Montag, 24. Oktober 2011

Das Gleichnis vom Senfkorn - Das Gleichnis vom Sauerteig

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Jesus sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen?  Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.  Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?  Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war. (Lk 13,18-21)

Die beiden Gleichnisse über das Reich Gottes finden wir auch in den Evangelien von Markus und von Matthäus. Lukas setzt aber eigene Akzente. Beide Gleichnisse werden mit einer rhetorischen Frage eingeleitet: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Diese Frage steigert die Aufmerksamkeit für die Antwort.

Das Senfkorn wuchs und wurde zu einem Baum

Kleiner Anfang, großes Ende


Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Das Senfkorn galt als Symbol des kleinen Anfangs, der sich zu großer Entfaltung auswuchs. Als unscheinbares Samenkorn entwickelt es sich bis zu einer Staude, die die Vögel des Himmels – etwas übertrieben formuliert - zum Nisten in seinen Zweigen benutzen.

So wird es auch mit dem Reich Gottes sein, das sich mit Jesus angebahnt hat, unscheinbar zunächst, aber mit der Kraft zum großen Ende. Lukas liegt jedoch mehr an einem anderen Akzent dieses Gleichnisses, nämlich am allmählichen, aber stetigen Wachsen des Samenkorns. Dieser Akzent ist ihm wichtig fur seine Zeit. Die erwartete Durchsetzung und Vollendung der Herrschaft Gottes ist ausgeblieben, manche werden skeptisch geworden sein. Da macht Lukas die Christen seiner Gemeinde auf das Wachsen aufmerksam.

Sicher: Das Reich Gottes steht mit seiner Vollendung für die Zukunft aus, aber das von Jesus gelegte Samenkorn wächst. Die Herrschaft Gottes lässt sich nicht aufhalten oder gar beseitigen.

Lasst euch nicht beirren. Habt Vertrauen und Geduld.
Schaut auf die Zeichen, die sich in jeder Zeit darbieten
im eigenen Leben, im Leben der anderen.

In der gleichen Weise ist das nächste Gleichnis zu verstehen, das im Gegensatz zum vorigen bewusst dem Arbeitsbereich der Frau entnommen ist. Die Botschaft des Evangeliums gilt beiden Geschlechtern ohne Unterschied. Das Reich Gottes ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, his das Ganze durchsäuert war: Was die deutsche Übersetzung mit einem Trog Mehl angibt, entspricht in etwa dem Volumen von vierzig Litern, einer großen Menge also. Noch deutlicher als vorhin liegt der Akzent auf dem Prozess des Durchsäuerns. So Wie der Sauerteig das Mehl durchdringen wird, so wird es mit der Kraft des Evangeliums sein. Als Christen befinden wir uns mitten in dem Prozess, dass Gottes Herrschaft die Kräfte dieser Welt prägt und prägen wird bis zu dem unberechenbaren Augenblick, in dem sie sich vollends durchsetzen wird.

 

Diese Wirklichkeit Gottes unter uns zeigt sich meist in der Stille. Wir können sie deshalb leicht übersehen und ihre Macht unterschätzen. Aber sie ist da und wächst, wie das Senfkorn, das zu einem Baum wurde, und wie der Sauerteig, der das Ganze durchsäuert hat. Jeder von uns kann und soll dazu beitragen, dass das Reich Gottes sichtbarer wird: durch sein Gebet und Handeln, seine Lebensweise.

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