Mittwoch, 23. November 2011

Ehrenamt: Einsatz mit Gewinn

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Die Motivation zum Ehrenamt
Eine lebendige Kirche vor Ort ist auf viele Menschen angewiesen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren, z.B. als Mitglied der Kontaktgruppe, als Pfarrgemeinderatsvorsitzende, als Ministrant, als Frauen und Männer, die für Blumenschmuck und Sauberkeit in den kirchlichen Gebäuden sorgen, als Mitglied des Krankenhausbesuchs-
dienstes, als Sozialladen-Mitarbeiterin oder als Katechet. Zwar zeigen die Erhebungen dass der Anteil der Engagierten an der Gesamtbevölkerung seit 2004 stabil bei 36 Prozent liegt. Doch kennen wohl viele Pfarreien die Not, neue, ehrenamtlich Mitarbeitende zu finden.

Dieser Beitrag lädt ein, auf der Suche nach neuen Mitarbeitern die gewohnten Kreise zu verlassen, den bereits Engagierten wertschätzend zu begegnen und auf eine christliche Tugend neugierig zu machen.

Wenn man Ehrenamtliche fragt, was ihr Engagement ihnen gibt, fallen die Antworten unterschiedlich aus: Das gute Gefühl, gebraucht zu werden, gibt Selbstbewusstsein und Zufriedenheit. Wer sich um andere kümmert, lernt, das eigene Leben mit anderen Augen zu sehen und Belastungen ins Verhältnis zu den eigenen Chancen und Kräften zu setzen.


Mit ihrem Engagement im Rahmen der Zivilgesellschaft wollen die Bürgerinnen und Bürger etwas zum Gemeinwesen beitragen. Dieses Kernkriterium schließt allerdings andere Motive nicht aus. Die meisten Menschen engagieren sich auch weiterhin, weil sie die Gesellschaft – zumindest im Kleinen – mit gestalten wollen.

Ungebrochen ist auch das Bedürfnis, Gemeinschaft mit Anderen zu finden, was angesichts des Kulturwandels vom Privaten zum Öffentlichen verständlich ist: Weil sich familiäre und freundschaftliche Beziehungen zunehmend verringern oder gar auflösen, suchen immer mehr Menschen Unterstützung im öffentlichen Raum. Jeweils rund zwei Drittel der Engagierten ab 14 Jahren geben diese Motive an.

Eigene Gaben einzubringen und Gutes weitergeben zu können, stellt Menschen hinein in den Kraftstrom des Lebens – und das macht glücklich. Victor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat im Konzentrationslager die Entdeckung seines Lebens gemacht. Alles hänge davon ab, sagt er, ob wir einen Sinn in unserem Leben und auch in unserem Leiden finden. Am Ende kommt es nicht darauf an, wie reich und angesehen wir waren, wie gut wir aussehen, ob wir fit und gesund sind. Es kommt darauf an, ob unser Leben Bedeutung für andere hat – und sei es nur für einen Menschen, den wir lieben. Es kommt darauf an, dass wir unseren Beitrag leisten – und sei er noch so klein –, damit Güte und Gerechtigkeit sich ausbreiten. Wer darauf schaut, erträgt auch Demütigungen, an denen andere zerbrechen.  

Victor Frankls Studien zeigen: Wer sich auf diese Weise verschenkt, gewinnt Lebensenergie, Geduld und Hoffnung und Widerstandskraft in Krisen, ja sogar Lebenszeit. Wir schöpfen Lebensmut daraus, dass wir nicht nur für uns selber leben.

„Gebt, so wird Euch gegeben“, sagt Jesus im Evangelium. „Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in Euren Schoß geben“ (Lk 6,38). Ob Koch oder Gynäkologin, ob Migrantin oder Erwerbsloser: Jeder, der seine Talente einbringt, kann damit sich selbst finden. Die Kirche hat die wichtige Aufgabe, gerade denen, die sich benachteiligt fühlen, zu helfen, ihre Talente zu entdecken und sie nicht zu vergraben. […]   OKRin Cornelia Coenen-Marx, EKD Hannover aus: Ehrenamtlich in die Zukunft? Beobachtungen zum Ehrenamt in der Kirche. in: Themenheft zur Woche für das Leben, „Einsatz mit Gewinn“, 2011, S. 12f. www.woche-fuer-das-leben.de


Christlicher Glaube motiviert zum Helfen


 33 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland engagieren sich in sozialen Projekten: in Kindergärten und Schulen, in Krankenhäusern und Kirchengemeinden oder auch in der Nachbarschaft. Manche sind gebeten worden, eine Aufgabe zu übernehmen, andere sind einfach hineingewachsen und wieder andere wurden selbst initiativ. So wie einst Cicily Saunders (1918 – 2005), die Gründerin der Hospizbewegung in England. Sie fand das Sterben in den britischen Kliniken der Achtzigerjahre würdelos und setzte sich für Palliativmedizin und menschenwürdige Pflege zu Hause ein

Vielfältiges Engagement
Wo immer soziale Notlagen aufbrechen, wo Löcher sich auftun im sozialen Netz, da gibt es auch Menschen mit offenen Augen und Herzen, die zupacken, Fantasie entwickeln und Neues ins Leben rufen: Hospize für Sterbende, Welcome-Zentren, wo Schwangere und ihre neugeborenen Kinder Hilfe erfahren, Tafeln für Hungrige und Wohngemeinschaften mit behinderten Menschen.

Lernen am Vorbild Jesu
Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Es sind die biblischen Werke der Barmherzigkeit, die Menschen nach wie vor motivieren. Wie wichtig das ist, lernen schon Kinder an Vorbildern und Heiligengestalten. Bis heute kennen viele Nikolaus oder Martin, der den Mantel mit einem Frierenden teilte. Christen verstehen die Quelle unserer Sozialkultur, wenn sie in der Bibel lesen, dass sich Jesus selbst mit den Hungernden und Kranken (Mt 25, 31 – 46) oder auch mit den Kindern (Mk 10, 13 – 16) identifiziert. Auch wenn es vielen nicht bewusst sein mag: Der christliche Glaube spielt nach wie vor eine große Rolle für das soziale Engagement in unserer Zivilgesellschaft. So zeigt die Freiwilligenbefragung der Bundesregierung, dass die Kirchenbindung bei freiwillig Engagierten signifikant höher ist als im Schnitt der Bevölkerung.

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