Dienstag, 23. August 2011

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

Kirche und Bierbrauen? Hildegard von Bingen verwies in ihrem Werk "Ursache und Heilung" mehrfach auf die heilende Wirkung von Bier und empfahl den gemäßigten Konsum als Medizin. Bier ist also schon im Mittelalter und auch in geistlichen Kreisen ein beliebtes und weit verbreitetes Produkt gewesen.

Um die Jahrtausendwende entdeckten Mönche das Bierbrauen für sich und nach einiger Zeit hatte sich die Qualität des Bieres von einer wässrigen Haferbräu zu einem vollmundigen Gerstensaft gemausert. Sie hatten nämlich festgestellt, dass Bier sich sehr gut als Nahrungszusatz eignete, vor allem zur Fastenzeit, wenn sie nur karge Mahlzeiten zu sich nahmen. So brauten sie zunächst Bier für den Eigenbedarf und waren ständig darauf bedacht die Rezeptur zu verbessern und verschiedene Sorten zu entwickeln, um Abwechslung und Genuss zu garantieren. Bier war für die Mönche also ein Nahrungsmittel und trug damals wie heute zur Aufwertung des alltäglichen Lebens bei.
In Deutschland gibt es noch recht viele Klosterbrauereien. Einige tragen nur ihre Wurzeln in Klöstern und sind durch den Säkularisierungsprozess Anfang des 19. Jahrhunderts verstaatlicht worden oder in private Hände gelangt. Andere sind nach wie vor fester Bestandteil eines Klosters. Eines haben aber alle Brauereien gemeinsam: Den Wunsch, die alte klösterlichen Brautraditionen zu bewahren, denn das Bier war schon im Mittelalter von hervorragender Qualität. Quelle: www.liborius.de
Hier eine kleine Auswahl einiger Klosterbauereien aus Deutschland:

Klosterbrauerei Ettal



Tradition: In diesem Jahr feiern die Ettaler Klosterbrauerei 400-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass veranstalten die Brauereiinhaber auf dem Anwesen ein mehrtägiges Fest mit Musikbands, Spielen und Tänzen und jederzeit einem frisch gezapften Ettaler Klosterbier. Rechnungen früherer Zeiten belegen, dass bereits zu Anfang neben Bier auch Likör hergestellt wurde. Nach einer fast 100-jährigen Schließung des Klosters gelangte die Brauerei 1900 wieder in die Hände der Mönche, die sie bis zum heutigen Tag fortführen.
Das Bier: In der Brauerei werden fünf Biersorten traditionell nach bayrischem Reinheitsgebot hergestellt. Unter ihnen das „Ettal-Kloster-Edel Hell“, ein Bier, in dem sich die feinherbe Note des Hopfens mit einer angenehmen Süße vereint.
Die Liköre werden nach wie vor nach Rezepten der mittelalterlichen Klosterapotheken auf Kräuterbasis hergestellt. Der Ruf ihrer wohltuenden, heilenden Wirkung ist weit verbreitet.
Verkauf: Die Brauerei kann mit ihrer jährlichen Bierproduktion 24. 000 Fässer füllen. Die Brauerei schenkt ihr Bier nicht nur im eigenen Biergarten aus, sondern vertreibt es bei nationalen Verlegern und sogar bis in andere europäische Ländern wie Finnland, Frankreich und Italien.

Klosterbrauerei Andechs


Tradition: Die Klosterbrauerei Andechs wurde kurz nach der Entstehung der Benediktinerabtei im Jahr 1455 dem Anwesen hinzugefügt. Über Jahrhunderte führten die Mönche die Tradition der Bierbrauerei fort. Auf diese Weise bewahrt sich die ursprüngliche Form des Bierbrauens, allerdings kann von einem veralteten Betrieb nicht Rede sein: Erst kürzlich ersetzten sie das alte Brauhaus durch einen modernen Komplex, der über die modernsten Bierbrauverfahrens-
techniken verfügt.
Das Bier: Die Philosophie der Klosterbrauerei Andechs richtet sich allein auf die Qualität des Bieres. So wird die Einhaltung des Bayerischen Reinheitsgebots genauestens verfolgt.
Unter den sieben Biersorten gibt es Helles, Dunkles, und Weißbier. Als ein ganz besonderes Highlight gilt der „Andechser Doppelbock Dunkel“: ein starkes, süffiges Bier, das sich weltweiter Beliebtheit erfreut.
Verkauf: Jährlich werden an die 100.000 Hektoliter Bier produziert, von denen im „Brauerstübl“ des Klosters nur ein geringer Teil ausgeschenkt wird. Andechser Bier ist nicht nur deutschlandweit, sondern auch in weiteren europäischen Ländern erhältlich.
Internet: www.andechs.de

Klosterbrauerei Weltenburg



Tradition: Die Weltenburger Klosterbrauerei GmbH ist die älteste Brauerei der Welt. So um 1050 taucht sie zum ersten Mal in Dokumenten auf. In wunderschöner Lage, an den Ausläufen der fränkischen Jura im schmalen Flussbett der Donau, ist das Kloster mit seinem herrlichen Biergarten ein sehr beliebter Ausflugsort. Der Gerstensaft fließt durch eine Pipeline direkt aus den Lagerräumern der Brauerei in die Zapfhähne der Schenke.
Das Bier: Das Bier wird mit echtem Juraquellwasser und nach uralter Benediktinertradition gebraut. Das „Weltenburger Kloster Barock Dunkel“ liefert den Beweis für die erstklassige Bierqulität: Im Jahr 2008 erhält es auf dem World Beer Cup in San Diego die Goldmedaille in der Kategorie „Münchner Dunkelbier“.
Verkauf: Das Bier wird im Weltenburger Kloster gebraut und dann zum Abfüllen und für den Vertrieb in die Brauerei Bischofshof nach Regensburg transportiert.

Kreuzberger Klosterbier


Tradition: Im Jahr 1731 eröffnen die Franziskaner in ihrem Kloster auf dem Kreuzberg eine Brauerei. Schon damals pilgerten viele Menschen auf den Berg, um die Kirche zu besichtigen oder sich in der Klosterschänke niederzulassen. Bis 1920 schenkten die Wirte das Bier sogar kostenlos an die Pilger aus.
Das Bier: Das Wasser zur Herstellung des Bieres wird aus dem hauseigenen Brunnen aus 100 Meter Tiefe geholt. So enthält es wertvolle Mineralien, die dem Endprodukt seine besondere Note verleihen. In der Kreuzberger Brauerei werden vier verschiedene Biersorten gebraut: Helles, Dunkles und in den Sommermonaten auch Hefeweizen. Um die Weihnachtszeit gibt es dann einen ganz besonderen Höhepunkt: Der „Weihnachtsbock“ ist ein sehr starkes und würziges Starkbier, das dem „geübten Biertrinker“ vorbehalten bleibt.
Verkauf: Jährlich produziert die Brauerei 8500 Hektoliter. Einen Großteil davon konsumieren die Gäste der hauseigenen Schänke. Der Rest wird in Fässer abgefüllt und an Privatkunden verkauft.
Quelle und weitere Informationen: www.liborius.de

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