Samstag, 3. Dezember 2011

Erwarten wir den Herrn? Überlegungen zum 2. Adventssonntag

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Darf ich fragen: Wie steht's mit euren Weihnachtsvorbereitungen? Habt ihr das meiste schon erledigt? Oder fehlt noch was? Vielleicht noch Weihnachtskarten, Christbaumschmuck, ein Geschenk für die alte Tante, eine Postanweisung für ein Blinden- oder ein Kinderheim oder für die Leprakranken? Und wolltet ihr nicht noch vor Weihnachten die alte, leidige Feindschaft bereinigen und euch endlich versöhnen? Und hattet ihr euch nicht auch noch vorgenommen an der Bußfeier im Advent teilzunehmen und einmal war euch sogar der Gedanke gekommen, dass auch einmal eine ehrliche Beichte wieder sinnvoll sein könnte.

Advent heißt: für Christus offen sein.
Alles in meinen Möglichkeiten stehende tun,
damit er gut bei mir ankommen kann.


Wenn wir einen lieben Gast erwarten, setzen wir uns auch nicht bequem in den Lehnstuhl; sondern wir richten her, wir bereiten vor. Unser Warten darf also nicht tatenlos sein. Johannes sagt uns: „Bekehrt euch, damit eure Sünden vergeben werden“ (Mk 1,4). Christus kann nicht kommen, wenn wir die Barrieren nicht wegräumen, die ihm den Weg zu uns versperren. „Jeder Berg soll abgetragen und jedes Tal aufgefüllt werden.“ Christus kann in uns nicht geboren werden, wen wir ihm die Türe versperren oder wenn unser Haus schon mit allen möglichen anderen Gästen besetzt ist. Wir müssen entrümpeln. Die Tore aufreißen, damit frische Luft rein kommt. 
In vielen Familien wird das Wichtigste, das Jesuskind, zugedeckt von Bergen von Geschenken und Nebensächlichkeiten. Vielleicht kennt ihr die Geschichte: Nach der Taufe legte man das Kind in irgend eine Ecke und setzte sich zum Taufkaffee. Die Gäste merkten das Kind gar nicht und legten ihre Mäntel darauf, so dass das Kind erstickte. Ich weiß nicht, ob sich diese Geschichte wirklich zugetragen hat. Jedenfalls ereignet sie sich jeden Heiligen Abend unter vielen Christbäumen: man vergisst das Wesentliche, das Kind, und erstickt es unter lauter Geschenken und Nebensächlichkeiten.

Wollen wir das Einbrechen des Herrn auch wirklich?

Machen wir also Platz für den Herrn! Oder wollen wir den wirklichen Advent, die wirkliche Ankunft Christi gar nicht? Kommt er uns vielleicht ungelegen? Fürchten wir seine Ankunft, weil wir wissen, dass wir dann einiges ändern müssten? Ist unsere Bitte: „O komm, o komm, Emanuel“  gar nicht so ernst gemeint? Rechnen wir mit der Wirklichkeit Gottes, mit seinem Gericht?  Oder meinen wir vielmehr: Lass dir noch Zeit! Stör uns bitte nicht!


Vielleicht denken wir: Wozu soll er überhaupt kommen? Fehlt uns etwas ohne ihn? Wir haben doch alles: unsere Schränke sind voll, auch unsere Kühltruhen; das Konto stimmt einigermaßen. Wozu soll er also kommen?

Eine tiefe Sehnsucht in uns sagt:
„Wir möchten mehr, als Lametta und Lebkuchen!“

Aber vielleicht gehören wir zu jenen anderen Menschen, die mit all dem allein nicht zufrieden sind, denen die gefüllten Kühltruhen und der Glühwein nicht genügen? Gehören wir zu denen, die vor all diesem irdischen Besitz und vor all den Weihnachtsgeschenken fragen: Ist das alles? Wir möchten mehr! Wir möchten und ersehnen eine Welt, in der Gerechtigkeit und Liebe herrschen, in der die Tränen der Hungernden und der Gefolterten getrocknet werden, in der alle Menschen sich als Brüder wissen.

Liebe Mitchristen, Advent heißt: Mit der Ankunft Gottes rechnen. Besser noch: Mit der Ankunft Gottes so rechnen, dass wir uns ihm gegenüber verantworten müssen. Eine solche adventliche Haltung nimmt uns etwas vom Gemütlichen und Rührseligen. Wenn wir die Zeit des Advents ernst nehmen, dann werden wir auch den Ruf des Täufers am Jordan ernst nehmen müssen: „Baut dem Herrn eine Straße; bereitet ihm einen Weg ! Macht gerade seine Pfade!” (vgl. Mk 1,3)

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