Dienstag, 2. August 2011

Urlaub - freie Tage zum Menschsein

In diesen Tagen kann man in Schulen und Büros, in Fabrikhallen und Werkstätten den erleichterten Seufzer hören: Na endlich, es ist soweit, endlich Urlaub, endlich Ferien! Druck und Stress vieler Arbeits- und Schulwochen hören auf, es beginnen die Tage und Wochen der Erholung, der Entspannung, die Möglichkeit neuer Erlebnisse und Erfahrungen, der Erweiterung und Vertiefung des Horizonts unseres Lebens in Reisen und Fahrten, in Wandern und Erleben der Natur.
Abspannen

Das erste wird für viele von uns das Ausruhen und Abschalten sein, das Ausschlafen und sich Entspannen. Denn die Anspannung ist ja unser tägliches, oft hart und trocken gewordenes Brot: Arbeit, Mühe und Sorgen. Das Gejagt werden rund um die Uhr die Pflicht ruft, die Termine wollen eingehalten werden, das Arbeitssoll muss erfüllt sein. Und selbst der, der schon im Ruhestand ist oder ohne Arbeit, auch er ist eingespannt und angespannt: Tempo und Leistung sie halten uns unter steter Kontrolle, sie sind die Peitschenhiebe unserer Zeit und Gesellschaft.
Mein Sohn, lass dich warnen!

Ein tröstliches Wort der Bibel, aufgeschrieben vor gut 2000Jahren, mag uns zur Besinnung Anlass sein. In den letzten Versen des Buches Kohelet lesen wir: ,,Mein
Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und das viele Studieren ermüdet den Leib!" (Koh 12,12) Dieses Wort scheint zunächst dem Schriftsteller ins Stammbuch geschrieben, und dies zu einer Zeit, da es noch keine Frankfurter Buchmesse gab, wo man seine literarischen Produkte nicht in den Schaufenstern bewundern konnte und nicht um Bestsellerlisten wettgeschrieben wurde. Aber die Versuchung, in der je eigenen Arbeitsweit aufzugehen, in eine Beschäftigungsmanie zu verfallen, keine Zeit mehr zu haben für Menschen und Dinge, diese Gefahren bedrohen uns alle. Die viele Arbeit ermüdet den Leib, sie macht uns stumpf und lässt den inneren und den innerlichen Menschen verkümmern. Wir werden Oberfläche und Ziellosigkeit - es fehlen Tiefe und Richtung unseres Lebens.
Zeit zur Selbstbestimmung und Selbstfindung

Das ist nun die große Chance dieser Tage und Wochen, dass wir wieder zu uns finden, dass wir selbst über unser Leben bestimmen. Die große Gefahr liegt in der Versuchung, sich auch in der Freizeit wieder fremd bestimmen zu lassen: von Programmen und Orten, von Menschen und Dingen, von Uhr und Auto. Der Urlaub gibt uns die Möglichkeit, über uns selbst zu bestimmen, frei zu werden von Belastungen und Zwängen.
Aufbruch zum Ziel unseres Lebens

Wer so wieder neu zu sich findet, der kann sich auch wieder dem Mitmenschen
zuwenden; wer sich freigibt, erfährt die von Gott geschenkte Würde des Menschsein, tiefer. Er wird dadurch auch offener für den Grund seines Lebens, der uns trägt und hält, den lebendigen Gott. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir ferien- und Urlaubstage verbringen können, die uns dem Schöpfungsmorgen wieder näher bringen und uns zugleich reifer machen für unsere Vollendung in Gott, dass wir im Unterwegssein innehalten, um das Ziel unserer großen Fahrt wieder klarer zu sehen und bewusster in Freude und Zuversicht darauf zuzugehen.

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