Donnerstag, 3. November 2011

Eine große Tat

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Es ereignete sich einst, dass ein alter Mann, der im Sterben lag, seine drei Söhne zu sich rief.



Als er seinen gesamten Besitz, sein Land und sein Geld gleichmäbig unter seinen drei Söhnen verteilt hatte, zeigte er ihnen einen wunderschönen, wertvollen Edelstein, den er in der Hand versteckt gehalten hatte. „Ich möchte demjenigen von euch diesen Edelstein schenken, der schon einmal eine wirklich große Tat vollbracht hat“, sagte er zu seinen Söhnen.



Der älteste Sohn durfte als erster sprechen: „Einst ließ ein Mann sehr viel Geld bei mir zurück. Er vertraute mir so sehr, dass er mir sein Geld zur Aufbewahrung überließ, bis er von seiner weiten Reise zurückkommen würde. Ich bewahrte das Geld sicher auf; und nach seiner Rückkehr händigte ich es ihm vollständig wieder aus. Der Mann wollte mich für meine Dienste bezahlen, aber ich wollte nichts annehmen. War das nicht eine gute Tat?“ Darauf antwortete der alte Mann: „Nein, mein Sohn. Das war einfach Ehrlichkeit und keine große Tat.“



Da begann der zweite Sohn zu sprechen: »Einst kam ich an einem Teich vorbei und sah, wie ein Kind im Begriff war, im Wasser zu ertrinken. Ich sprang hinein, ohne an mein eigenes Leben zu denken. Ich zog das Kind heraus und trug es zu seiner Mutter. Sie war sehr froh und glücklich darüber. War das kein wertvoller Dienst, den ich ihr und dem Kind erwiesen habe?“ „Du hast ihnen einen Dienst erwiesen, das stimmt“, antwortete der Vater, „und du hast sehr gut gehandelt, aber das war Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, aber keine wirklich große Tat!“



Schließlich begann der jüngste Sohn zu sprechen: „Ich ging einst in der Nacht an einer Schlucht vorbei und sah meinen größten Feind am Rande der Klippen liegen. Er war betrunken, und es klang, als ob er schliefe. Ich konnte sehen, wie er sich im Schlaf hin und her wälzte und wusste, dass er, würde er den Abhang hinunterfallen, zu Tode kommen würde. Deshalb ging ich schnell zu ihm hin und zog ihn mit aller Kraft an einen sicheren Platz. Habe ich damit eine gute Tat Vollbracht?“



Der alte Vater war sehr erfreut: „Ja“, sagte er und küsste seinen jüngsten Sohn auf die Wange. „Man kann keine größere Tat vollbringen, als seinem Feind zu helfen!“ Und er schenkte den Edelstein seinem jüngsten Sohn.



Märchen aus Äthiopien






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