Freitag, 2. Dezember 2011

Seht euch also vor und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist (Mk 13,33).

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Heute! Nicht morgen!

In einer alten Legende wird von drei Teufelslehrlingen erzählt, die eines Tages auf die Erde kamen, um hier ihre Ausbildung abzuschließen. Sie unterhielten sich mit Satan, dem obersten der Teufel, über ihre Pläne, die Menschen in Versuchung zu führen und zu verderben.

Der erste Lehrling sagte: “Ich werde den Menschen beibringen, dass es keinen Gott gibt.“ Satan entgegnete: „Damit wirst du nicht viele für uns gewinnen. Denn die meisten Menschen ahnen, dass Gott existiert. Sie haben

eine Neigung in ihrem Herzen, an Gottes Dasein zu glauben. Diese Neigung wirst du nicht leicht aus ihrem Herzen reißen können.“

Der zweite Lehrling sprach: »Ich werde den Menschen sagen, dass es keine Hölle gibt und dass sie für ihre Sünden keine Strafe zu fürchten brauchen.“ Satan erwiderte: „Auf diese Weise wirst du kaum jemand in die Irre führen.

Kluge Menschen wissen längst, dass es eine Hölle gibt und dass jede böse Tat die ihr gemäße Strafe nach sich zieht!“

Der dritte Lehrling erklärte „Ich werde den Menschen einreden, dass man alles verschieben kann; dass es nichts gibt, was hier und jetzt getan werden muss.“

„Geh ans Werk“, sprach der Satan, „du wirst Erfolg haben. Tausende wirst
du betrügen und uns in die Arme treiben.“






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In der Stadt Ropschitz wohnen - wie überall - die reichen Leute einsam am Rande der Stadt. Sie bestellen Männer zum Schutz gegen Diebe. In dieser Stadt wohnt auch Rabbi Naphtali.
Er geht eines Tages am Rand des Waldes spazieren. Dabei stößt er auf einen solchen Wächter auf seinem Patrouillengang. „Für wen gehst du?“ fragt er den Wächter. Der gibt ihm Bescheid, stellt jedoch die Gegenfrage: „Und für wen geht ihr, Rabbi?“
Das Wort trifft den Rabbi wie ein Pfeil.
„Noch gehe ich für niemand“, bringt er mühsam hervor und geht lange schweigend zusammen mit dem Wächter auf und ab. Schließlich fragt der Rabbi unvermittelt: „Willst du mein Diener sein?“
„Das will ich gern“, erwidert der Wächter, „aber was ist meine Aufgabe, was habe ich zu tun?“ “Mich erinnern“, sagt Rabbi Naphtali und geht heim.
Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten 3, S. 12-13.

 

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