Samstag, 29. Oktober 2011

Gott zieht uns zur Rechenschaft

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 Einige Gedanken zur Sonntagslesung am 31. Sonntag im Kirchenjahr
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Lesung

aus dem Buch Maleachi (Mal 1,14b – 2,2b.8-10 )

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Ein großer König bin ich,

spricht der Herr der Heere,

und mein Name ist bei den Völkern gefürchtet.



Jetzt ergeht über euch dieser Beschluss, ihr Priester:

Wenn ihr nicht hört

und nicht von Herzen darauf bedacht seid,

meinen Namen in Ehren zu halten

spricht der Herr der Heere -,

dann schleudere ich meinen Fluch gegen euch.



Ihr seid abgewichen vom Weg

und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung;

ihr habt den Bund Levis zunichte gemacht,

spricht der Herr der Heere. Darum mache ich euch verächtlich

und erniedrige euch vor dem ganzen Volk,

weil ihr euch nicht an meine Wege haltet

und auf die Person seht bei der Belehrung.



Und wir, haben wir nicht alle denselben Vater?

Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen?

Warum handeln wir dann treulos, einer gegen den andern,

und entweihen den Bund unserer Väter?


Es sind harte Worte, die der Prophet Maleachi im Namen Gottes den Priestern seiner Zeit entgegen schleudert: Von Fluch ist die Rede und vom Erniedrigt werden, von heftigen Vorwürfen Gottes gegen seine Priesterschaft.



Was war geschehen? Wir blicken hier in die Zeit weit nach dem Babylonischen Exil, etwa 515 v. Christus. Der von den Babyloniern zerstörte Tempel in Jerusalem war wieder aufgebaut - aufgrund der wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation aber in wesentlich kleinerem Stil. Und weil die Zeiten schlecht waren, wurde auch sonst an der Religion gespart. Das ganze Buch Maleachi schlägt sich damit herum, dass das Volk meint, es mit dem Gottesdienst nicht mehr so genau nehmen zu müssen. Der Prophet Maleachi macht es unmissverständlich deutlich: Das Fehlverhalten im Gottesdienst und die Missstände in der Gesellschaft hängen eng zusammen. Rechter Gottesdienst und gerechtes Handeln im Alltag hängen zusammen. In beiden Bereichen ist es offenbar zu schweren Verfehlungen gekommen. Nicht nur der Kult funktioniert nicht mehr, auch das Zusammenleben in den Familien ist zerrüttet, die sozialen Verhältnisse sind von Ausbeutung, Unterdrückung und Armut gekennzeichnet.
 

Den Priestern am Tempel macht Maleachi in Form der Gottesrede besonders heftige Vorwürfe. Gerade die Priester, die Gottes Weisung an der Hand haben, sollten es besser wissen. Doch sie haben das Volk falsch belehrt und sind vom rechten Weg abgewichen.Priester hatten damals nicht nur den Kult am Tempel zu versorgen, sondern waren auch Lehrende und hatten ein wichtiges Wort in der Gesellschaft, auch in der Politik mit zu reden. Ihr Amt hatte also einen gewissen Vorbild - Charakter. Darum können wir diesen Text durchaus anwenden auf alle Menschen, die im Beruf oder auch privat, ein Vorbild für andere sind. Wir können und müssen Maleachis Worte in unsere Zeit übertragen: Es geht darum, dass Menschen eine Verantwortung für einen bestimmten Dienst übernommen haben und darin scheitern bzw. das Amt missbrauchen.



Leider gibt es das heute auch. Bestechlichkeit, Korruption, Bereicherung, Vernachlässigung der Dienstpflichten, Abweichen von den wichtigen Grundsätzen - immer wieder hören wir davon, dass hochgestellte Persönlichkeiten der Öffentlichkeit in Skandale verstrickt sind und zu Fall kommen. Das gibt es in der Politik wie in der Kirche, leider.



Zwei Lehren können wir aus dem Maleachi-Text für unsere heutige Zeit ziehen, je nach dem, zu welchem Bevölkerungskreis wir uns zählen wollen oder müssen.



1. Maleachi stellt uns heute die ernste Frage, ob wir, wenn wir Macht haben und Verantwortung tragen, damit sorgfältig und gewissenhaft umgehen. Gerade wenn wir als Politiker, als Lehrende, als Seelsorger für andere Orientierung und Maßstab sein wollen, müssen wir einen Lebenswandel führen, der dieser Verantwortung entspricht. Wer Wasser predigt, aber selbst Wein trinkt, wirkt unglaubwürdig und verunsichert viele. Verfehlungen von Personen der Öffentlichkeit sind nicht einfach als ,Kavaliersdelikte‘ abzuhaken - das Problem ist, dass solche ‘Vorbilder‘ die Maßstäbe und die Moral der Gesellschaft insgesamt unterhöhlen. Viele fragen sich dann, warum sie denn selbst anständig sein sollen, wenn die da oben doch machen, was sie wollen und sich nehmen, was sie kriegen können. Maleachi kämpft gegen ein solches Denken.



2. Nicht nur Kritik ist in Maleachis Rede zu hören, sondern auch etwas Aufbauendes für diejenigen, die sich selbst um Anstand und Gerechtigkeit bemühen. Gott ist es nicht egal, wie „die da oben“ in Politik oder Kirche ihren Dienst verrichten, ob sie sich bereichern oder ihre Pflichten verletzen. Gott wird sie zur Verantwortung ziehen, sagt er. Ihm sollten wir es dann auch überlassen über die „Frevler und Überheblichen“ zu urteilen. Wir selber sollten uns fragen, ob wir uns zu den Gerechten rechnen dürfen, die nach Gottes Weisung leben. Der Prophet Maleachi ermuntert uns, es jedenfalls immer wieder neu zu versuchen, nach der Weisung Gottes zu leben und uns nicht entmutigen zu lassen, wenn wir Missstände in der Gesellschaft entdecken.



Unsere Aufgabe ist es, Misstände anzusprechen und nicht unter den Teppich zu kehren.  Wir - und damit meine ich alle Christen -  können durch unser Tun mit helfen, dass der Glaube wächst und wir können andere durch unser Vorbild zum Guten ermuntern. In diesem Vertrauen können wir auch die Be - oder die Verurteilung anderer getrost Gott überlassen. Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber sicher.

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