Sonntag, 28. August 2011

Enthauptung Johannes‘ des Täufers

-->
Heute gedenkt die Kirche des gewaltsamen Todes von Johannes dem Täufer. Es ist eine Geschichte von Anklage, Zweifel, Intrige und Mord, die genug Stoff für einen Roman hergeben würde. Aber was uns der Evangelist Markus im sechsten Kapitel seines Evangeliums berichtet ist kein Roman, sondern harte Wirklichkeit. Wie Jesus musste er schuldlos sterben, weil er seinen Weg konsequent gegangen ist, weil er Unrecht beim Namen nannte.
Herodes hatte zu einer Geburtstagsfeier geladen und alle waren gekommen, die in seinem Reich Macht und Einfluss hatten. Dann bahnt sich der erste Skandal an: Die Tochter der Herodias, seine Stieftochter, tanzte vor den Gästen. Dann folgt der zweite Skandal: Es zeigt sich eine Seite des Herodes, die ihn auch in den Augen des Volkes als König völlig disqualifiziert: Enthemmt durch den erotischen Tanz seiner Stieftochter und vermutlich alkoholisiert macht er ein folgenschweres Versprechen: Wünsch dir, was du willst, ich werde es dir geben. Doch statt der erwarteten Reichtümer oder gar der Hälfte seines Reiches fordert seine Stief­tochter unter dem Einfluss ihrer Mutter den Kopf des Täufers auf einer Schale. Herodes fühlt sich an sein öffentliches Versprechen gebunden, lässt Johannes hinrichten und erfüllt seiner Stieftochter und ihrer Mutter ihren Wunsch (vgl. Mk 6,17-27).
Es ist schon eine eigenartige Beziehung, die Herodes zu Johannes dem Täufer hat. Auf der einen Seite ist er wie viele Menschen seiner Zeit fasziniert von ihm. Er schätze ihn, „weil er ein gerechter und heiliger Mann war“ Auf der anderen Seite wird er „unruhig und ratlos“, wenn Johannes zu ihm spricht. Dennoch hört er ihm gerne zu. Wahrscheinlich hat Johannes ganz klar und offen die wunden Punkte des Herodes angesprochen: Seine Gier nach Macht, Ansehen und Reichtum, seine Vorliebe für schöne Frauen wie Herodias und Salome. Immer wenn er Johannes hört, regt sich sein schlechtes Gewissen. Herodes ist hin und hergerissen zwischen der Stimme seines Gewissens und seinen Begierden. Johannes wird tragisches Opfer dieses Zwiespalts.
Spiegelt sich nicht in Herodes auch unsere Situation? Sind auch wir nicht manchmal hin und hergerissen zwischen Gewissen und Begierden? Wissen wir nicht allzu oft, was wir tun sollen und tun es doch nicht – aus Angst davor was andere davon halten? Die Beispiele von Johannes und Jesus können uns helfen, unserem Gewissen zu folgen und so unser alltägliches Leben gut und sinnvoll zu gestalten. (Mathias Kotonski)

Keine Kommentare: