Donnerstag, 24. November 2011

Die „Endzeitreden“ Jesu

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Vom Gericht über Jerusalem - Vom Kommen des Menschensohnes


An den letztenn Tagen des Kirchenjahres hören wir in den Gottesdiensten die sogenannten „Endzeitreden“ Jesu. Die Zerstörung des Tempels als das Wahrzeichen Israels und seines Glaubens an Gott ist für den Evangelisten Anlass, einen Blick in die auch für die Christen mit Drangsalen erfüllte Zeit zu blicken. Der Höhepunkt der Endzeitrede kündet vom Kommen des Menschensohnes, dem Ziel der gesamten, in ihrer Dauer nicht zu berechnenden Geschichte. Diese wird noch einmal mit ihren Schrecknissen geschildert. Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.

Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwüstet wird. Dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer in der Stadt ist, soll sie verlassen, und wer auf dem Land ist, soll nicht in die Stadt gehen. Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in Erfüllung gehen soll, was in der Schrift steht. Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn Gottes wird über dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.


Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. (Lk 21,20-28)


Die Formulierungen sind teilweise dem Alten Testament entnommen, wie z. B. dem Buch des Propheten Jesaja: Die Sterne und Sternbilder am Himmel lassen ihr Licht nicht mehr leuchten. Die Sonne ist dunkel, der Mond lässt sein Licht nicht mehr scheinen (Jes13,10). Diese Bilder stellen keine moderne naturwissenschaftliche Abhandlung dar, sondern beschreiben das Zusammenbrechen der bisherigen Weltordnung nach damaligen Vorstellungen. Die aufsehenerregenden Ereignisse werden Ratlosigkeit erzeugen und Panik verbreiten bei allen Bewohnern der Welt: Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Hinter diesen Bildern steht die Überzeugung von der Endlichkeit der Welt und allen Lebens in ihr. Zum anderen ist mit dem Ende das Gericht Gottes verbunden, der das Leben und den Lauf der Geschichte beurteilen wird.

Die Kriterien des göttlichen Gerichts
sind weder willkürlich noch verborgen.
Es sind die Kriterien der Botschaft und des Lebens Jesu.
Er selbst wird der Richter sein.

"Weltuntergang" in der Kirche von Eschfeld (D)
Nach dem Glauben der Urkirche wird das Ende der Welt und der Geschichte kein anonymes Versinken in Schutt und Asche sein, um wieder in einem Bild zu sprechen, sondern durch das Erscheinen des Menschensohnes geprägt sein. Um diesen Glauben auszudrücken, hat man auf eine Vision im Buch Daniel zurückgegriffen, die das aussprach, was die ersten Christen bewegte. Dort (Dan 7,13f heißt es: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.

Das Ende, sei es des individuellen Lebens, sei es der ganzen Welt, ist geprägt von einer menschlichen Gestalt, ist geprägt von einem menschlichen Gesicht, ist geprägt von dem, der sein Leben für die Seinen gab und es so erfüllte. Auf diese menschliche Gestalt am Ende der Zeiten zu hoffen, und damit, auf die Erfüllung alles Menschlichen nach dem Maß des Menschensohnes zu hoffen, das ist es, was die innere Einstellung des Glaubenden prägen darf.

Nicht Untergang, sondern Erfüllung!
Nicht Trauer, sondern Freude!
 
So hat der Glaubende keinen Grund, ängstlich auf das Ende zuzugehen: Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Das Wort von der Erlösung meint das Freiwerden von all dem, was die Gläubigen in dieser Welt zu erleiden haben. Die Heimführung durch den Menschensohn bedeutet das Eingehen in das endgültige Leben, das nicht mehr bedroht werden kann.

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