Donnerstag, 15. Dezember 2011

Friede auf Erden – Utopie oder reale Möglichkeit

-->
Auch in diesem Jahr wird an Weihnachten millionenfach der Wunsch ausgesprochen: Friede! Ich wünsche dir Frieden! Frieden mit den anderen Menschen aber auch Friede mit dir selbst. Wohl zu keiner Jahreszeit ist der Wunsch nach Frieden größer als zur Weihnachtszeit. Zu keiner Zeit des Jahres werden wir uns des Unfriedens auf der Welt so sehr bewusst wie an Weihnachten. 


In der Weihnachtsbotschaft lässt der Evangelist Lukas neben den Engeln eine große himmlische Schar den Lobgesang auf Gott ausrufen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade (vgl. Lk 2,14)“. Ja, dazu war er, der Messias (auch) in die Welt gekommen, um Frieden zu bringen, einen allumfassenden Frieden. Diesen Frieden kündigte der Prophet Jesaja in einer großartigen Vision an: Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. (Jes 11,1-10)


Böses wird nicht mit Bösem vergolten, sondern mit Gutem.
Da wird eine Welt sein, wo Vertrauen statt Angst herrscht!
Friede statt Krieg!


Eine einzige Einschränkung macht Jesaja: Das wird nur geschehen, wenn die Menschen bereit sind, Gott in ihre Mitte zu stellen und nach seiner Weisung, d. h. nach seinen Geboten zu leben. Dann wird es einen umfassenden Frieden geben. Aber der Prophet ist Realist. Er weiß, dass die Menschen das nicht aus eigener Kraft schaffen, darum sagt er einen Heilsbringer an, der von Gott kommt. Es wird kein König sein und auch kein Revolutionär, der gut mit Waffen umgehen kann. Jesaja sieht diesen Retter in seinen Visionen eher als etwas kleines, etwas zartes. Ein Reis wird aus einem Baumstumpf sprießen, sagt er.

Sicher haben schon manche von uns einen solchen Baumstumpf gesehen, an dessen Seite sich ein neuer Trieb, ein Zweig, entwickelt hat und nach oben strebt. Manchmal sind es auch mehrere. „Stockausschlag“ nennt man diese Triebe mit dem Fachbegriff. Sie können sogar wieder zu einem richtigen – mitunter mehr-stämmigen – großen Baum auswachsen.


Der Geist Gottes wird auf ihm ruhen.
Er ist mit großer Weisheit und Klugheit ausgestattet.
Er ist es, der dem Volk den Frieden schafft,
den sie selber nicht fertig bringen.

Jesaja sagt: Er wird mitten unter seinem Volk wohnen, aber nur wenige werden ihn als den Gesandten Gottes erkennen. Und dann beschreibt Jesaja in bildreichen Worten, wie die Welt aussehen wird, wenn alle sich diesem Gesandten Gottes anschließen. Von wilden Tieren ist da die Rede, die friedlich miteinander umgehen und vom Kind, das vor dem Schlupfloch der Natter spielt, wobei ihm nichts geschieht.

Seien wir ehrlich: Geht es in diesem Text nicht um tiefe Sehnsüchte des Menschen, die auch im Herzen des Menschen des 21. Jahrhunderts verankert sind? Sind wir es nicht manchmal leid, in den Nachrichten nichts anders zu hören, als den ewigen Streit politischer Parteien? Nichts anders zu sehen als die blutigen Spuren des Bombenterrors, dem die Menschen widerstandslos ausgesetzt sind?


Die Sehnsucht nach Frieden ist groß!

Wenn man genau hinhört, ist die Kritik des Jesaja an den gesellschaftlichen Zuständen in Israel nicht zu überhören. Scheinbar erlebt der Prophet, dass Menschen allzu oft nach dem Augenschein beurteilt werden, dass keiner für das Recht der Hilflosen und der Armen eintritt und dass auf der anderen Seite Gewalttätige und Schuldige ungestraft davonkommen.

Jesaja könnte das auch für uns Leute von heute geschrieben haben! So wie er die Situation einschätzt, braucht es wohl etwas mehr als bloß einen neuen König. Der Prophet hofft auch, dass er das Volk zur Umkehr bewegen kann, denn wenn sie bereit sind Gott in ihre Mitte zu stellen werden sie den Frieden haben.

Sind das nicht schöne Worte, Träume, Utopien, die so nie Wirklichkeit werden? Ein indischer Priester überliefert uns folgendes: Ein Mensch habe mit Gott gehadert, warum er zulasse, dass so viele Menschen hungern und unter Ungerechtigkeit leiden. Da habe Gott lange geschwiegen und schließlich gesagt: „Ich habe schon etwas dagegen getan, ich habe doch Dich erschaffen“!

Lassen wir es zu, dass der Messias in unsere, in meine Welt kommt, damit er dort, bei uns, bei mir, bei dir, sein Reich Wirklichkeit werden lassen kann.

Keine Kommentare: