Samstag, 24. September 2011

Christengemeinde: So vielfältig wie ein bunter Garten

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Eine Woche nach der Reuländer Kirmes feiert Lascheid an diesem Wochenende das Michelsfest; dann feiern die Lascheider „ihre Kirmes“, denn ihre Kirche ist dem hl. Michael geweiht.


Wenn ich an einem solchen Tag, über diese Dorfgemeinschaft nachdenke kommt sie mir vor wie ein bunter Blumengarten. Im Blumengarten gibt es weiße und rote Blüten, gelbe und blaue mit vielen Zwischenfarben und Schattierungen. Und wie viele unterschiedliche Blätter gibt es! Manche Blumen gedeihen besser im Schatten, andere halten große Hitze aus, es gibt solche, die duften, und andere tun das nicht. Manche blühen nur einen einzigen Tag lang, wie die Taglilie. Es gibt Frühjahrsblühende und es gibt Spätsommer- bis Herbstblühende Blumen. Es gibt kleine und große Blumen zu sehen, vom Gänseblümchen bis zur drei Meter hohen Sonnenblume.

Und ich dachte bei mir: So bunt und unterschiedlich wie die Blumen einer Blumenwiese sind die Menschen eines Dorfes. Das kleine Veilchen ist klein und unscheinbar, aber beliebt wegen seines Duftes. Es ist wie die Frau in der Nachbarschaft, die immer ein gutes Wort für jeden hat, die niemals müde wird und die den Satz “Ich habe keine Zeit” nicht kennt.

Auf der Blumenwiese gibt es die Mimose. Sie gilt als sehr empfindlich, sie faltet ihre Blätter ein, wenn sie berührt wird. Menschen, die sich wie Mimosen verhalten, gelten als schwierig. Sie sind schnell verletzt und ziehen sich zurück. Weil sie aber so empfindsam sind, spüren sie leichter als andere wo Menschen bedrückt oder verletzt sind oder Sorgen haben.

Dann gibt es die Rosen in ihrer fast unüberschaubaren Vielfalt. Die Rose wird bewundert nicht nur wegen der Perfektion ihrer Blüte, sondern auch wegen ihres zarten Duftes. Aber sie sticht auch mit ihren Dornen. Im Dorf sehe ich sie stehen für jene Menschen, die sich trauen in der Versammlung, öffentlich ein Wort zu sagen, wo andere sich nicht trauen. Ich sehe sie mahnend ihre Stimme erheben wo es nötig ist. Es sind solche Menschen, die sich trauen, einen Posten im Vorstand des Vereins zu übernehmen, die Kritik ertragen können, die aber auch hier und da mit ihren Dornen Kratzer hinterlassen.


Eine Dorfgemeinschaft ist wie ein großer Blumengarten, farbig und bunt. Gerade in der Unterschiedlichkeit liegt ihr Reiz. Das Zusammenspiel der Vielfalt macht die Blumenwiese aus, ist aber auch der Grund dass Konkurenzdenken aufkommt.


Einer solchen bunten Truppe sagt Jesus: ”Liebt einander wie ich euch geliebt habe, denn daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid”. Indem wir einander lieben, wird unsere Zugehörigkeit zu Jesus sichtbar. Es wird deutlich, bei wem wir in der Schule waren. Und es wird deutlich ob wir etwas in der Schule Jesu gelernt haben, oder nicht. Anders ausgedrückt: Wenn wir lieben lassen wir Jesus und seine Botschaft von einem friedlichen Miteinander in der Welt aufleuchten. Wenn Christen sich streiten oder sonst wie unangenehm auffallen, dann wird das ihnen sehr übel genommen. Sehr schnell sind die anderen dann zur Stelle und weisen darauf hin, dass Christen doch stets nach dem Liebesgebot Christi leben und handeln müssten.




Dass wir Christen es mit der Nächstenliebe schwer haben, ist allgemein bekannt. Und merkwürdigerweise ist die Nächstenliebe umso schwerer, je näher uns der Nächste lebt. So mancher hat keine Schwierigkeiten, die Leprakranken im fernen Afrika zu lieben indem er sie Großzügig unterstützt, aber die Schwiegermutter im eigenen Haus zu lieben, das fällt ihm schwer. So mancher würde, wie der Barmherzige Samariter, ohne weiteres einen Verletzten von der Straße auflesen und dafür sorgen, dass er gepflegt wird, aber einen Menschen mit schwierigem Charakter jahrelang in seiner nächsten Umgebung auszuhalten, ja, ihn dabei noch zu lieben, das bringt er nicht so leicht fertig.

Liebe heißt nicht Augen zu und durch. Hauptsache es sieht nach Liebe aus. Sich selbst und seine Ansichten, seine Werte verleugnen, dem Anderen alles nachgeben. Den Kopf in den Sand stecken. Nein, ich glaube Liebe erweist sich im Dorf und in der Pfarrgemeinde besonders dadurch, dass ich den anderen in seiner Andersartigkeit achte. Um es mit dem Bild der Blumenwiese zu sagen. Die kleine Blume profitiert von der Nähe der großen Blume. Bei starkem Gewitterregen findet sie Schutz unter deren großen Blättern und die große ist froh, dass die kleine den Boden mit ihren zarten Blättern bedeckt. So trocknet der Boden nicht so schnell aus, wenn große Hitze herrscht.

Die Einheit in der Vielfalt entdecken, das kann uns die Blumenwiese lehren. Schauen wir nur, wie verschieden die Jünger waren, die Jesus um sich versammelt hat. Petrus will überall der erste sein, aber im entscheidenden Moment verleugnet er Jesus. Thomas ist als der suchende und zweifelnde in die Geschichte eingegangen und Paulus war, als er noch Saulus hieß ein großer Christenverfolger. - Ich denke, Jesus wollte trotzdem keinen von ihnen missen.


So bunt und vielfältig soll auch die Christengemeinde sein. Wir feiern ja nicht irgend etwas, vielmehr soll zum Ausdruck kommen, dass wir unseren Gott feiern, der uns als Christengemeinde von Lascheid  zusammenruft, um das Fest der Kirchweihe zu feiern. Wir feiern ihn als Christengemeinde, deren Reichtum die Vielfalt ist.

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