Freitag, 18. November 2011

Die Geschichte vom König, der von seinem Thron herabstieg

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Ein fremder, sehr schwieriger König hatte im vergangenen Jahr schon im Oktober unbedingt die Weihnachtsgeschichte hören wollen. Da wurde ein Mädchen auf einem Bein stehend als Tannenbaum verkleidet, andere sollten sich wie Engel kleiden, eine Weihnachtstorte wurde gebacken   aber keiner im ganzen Land konnte die richtige Weihnachtsgeschichte von Jesus erzählen. Wütend befahl da der König, dass es kein Weihnachtsfest geben sollte ...

 

In diesem Jahr wollte er unbedingt am 24.12. die Weihnachtsgeschichte hören. Und alle Hofbeamten und Diener sollten sich versammeln.



„Fangt an!“ befahl er. Und sie erzählten ihre je eigenen Geschichten: vom Weihnachtsmann, vom Weihnachtsbaum, vom Weihnachtswein. Aber nie hatte der König das Gefühl, die Weihnachtsgeschichte richtig zu hören. „Ich will nur die echte Weihnachtsgeschichte hören!“, schrie er. Zur Strafe ließ er den ganzen Hofstaat in der Ecke stehen, mit dem Gesicht zur Wand. Bis keiner mehr übrig war. Nicht einmal dem Hauptmann der Soldaten war es gelungen, den König zu beruhigen.



Da kam ein alter Hirte zum Schloss, klopfte an, doch keiner war mehr da, um zu öffnen. So öffnete er selbst das Tor und ging zum König. „Erzähl du mir die Weihnachtsgeschichte, erzähl mir die Geschichte von Jesus“, sagte der König. – „Was kann ich alter Mann dir von Jesus erzählen ...? Das kann nur der König selbst, wenn er von seinem Thron herabsteigt.“ - Da wurde der König wütend, er lief dem Hirten hinterher   und fiel über den alten Umhang des Hirten. Nachdenklich hob er ihn auf und legte ihn sich um die Schultern. Dann ging er zurück zum Schloss. Dort hat er alle eingeladen, die da in der Ecke standen, und sie an seinen Tisch gebeten. „Heute will ich mit euch zusammensitzen und essen und wir werden uns gegenseitig aus dem alten Buch die Geschichte von Jesus vorlesen, die echte Weihnachtsgeschichte   denn der alte Hirte hat Recht. Nur wer vom Thron steigt, kann die Geschichten Gottes hören.“ (Erzählt von Sabine Tscherner-Babl nach einer Geschichte von Paul Biegel)


Christkönigsfest am Wochenende 

In der vergangenen Woche feierten wir das Fest des hl. Martin. Und jedes Jahr zieht es tausende Kinder in unserer engeren und weiteren Heimat zur Martinsfeier. Die Mantelteilung des hl. Martin mit dem nackten Bettler vor dem Stadttor, ist nach wie vor ein Maßstab, der angelegt werden kann, wenn wir beurteilen wollen, ob jemand etwas von unserem Glauben verstanden hat, oder nicht. Das Evangelium vom kommenden Sonntag will uns zusätzlich Anregung geben (Lies: Mt 25,31-46).

„Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben“, sagt der König beim Weltgericht; und die Gerechten fragen: „Herr, wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen ... oder nackt?“ Der König muss es ihnen erst noch erklären: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan``, schärft er uns ein. Wir kennen dieses Wort gut. Jesus will uns damit auf die Menschen aufmerksam machen, die wir übersehen oder missachten, die uns peinlich sind oder uns verunsichern, je nachdem. Wenn er sie Brüder und Schwestern nennt, dann können wir nicht länger einen Bogen um sie machen.

Christus, der König, den wir an diesem Wochenende in den Gottesdiensten feiern, hat durch sein Tun und durch die Art und Weise, wie er Menschen begegnete, immer wieder deutlich gemacht: Gott hat andere Kriterien als wir, er beurteilt Menschen nicht nach dem Äußeren, sondern er sieht ihre Bedürftigkeit. Er sieht in jedem  Versager genauso wie in jedem Reichen den Menschen.

Das Christkönigssfest kann uns von neuem darauf hinweisen, dass Christus der König aller Menschen sein will. Nicht nur derjenigen, die sich für reich, leistungsfähig oder klug halten, denn gerade sie können, mit Blick auf das Endgericht, in Gottes Augen arm sein.

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