Samstag, 10. Dezember 2011

„Mitten unter euch steht einer“


Gedanken zum 3. Adventsonntag

Lesung: 1. Thessalonicherbrief 5,16-24

Evangelium: Johannesevangelium 1,6-8.19-28

Die Adventszeit ist allseits beliebt als Kerzenzeit, als Zeit der Lichter: Zu Hause zünden wir uns in dieser dunkeln Zeit gerne eine Kerze an. In den Geschäften und an den Häusern leuchten in diesen Wochen große und kleine Lichterketten.


Ich möchte heute aber unseren Blick weniger auf die Lichter lenken, sondern vielmehr auf die Dunkelheit, auf die Nacht. Nichts gegen die vielen harmlosen kleinen Lichtlein und Kerzchen überall, von Lichterketten und Lichterbäumen ganz zu schweigen. Trotzdem mein Einspruch: Die vielen Lichtlein wollen die Nacht ein bisschen erträglicher machen. Gut gemeint, aber die hübschen Lämpchen bringen uns um die Chance der Nacht. Mir scheint: Erst die Unerträglichkeit der Nacht bewegt uns nach einem Licht Ausschau zu halten. Erst die schmerzende Not der Finsternis treibt den Licht-Hunger an. Nur ein ehrliches Zulassen und Eingestehen der tatsächlichen Nacht, auch in uns selbst, schaut aus nach einem Morgenlicht. 

 Kurz um: Wir müssen uns erst der Dunkelheit bewusst sein, um das Licht als etwas Wohltuendes, als etwas Befreiendes zu erfahren. Daraus ergibt sich dann die Frage: Ist in uns Christen das Jesus-Christus-Wort noch präsent, das da sagt: ,,Ich bin das Licht der Welt? Und haben wir noch den Auftrag Jesu vor Augen, der da heißt: “Ihr seid das Licht der Welt”?

Mitten im Wahrnehmen unserer Dunkelheit, tritt im heutigen Evangelium ein
Lichtzeuge auf: Johannes der Täufer. Er ist nicht das Licht, auf das viele Menschen seiner Zeit warteten, das alle erhoffen die sich mit den Kernfragen ihres Lebens auseinander setzten und keine geeignete Antwort fanden. Johannes sagt es gleich vorweg: Er sei nur der Vorbote des kommenden Lichts, nicht das Licht selbst.

Die Lesungstexte des dritten Adventssonntages wollen in unsere unterschiedlichen Nacht-Erfahrungen ganz ausdrücklich das Licht-Zeugnis des Täufers rücken, damit in uns Christen die Freude aufkeimt über unseren Gott, der sein Licht in Jesus Christus aufgehen läst. Ihn müssen wir versuchen noch besser zu verstehen.

Johannes will in uns ein Gespür dafür entwickeln was wir wirklich brauchen, in einer Welt die künstliche Bedürfnisse produziert, die jeden Durst zu stillen verheißt und jede Nacht durch ihre künstlichen Lichter zu erhellen scheint. Johannes ruft uns auf, uns aus der Hand zu geben und die andere Hand ergreifen, die uns ins wahre Licht führen will. Christus soll unser Licht sein. Nicht die Lichterketten und grellen Weihnachtsbeleuchtungen helfen in den Dunkelheiten des Lebens, sondern Jesus Christus, das wahre Licht der Welt.

 „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt” ruft Johannes den Menschen seiner Zeit zu. Vielleicht gelten diese Worte besonders uns. Wir wissen, dass mit diesem Einen Jesus Christus gemeint ist. Mitten unter euch steht Christus. Mitten unter euch brennt das Licht, ihr braucht es nur zu ergreifen.

Wenn wir es ergreifen kann uns die Dunkelheit nicht überwältigen. Niemals sind wir allein, Gott lässt uns nicht im Stich. Wenn uns Menschen verlassen, aufgeben oder niedermachen - Gott ist da. Wenn wir keinen Sinn sehen, wenn Beruf oder Familienleben uns aufreiben, wenn uns die Gesellschaft links liegen lässt - für Gott sind wir wertvoll. Wenn eine Ehe scheitert, wenn eine Krankheit uns niederringt, wenn Kinder auf die schiefe Bahn geraten, ja wenn der Tod einen lieben Menschen raubt - Christus schaut uns voll Liebe an und reicht uns seine helfende Hand.

Wo Christen heute, wie Johannes, Zeugen dieses Lichtes Gottes werden mitten in die Finsternis der Welt hinein, da leuchtet das Licht Gottes auf, von dem Johannes  gesprochen hat. Dieses Licht, das die Menschen in die Dunkelheit der Welt hineintragen, hin zu den Bedürftigen aller Art, dieses Licht leuchtet mehr als alle Adventskerzen und Lichterketten zusammen. Und es leuchtet auch noch dann, wenn die Lichterketten ausgeschaltet sind, oder wenn sie auf dem Speicher oder im Keller in der Kiste verstaut auf den nächsten Advent warten.

Nichts gegen Adventskerzen und Lichterketten. Aber sie selber sind nicht das Licht, das auf unserem Weg leuchtet, sondern sie wollen uns nur hinweisen auf das Licht, das an Weihnachten in die Welt kommt, um uns zu leuchten, Christus, der Herr! 

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