Samstag, 17. September 2011

Es gibt viele Gründe, neidisch zu sein. - Gedanken zum Sonntagsevangelium

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Das Wirken Gottes ist für uns Menschen nur schwer zu begreifen. Der Prophet Jesaja drückt sie aus mit den Worten: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. - Spruch des Herrn. - So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken" Der Prophet will uns sagen, dass Gott sich nicht auf unsere Gedankenwelt und unsere Erwartungen festlegen lässt.



Jesus greift dieses Thema heute in der Parabel vom Weinbergsbesitzer auf, der allen den vollen Lohn eines Tages auszahlt, obwohl einige nur eine Stunde gearbeitet haben. Das bringt ihm viel Ärger ein und der Neid der Arbeiter, die einen ganzen Tag gearbeitet haben kommt zu Tage.

Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 

Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten. (Matthäus 20,1-16)



Der Gutsherr fragt nicht danach, wer mehr oder wer weniger gearbeitet hat, sondern belohnt die zuletzt Gekommenen in gleicher Weise wie die zuerst Angeworbenen. Ungeschuldet. Die Ersten sind aufgefordert, auch den Letzten ihren Lohn zuzugestehen, sich zu lösen von einem rein rechnerischen Denken, das einzig nach dem gerechten Lohn für die geleistete Arbeit fragt. Eine solche Denkungsart führt zu Missgunst. So fragt der Gutsherr einen der gegen ihn aufgebrachten Tagelöhner: "Ist dein Auge etwa böse, weil ich gut bin?"  Das heißt bist du etwa neidisch?



Wir sind gewohnt, von der Parabel der Arbeiter im Weinberg zu sprechen. Eigentlich müsste man sie "die Parabel vom gütigen Weinbergsherrn"" nennen. Mit der Bildgeschichte von diesem gütigen Mann will Jesus unseren Blick auf Gott hinlenken. Sie lässt uns ein wenig erahnen, wie Gott uns Menschen gesonnen ist. Er fragt nicht, ob wir seine Liebe verdient haben. Niemandem, und mag sein Handeln auch noch so sündhaft sein, entzieht er seine Liebe.



Im Glauben an seine grenzenlose Güte werden einmal alle unsere Berechnungen hinsichtlich "verdient"" oder "nicht verdient" ihre Gültigkeit verlieren. Gott macht einen Strich durch unsere Rechnung. Mit unseren Rechenkünsten verrechnen wir uns immer, denn Gott schenkt unverdient, ungeschuldet. "Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir." Gott handelt in der Freiheit seiner Liebe auch denen gegenüber gut, die es nicht verdient haben. Und dazu zählen wir alle.


Ich finde es schade, dass wir uns nicht mehr freuen können, wenn andere unverdient etwas bekommen. Neid, weil wir meinen zu kurz zu kommen, kommt schnell auf. Freude, weil andere Menschen unverdient etwas bekommen,  dagegen kaum. Dazu hat Thomas Kleine folgende Zeilen verfasst:



Es gibt viele Gründe, neidisch zu sein:


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auf unsere Politiker und ihre hohen Diäten,
auf unsere Sportler und ihre Prämien,
auf unsere Wirtschaftsführer und ihre Bonuszahlungen.

Keiner ist vor meinem Neid sicher:
der Nachbar nicht mit seinem neuen Auto,
die Schauspielerin nicht mit ihrer guten Figur,
der Kollege nicht mit seiner Schlagfertigkeit.

In der Bibel stellt Gott die Frage:
Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?
Gute Frage, warum bin ich neidisch?
Weil ich mit mir selbst unzufrieden bin?
Weil das Leben mich so oft enttäuscht?
Weil ich gern anders wäre?

Der Volksmund sagt: Man wird grün vor Neid.
Neid macht krank,
Neid macht einsam,
Neid macht schwermütig.

Gott, befreie mich von meinem Neid,
damit ich aufatmen kann,
damit ich mich selbst annehmen kann,
damit ich mich des Lebens freuen kann.
Thomas Kleine

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