Samstag, 20. August 2011

Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben

An meinem Schlüsselbund hangen einige Schlüssel: vom Auto, vom Postkasten, von der Kirche. Wie oft mit dem wohl schon unsere Kirche aufgeschlossen und abgeschlossen worden ist, am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, und am Abend, wenn sie untergeht! Und wenn sie geöffnet ist, ist sie für alle ein Haus der offenen Tür: ich darf eintreten, dableiben und gehen, so wie ich will. Von Haus aus sind wir als Kirche eine offene und keine geschlossene Gesellschaft; vielleicht ist der öffnende Schlüssel unser Kennzeichen, wenn wir offen und empfänglich sind; und der abschließende Schlüssel, insofern wir unsere Ohren verstopfen, das Herz verschließen.

Schlüssel sind ein Zeichen der Zeit

Offenbar muss der Schlüssel ein ganz wichtiges Zeichen der Zeit sein. Die Römer verehren einen eigenen Türgott, den Janus, der unserem Januar den Namen gibt. Janus gilt als der Gott des Anfangs und hat zwei Gesichter; das eine zeigt nach links - ähnlich den Bewegungen des Schlüssels -, das andere nach rechts; das eine blickt in die Vergangenheit- vergleichbar dem Schlüssel, der zusperrt -, das andere in die Zukunft, so wie der Schlüssel, der aufmacht.

Eigentlich ist er der Gott der Türen, der wachen muss und schützen vor den lebensbedrohenden Mächten. Und dieses zur rechten Zeit Auf- und Zumachen ist seine Aufgabe, mit dem Pförtnerstab oder dem Schlüssel in der Hand.
Petrus ist unser Schlüsselmann
,,Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. (Mt 16,18)” Wie oft schaut Petrus uns so an, mit einem oder zwei Schlüsseln in der Hand, meist auf der einen Seite des Hochaltars gegenüber seinem ganz verschiedenen ,Amtsbruder' Paulus. Oder hoch oben über der Eingangstür einer Kirche, wo er andeutet, dass der ganzen Kirche diese Schlüsselgewalt anvertraut ist.


Ob wir nicht alle Schlüsselfiguren sind?

In dieser Ambivalenz von Binden und Lösen, von Auf und Zu, kommt uns allen eine wichtige Aufgabe zu. Der Schlüssel ist nicht für sich selber da, er hat eine Aufgabe zwischen drinnen und draußen, zwischen zu und auf, an der Schwelle zum Durchgang. Uns allen ist das Aufschließen zum Himmelreich anvertraut; auf und zu haben wir in der Hand, und danach werden wir einmal gefragt werden, ob wir Verschließende oder Erschließende geworden sind im Schlüsseldienst unseres Glaubens.

Keine Kommentare: