Samstag, 1. Oktober 2011

Vergiss das Danken nicht – Überlegungen zum Erntedankfest

„Unser tägliches Brot gib uns heute!“- So haben wir seit vergangenem Jahr als wir das Erntedankfest gefeiert haben oft gesprochen. Jesus lehrte den Jüngern damals diese Bitte, denn er wusste, wie Hunger weh tut, wie wichtig Brot ist. Gott hat unsere Bitte vielfach erhört, denn ich glaube keiner von uns brauchte im vergangenen Jahr zu hungern. Das Erntedankfest, das wir heute feiern, erinnert uns daran, dass wir über dem Bitten das Danken nicht vergessen sollen.

Die Älteren unter uns erzählen gern von den Zeiten des Hungers im und nach dem Krieg, da man nicht genug Brot zu essen bekam. Sie haben damals erfahren, wie Hunger sich anfühlt, wie wichtig und kostbar Brot ist.

In vielen Kirchen, überall auf der Welt, haben Menschen den Altar mit Lebensmitteln geschmückt. In der Pfarrkirche von Dürler, wo ich zur Feier der Vorabendmesse zum Sonntag war, hatte die Landfrauengruppe den Gottesdienst mit gestaltet und einen komplett gedeckten Tisch vor dem Altar aufgebaut. In Dürler – wie überall, wo Erntedank gefeiert wurde - wollen die Menschen damit ihren Dank sichtbar machen. Wir können Gemüse zwar anbauen, aber Gott lässt es wachsen. Wir können Brot zwar backen, aber wir können es nicht machen. Wir können die Weizenkörner der Erde anvertrauen, aber wir können ihnen nicht das Wachstum geben. Auch in unserer Welt der technischen Perfektion sind wir auf Sonne und Regen angewiesen, müssen wir geduldig warten, bis die Saat aufgeht. Wir können hoffen, dass die Ähren Frucht tragen, dass wir mähen, mahlen und Brot backen dürfen. Brot ist ein Geschenk Gottes. Darum bitten wir um das tägliche Brot. Darum danken wir für das tägliche Brot.

Wenn wir heute Erntedank feiern, so darf dies kein Alibi für die übrigen 364 Tage sein. Es geht nicht darum, einmal im Jahr Gott für seine Gaben zu danken, sondern darum, ein „dankbares Herz“ zu haben und das jeden Tag.

Das dankbare Herz beginnt beim Staunen. Beim Staunen vor dem Wunder der Schöpfung, vor jedem Geschöpf, vor dem Schöpfer selber. Wir Menschen von heute tun uns schwer mit dem Staunen. Wir sehen das Wunderbare der Schöpfung oft gar nicht mehr! Wir laufen blind daran vorbei.

Technische Produkte, Werke der Menschen, etwa schnelle Autos die wir Menschen geschaffen haben bestaunen wir zwar. Wer aber staunt noch über die Welt Gottes, die Wunder der Schöpfung, über den Schmetterling oder die fleißige Biene. Sie scheinen uns fremd geworden, und doch gilt, was Schopenhauer einmal gesagt hat: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber nicht alle Professoren der Welt zusammen können einen Käfer machen.“ 



Liebe Christen, heute am Erntedankfest wollen wir zu allererst für das tägliche Brot danken. Wir wissen alle wie wichtig das Brot ist, denn wir wollen keinen Hunger leiden, sondern jeden Tag uns, wenn möglich, wenigstens einmal satt essen. 

Es geht aber noch um mehr am Erntedankfest. Jesus sagt kurz nach seiner Taufe, bei der Versuchung durch den Satan in der Wüste: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Damit will er den Jüngern und uns sagen: Die Brot-Bitte meint nicht nur das Brot, sondern alles was wir zum Leben brauchen: Kleidung, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung; kurz, all das was wir zu einem menschenwürdigen Leben brauchen. Die Bitte um Brot kann auch die Bitte um eine Familie, um einen Freund, eine Freundin, um gute Beziehungen sein. Denn was nützt es mir wenn ich mir jeden Tag den Bauch voll schlagen kann, aber keinen Menschen habe mit dem ich vertrauensvoll reden kann? 


Unser Leben besteht weniger aus dem, was wir leisten, was wir uns erwirtschaften, sondern aus dem was wir empfangen. Gott hat uns mitten in seine Welt hineingestellt. Es gibt in dieser Welt so manches Unbegreifliche so manches was besser sein könnte, aber auch viel Schönes, Erfreuliches und Helles. Lasst uns darum heute, am Erntedankfest, für all das danken.

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