Montag, 26. Dezember 2011

Ein Esel geht nach Bethlehem


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 Zu jener Zeit, als über dem Stall von Bethlehem ein heller Stern stand, ging ein Raunen durch das Land: Ein Kind ist geboren in einem ärmlichen Stall. Es soll der neue König sein.

Ein König in einer Krippe aus Heu und Stroh?  Ungläubig schüttelten die Leute die Köpfe. Doch ein jeder, der an den König glaubte, machte sich auf den Weg nach Bethlehem. Auch ein kleiner Esel wollte dorthin gehen.

Aber sein Herr sagte: »Das ist doch Unsinn. Ein König wird in einem Palast geboren und nicht in einem Stall.« Und er verbot dem Esel, nach Bethlehem zu gehen. Da der Glaube des kleinen Esels so stark war, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in der Nacht unbemerkt davonzustehlen. Er fürchtete sich in der Dunkelheit und wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt. Doch wollte er nicht den neuen König begrüßen? Gewiss wird dieser mich freundlich anlächeln, dachte der kleine Esel. Und bei diesem Gedanken verflog seine Angst.

Und der kleine Esel ging weiter, Schritt für Schritt nach Bethlehem. Steile Hügel musste er überwinden, und die Wege waren oft sehr steinig. Doch der Esel achtete nicht darauf. Er dachte nur an den König, den er begrüßen wollte.

Unterwegs begegnete er vielen Tieren. „Wohin gehst du, kleiner Esel?“, fragte ihn ein Kamel. „Nach Bethlehem! Ein König soll dort geboren sein. Ich will ihn begrüßen. Darüber wird sich der neue König freuen und mich anlächeln.“ „Was bildest du dir nur ein, du Esel! Der König wird dich niemals anlächeln. Davonjagen wird er dich, weil du nur ein einfältiges Tier bist“, sprach das Kamel und stapfte weiter.

Traurig blickte der kleine Esel dem Kamel nach. Was sollte er tun? Sollte er weitergehen? Oder lieber umkehren?

Da erinnerte er sich, was erzählt wurde. Engel in goldenen Gewändern waren den Hirten auf dem Felde erschienen. Sie hatten von dem neuen König gesungen und von Frieden auf Erden.

Ein König, welcher Engel vorausschickt, damit sie sein Kommen ankündigen und Frieden auf Erden verheißen, der wird mich nicht fortjagen«, sagte der kleine Esel bei sich. Und zuversichtlich trottete er weiter, Schritt für Schritt nach Bethlehem.

Auf einer Anhöhe stand ein Löwe. Geringschätzig musterte er den Esel, der einen König begrüßen wollte, und sprach: »Nur mich wird der neue König anschauen, bin ich doch ein gewaltiges Tier, du aber bist ein Nichts.« Der Löwe schüttelte seine prächtige Mähne und sprang davon. Verschüchtert blieb der kleine Esel  stehen.

Eine Hyäne trat ihm in den Weg. »Du törichter Esel! Du bist gut genug, Lasten zu tragen, aber nicht würdig, deinen Rücken vor einem König zu beugen!«, höhnte sie und machte sich davon.

Was konnte er dafür, dass er ein Esel war? Und was wussten denn alle diese Tiere von seinem brennenden Wunsch, den König in der Krippe zu sehen?

Immer wieder kamen Tiere vorüber, die ihn auslachten. Ein Widder zeigte ihm unfreundlich den Rücken. Da begann der Esel sich seiner grauen Eselshaut zu schämen und wagte kaum noch die Augen zu heben. So geschah es, dass er vom Weg abirrte und in der Dunkelheit beinahe zu Tode stürzte. Der kleine Esel rieb sich die schmerzenden Flanken und ließ mutlos den Kopf hängen.


Wie finster es war! Nirgends ein Licht, welches ihm Trost spendete. Oder täuschte er sich? Löste sich die Finsternis nicht auf  in einen goldenen Dunst? Die Engel, die in goldenen Gewändern zu ihm herabgestiegen waren, konnte der kleine Esel nicht erkennen. Aber er spürte ihre Nähe. Vertrauensvoll folgte er ihnen Schritt für Schritt nach Bethlehem.

Der kleine Esel achtete nun nicht mehr auf die Tiere, die ihm begegneten. Er hörte auch ihren Spott nicht mehr. Er sah nur noch das Licht, welches sich ausbreitete und immer heller wurde.

Da erblickte er den Stern über Bethlehem.

Freudig betrat der kleine Esel den ärmlichen Stall. Darin lag ein Kind auf Heu und auf Stroh, so wie es gesagt worden war. Stumm stand er vor dem neugeborenen König. Und als das Kind ihm zulächelte, wusste der kleine Esel, dass der neue König auch dem geringsten seiner Geschöpfe Liebe schenkt.

Da hob Josef den Kopf und sagte: „Endlich bist du da! Ich hatte schon Angst, dass du uns nicht findest. Wir brauchen dich ganz dringend. Du musst uns helfen, nach Ägypten zu kommen; wir müssen nämlich heute Nacht noch fliehen vor dem König  dieses Landes. Vor  “Herodes“!

(Verfasser unbekannt)

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