Dienstag, 18. Oktober 2011

Papst Benedikt XVI. kündigt „Jahr des Glaubens“ an

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Zur Stärkung des Glaubens in den Ländern des Westens hat der Papst an diesem Sonntag ein „Jahr des Glaubens“ angekündigt. Benedikt XVI. beging im Petersdom eine Messe mit katholischen Kirchenvertretern aus aller Welt, die sich um eine Erneuerung des Glaubens bemühen – und zwar in Ländern, in denen das Christentum zwar Tradition hat, aber an Kraft verliert. Der Gottesdienst bildete den Abschluss einer internationalen Konferenz zum Thema im Vatikan, auf der sich Kurienvertreter sowie Mitglieder von über 30 nationalen Bischofskonferenzen und 115 Orden und christlichen Gemeinschaften über ihre Erfahrungen mit der Neuevangelisierung ausgetauscht hatten.

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Lesen Sie dazu einen Bericht, der vom Radio Vatikan über seinen Newsletter verbreitet wurde. Papst Benedikt XVI.: „Um der Verkündigung der ganzen Kirche einen erneuerten Impuls zu geben, dass sie die Menschen aus der Wüste, in der sie sich im Augenblick befinden, herauszuführt zum Ort des Lebens, der Freundschaft mit Christus, der uns das Leben in Fülle gibt, möchte ich in dieser eucharistischen Feier Folgendes bekannt geben: Ich habe entschieden, ein „Jahr des Glaubens“ zu verkünden, das ich in einem apostolischen Schreiben genauer erklären werde. Es wird am 11. Oktober 2012 beginnen, am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und es wird am 24. November 2013, dem Christkönigsfest, enden. Es wird eine Zeit der Gnade und einer immer engeren Verbindung mit Gott sein, um unseren Glauben an ihn zu stärken und ihn mit Freude den Menschen unserer Zeit zu verkünden.“


Nach dem Paulusjahr im Jahr 2008/09 und dem Priesterjahr 2009/10 will Benedikt XVI. also mit einem Jahr des Glaubens die Mission der Kirche unterstützen. Denn die Sendung der Kirche bedeute ja „vor allem, von Gott zu sprechen, an seine Hoheit zu erinnern“, führte der Papst aus. Und sie bedeute auch, stets an die Wahrheit zu erinnern, so Benedikt XVI. mit Blick auf die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts. Nach der „unheilvollen Zeit der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts“ bräuchten die Menschen heute „einen umfassenden Blick auf die Welt und die Zeit“. Der Papst: „Einen wirklich freien Blick, einen friedlichen Blick, einen Blick, den das zweite Vatikanische Konzil in seinen Dokumenten überliefert hat, und den meine Vorgänger, der Diener Gottes Paul VI. und der selige Johannes Paul II. In ihrer Lehre gezeigt haben.“

Weiter unterstrich Benedikt XVI. in seiner Predigt die Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft für die Weitergabe und Stärkung des Glaubens: Alleine könne man nicht evangelisieren, erinnerte der Papst, der aus einem Brief des „größten Evangelisators aller Zeiten“ - des Apostels Paulus - zitierte. Für Paulus „moderne Nachfolger“ heißt das also in den Worten des Papstes: „Die neuen Evangelisatoren sind gerufen, vor allem diesen Weg zu gehen, der Christus ist, um dem Nächsten die Schönheit der frohen Botschaft zu zeigen, die Leben gibt. Und auf diesem Weg geht man nicht alleine, sondern in Gemeinschaft: Eine Erfahrung der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit, die sich ereignet, wenn wir uns begegnen, um unsere Erfahrungen Christi und seiner Kirche zu teilen.“ (rv 16.10.2011 pr)



Päpstliches Motu Proprio: Porta Fidei - Tür des Glaubens


An diesem Montag stellt der Vatikan das am Sonntag angekündigte apostolische Schreiben Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Glaubens vor, das am 12. Oktober 2012 beginnen wird. Stefan von Kempis hat das Motu Proprio für uns gelesen.

Worum geht es Papst Benedikt mit seinem „Jahr des Glaubens“?


Er weist in seinem Motu Proprio „Porta fidei“ selbst darauf hin, dass schon Paul VI. 1967 ein solches Jahr durchgeführt hat – und dass es damals um die Umsetzung des kurz zuvor beendeten Konzils ging. Auch Benedikt dem XVI. geht es bei seiner Initiative um das Zweite Vatikanische Konzil, darum startet sein Glaubensjahr zum 50. Jahrestag der Konzilseröffnung. Er fordert die Gläubigen dazu auf, sich die Konzilstexte anzueignen und sich vor allem mit – wie er schreibt – „einer der wichtigsten Früchte des Konzils“ zu beschäftigen, nämlich dem Weltkatechismus. Dieser war zu Anfang der 90er Jahre vom heutigen Papst zusammengestellt worden; Joseph Ratzinger war damals Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Also, es geht dem Papst wesentlich um eine Wiederaneignung von Glaubenstexten: „Nicht zufällig“, so bemerkt er, „waren die Christen in den ersten Jahrhunderten dazu angehalten, das Credo auswendig zu lernen.“

Was schlägt der Papst an Aktionen für das „Jahr des Glaubens“ vor?


Er äußert sich nicht konkret dazu, ob er – wie 1967 Papst Paul VI. – im Namen der Kirche ein feierliches Glaubensbekenntnis verfassen und vorlesen wird. Stattdessen verweist er auf die Bischofssynode zur Neuevangelisierung, die genau zum Start des Glaubensjahres im Vatikan stattfindet, und lädt alle Bischöfe dazu ein, das Jahr in einer, wie er schreibt, „würdigen und fruchtbaren Weise“ zu begehen. Er schlägt den Bistümern, Pfarreien und katholischen Gruppierungen weltweit ein „öffentliches Bekenntnis des Credo“ vor in der Form, die sie für richtig halten, und kündigt an, dass es bald konkrete Vorschläge aus der Glaubenskongregation zum „Jahr des Glaubens“ geben wird. Wichtig ist dem Papst aber nicht nur das öffentliche Glaubensbekenntnis von Einzelnen und Gruppen: Die Menschen sollen dem Glauben „ihre Herzen öffnen“ und ihn auch in der Öffentlichkeit leben.


Die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern wirkt aber nicht sehr offen für das Zeugnis von Glaubenden...


Das erwähnt Benedikt XVI. in seinem Motu Proprio auch. Es werde heute oft geleugnet, dass der Glaube „eine offensichtliche Voraussetzung für das Zusammenleben“ sei; die „Glaubenskrise“ sei weitverbreitet. Aber er wolle nun einmal „nicht akzeptieren, dass das Salz schal wird und das Licht unter den Scheffel gestellt wird“: „Auch der Mensch von heute“, so der Papst wörtlich, „kann von neuem das Bedürfnis spüren, wie die Samaritanerin zum Brunnen zu kommen, um Jesus zu hören... Wir müssen den Geschmack wiederfinden, uns vom Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren“.

Steckt hinter dem Glaubensjahr die Vorstellung, dass die Katholiken einfach mal wieder öffentlich zeigen müssen, wer sie sind?

„Nicht nur – Benedikt ruft in seinem Motu Proprio auch nach einer „Erneuerung der Kirche“. Aber die gebe es eben vor allem – so wie er das auch bei seiner Deutschlandreise betont hat – „durch ein erneuertes Zeugnis des Lebens bei den Gläubigen“. Darum wünscht sich der Papst allem voran „eine authentische und erneute Umkehr zum Herrn“, einen „Glauben, der durch Gelebtwerden stärker wird“. Und davon ausgehend dann ein neuer Elan der Kirche, damit auch andere „wiederdie Freude am Glauben entdecken“. Er zeigt übrigens wieder mal seinen tiefen Respekt vor allen, die nicht glauben, aber auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Diese Suche nennt er „eine echte Präambel zum Glauben“. Übrigens betont der Papst auch, dass er im „Jahr des Glaubens“ auf eine intensivierte Caritas hofft – das gehört für ihn nämlich zum Glauben mit dazu."

Es gab unter Benedikt XVI. schon ein Priester- und ein Paulusjahr, jetzt also ein Jahr des Glaubens. Was kommt danach?

„Das weiß man noch nicht. Allerdings darf man wohl zu diesem Glaubensjahr, womöglich auch schon vorher, mit einer Enzyklika Benedikts zum Thema Glauben rechnen. Und der Papst betont, dass es mit einem Glaubensjahr von gut 13 Monaten – es endet ja erst Ende November 2013 – nicht getan ist: Wer die „Tür des Glaubens“, die immer offenstehe, durchschreite, der sei „auf einem Weg, der das ganze Leben dauert“. (rv 17.10.2011 sk)

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