab es dieses Gebot noch nicht. Aber er will den vielen Geboten nicht noch ein neues hinzufügen, sondern vielmehr den Sinn herauskehren, der aus all den vielen Geboten sprechen soll.
Ohne die Liebe wird keines der Gebote wirklich erfüllt, sie bleiben leer; erst die Liebe erfüllt sie. Eine heute weit verbreitete Mentalität schätzt die Nächstenliebe hoch, hält aber die Gottesliebe für überflüssig. Sicher gibt es überzeugende Beispiele für Nächstenliebe von Nichtchristen und Nichtgläubigen. Dennoch ist die Liebe zu den Menschen nicht von der Liebe zu Gott zu trennen, wie auch die Liebe zu Gott nicht von der Liebe zu den Menschen und der gesamten Schöpfung zu trennen ist.

Gerade in der Hl. Schrift haben wir die Grundlagen für ein Gottes- und Menschenbild erhalten, die unüberbietbar sind. Jesus ist das einzigartige Vorbild, an dem wir ablesen, was es heißt, wenn jemand dieses Hauptgebot der Liebe nicht nur predigt, sondern auch praktiziert.
Das Doppelgebot der Liebe steht über allen anderen Geboten und ist eine tägliche Herausforderung an uns alle.

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