Montag, 7. November 2011

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 8. November 2011


--> -->Das Gleichnis vom unnützen Sklaven

In einer Zeit, da Menschenrechte in unserem Bewusstsein groß geschrieben werden, klingt es seltsam, dass wir vor Gott nur wie „unnütze Sklaven“ sein sollen. Genau betrachtet ist das Menschenbild, das sich hinter dieser Rede verbirgt, aber gar nicht so erniedrigend.

Wir werden lediglich vor der Versuchung gewarnt, vor Gott mit Belegen und Rechnungen aufzutreten, um unsere Leistung zu präsentieren. Denn erstens kennt Gott, der auch das Verborgene sieht, unsere „Leistungen“ ohnehin. Zweitens wäre es um uns geschehen, wenn er uns die Belege unseres Versagens entgegenhalten würde. Und schließlich dürfen wir sicher sein, dass Gott uns am Ende unendlich viel mehr schenken wird, als wir je an Belegen dafür zusammentragen könnten. Vertrauen und Liebe mögen wir ihm bringen, keine Rechnungen!

Schauen wir das Evangelium von heute etwas genauer an:

 Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan (Lk 17,7-10).

Wenn einer von euch einen Sklaven hat, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: wenn ich gegessen and getrunken habe, kannst auch du essen and trinken.


Die autoritäre Haltung des Gutsherrn ist uns nicht sympathisch. Spiegelt
sich hier nicht ein sozialer Klassenunterschied, der die menschliche Würde des Arbeiters herabsetzt? Über die sozialen Verhältnisse jedoch reflektiert das Gleichnis nicht kritisch. So war es damals - und wohl nicht nur damals.

Das Gleichnis hebt einen anderen Punkt hervor: Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? Wie die Frage zu beantworten ist, muss nicht gesagt werden. So soll es auch bei euch sein, d. h. bei euch Christen: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Wir verstehen, was uns drastisch vor Augen geführt werden soll. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in dieser Welt gibt es vor Gott keine Rechts- und Rangansprüche. Man kann und soll nicht vor ihn hintreten und sagen: Schau, was ich geleistet habe! Gib mir nun den schuldigen Lohn! Man kann und soll nicht vor die Menschen treten und sagen: Schaut, was ich für ein toller Mensch bin und alles an Gutem tue: Dafür seid ihr mir Dank und Ehre schuldig. Vor einer solchen Haltung warnt das Gleichnis.

Vielleicht hatte man Anlass, solches Gebaren in der Gemeinde zu kritisieren. Die menschliche Eitelkeit bahnt sich bekanntlich überall ihre Wege. Das Gegenteil, das im Gleichnis mit der Person des Sklaven als Vorbild geschildert wird, lautet: Bescheidenheit und Demut. gesetzt ist hier ein treuer und guter Arbeiter - verrichtet seinen Dienst zuverlässig und weiß, was ihm als Lohn und Vergütung zusteht.

Was das Gleichnis allerdings nicht ausdrückt, ist die Tatsache, dass wir
Menschen - sicher auch vor Gott - Freude empfinden an unserem eigenen Schaffen und dann auch Zuwendung und Anerkennung erwarten. Das ist natürlich und muss nicht in Eitelkeit oder Selbstgefallen geschehen. Sicher bleibt das, was unser Gleichnis im Evangelium zu sagen hat, bestehen: Plustert euch nicht auf vor Gott und den Menschen, und lasst den in der Mitte, der Wirklich die Mitte ist, Gott. Lasst ihn Gott sein in seiner Souveränität und Unberechenbarkeit und in seiner unendlichen Güte, die schenkt, was wir haben und brauchen. So ist Gott ein Gutsherr, der mehr Herz hat als im Gleichnis zum Ausdruck kommt.



Keine Kommentare: