Montag, 17. Oktober 2011

Steffeshausen gedachte des Neubaus seiner Pfarrkirche und der Kapelle von Auel vor 75 Jahren

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Pfarrkirche von Steffeshausen
Am 2. Oktober feierte der Weiler Steffeshausen den 75. Jahrestag der offiziellen Einweihung seiner Pfarrkirche. Dieses Jubiläum war den Pfarrverantwortlichen um Kirchenfabrik-Präsident Aloys Dries Grund genug, am Sonntag mit der gesamten Dorfgemeinschaft die bewegte Kirchengeschichte Revue passieren zu lassen.

Kapelle von Auel

Wenngleich die offizielle Einweihung der Kirche in Steffeshausen auf den 21. September 1936 zurückgeht, gab es laut Dorfchronist Michel Dhur bereits Jahrhunderte zuvor eine rege Kirchenaktivität im äußersten Südzipfel der Gemeinde Burg-Reuland. Allerdings gehen die Meinungen der Heimathistoriker gerade in diesem Punkt recht weit auseinander.

Steffeshausen
1571 wurde Steffeshausen zusammen mit Harspelt und Lützkampen erstmals schriftlich in Urkunden erwähnt. Dr. Minke sieht eine Gründung der Pfarre
Kapelle von Auel
Steffeshausen im 12. bis 13. Jahrhundert durchaus als real und belegt dies durch eine Nennung im sogenannten Armenregister des Jahres 1497«, so Michel Dhur. Wenngleich die Meinungen der Historiker was die Gründung der Pfarre anbelangt weit auseinander gehen, scheint ein früher Kirchenbau dennoch als erwiesen. Im Jahre 1214 beispielsweise wird eine Eigenkirche oder Kapelle der Herren von Steffeshausen erwähnt. Als erster Pfarrer gilt Jacques Rellick, der das Seelsorgeramt von 1560 bis 1582 inne hatte. 1565 ist ein Kirchenumbau belegt, während 1776 eine Sakristei angebaut wurde. 1820 hatte die Kirche bereits eine Gesamtlänge von 45 Metern, während 1891 der Westseitengiebel um drei Meter und zwei Türmchen erweitert wurde. Die ursprünglich im romanischen Baustil gehaltene Petruskirche in Steffeshausen ist den beiden Heiligen Petrus und Sebastianus geweiht.


Wegen scheinbar mangelhafter Bausubstanz strebte der Dorfpfarrer Ludwig Lejoly
Hochaltar der Pfarrkirche
Anfang der 1930er Jahre einen kompletten Kirchenneubau an. Hierbei stieß der junge Geistliche auf harsche Gegenwehr seines Vorgängers Heinrichs Diederichs, der nach 24 Jahren Tätigkeit in Steffeshausen und Auel nach Rocherath gewechselt hatte. Lejoly setzte sich schließlich durch und ließ die Kirchen in Steffeshausen und Auel neu erbauen. Baubeginn war jeweils der Sommer 1935, die Einweihungen fanden im Herbst des folgenden Jahres stattfanden. Während die Kirche in Steffeshausen quasi an gleicher Stelle wieder aufgebaut wurde, wurde in Auel ein kompletter Neubau in zentraler Lage vorgesehen.

Was die Inneneinrichtung anbelangt, so beherbergt die Steffeshausener Kirche noch den aus dem Jahre 1717 stammenden Hauptaltar von Pastor Stouppertz, in dessen Mitte ein Gemälde der Muttergottes auf dem Berge Carmel und die Überreichung des Skapuliers an den Heiligen Simon Stock dargestellt ist. Beide Kirchenbauten in Auel und Steffeshausen erfreuen sich einer soliden Baustruktur. Als Seelsorger fungieren Pastor Willy Kessel und Kaplan Ludwig Hilger.


»Wir müssen tagtäglich am lebendigen Gotteshaus arbeiten«


Das 75-jährige Pfarrjubiläum wurde am Sonntag, dem 2. Oktober, mit der gesamten Dorfbevölkerung gefeiert. Zunächst zelebrierten am Morgen die beiden diensttuenden Geistlichen Willy Kessel und Ludwig Hilger eine Dankesmesse, die vom lokalen Kirchenchor gesanglich untermalt wurde. In seiner Festpredigt lobte Pastor Willy Kessel die Dynamik der Auel-Steffeshausener Pfarrgemeinde, warnte aber gleichzeitig vor den Problemen der heutigen Gesellschaft, in der die Kirche meist nur eine untergeordnete Rolle spiele. »Wir als Christen haben die Pflicht, dem Herrn zu danken, denn Menschen ohne Dank können auch nicht mehr denken und haben ihr Menschsein im Grunde verloren«, so Willy Kessel. 

So gelte es, wichtige und unbequeme Fragen nach dem Sinn und Zweck von Kirche innerhalb einer Dorfgemeinschaft zu stellen. »Spärlich besuchte Messen und auch der andauernde Priestermangel sorgen dafür, dass die Gotteshäuser regelrecht verwaisen. Häuser müssen aber bewohnt werden, damit sie nicht verkommen. Daher müssen wir tagtäglich am lebendigen Gotteshaus mitarbeiten, in dem die Menschen ein- und ausgehen und Sinn und Inhalt des Lebens für sich neu entdecken«, so der Geistliche abschließend.

Der Chronist Michel Dhur
Nach einem geschichtlichen Vortrag von Michel Dhur, der vor allem die Jugend dazu aufforderte, das Erbe der Vorfahren auch in Zukunft zu wahren, sowie weiteren Begrüßungsworten durch Präsident Aloys Dries überbrachte Bürgermeister Joseph Maraite der Festgemeinde die Glückwünsche der Gemeinde. Als Geschenk zum Jubiläum überreichte der Bürgermeister im Namen der Gemeinde zwei Gedenktafeln. Nach dem offiziellen Teil versammelten sich die beiden Dorfgemeinschaften im Saal Eintracht in Auel, wo das Jubiläumsfest bei einem Umtrunk in kurzweiliger Runde beschlossen wurde. Text und Fotos Von Gerd Hennen / Grenz-Echo


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