Samstag, 29. Januar 2011

Jesu Traum von einer neuen Welt


Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg.
Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.(Mt 5,1-12)

Wer keine Visionen hat, vermag weder große Hoffnungen zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen. Wer keine Vision hat, der wird die Realität nicht bestehen. Wer keine Visionen, also keine Zukunftspläne, wir können auch sagen wer keine Träume mehr hat, landet sehr schnell auf dem Abstellgleis, ist schnell veraltet.

Firmen entwickeln Visionen bezüglich ihrer Produkte, die sie herstellen wollen. Sie versuchen herauszufinden, welche Bedürfnisse Menschen in fünf oder zehn Jahren haben. Neue Produkte, neue Ideen kommen auf den Markt. Nicht alle kommen sie beim Verbraucher an aber so manches Produkt entwickelt sich zum Kassenschlager. Aber nur so kann sich Neues entwickeln. Nur so können neue Wege ausprobiert werden.

Wer aufhört zu träumen, hat auch oft schon resigniert. Träumen von einer neuen Welt, Ideen über neue Wege entwickeln, das ist in jedem Alter erlaubt und sogar sehr wünschenswert. In seiner berühmten Rede beginnt Martin Luther King, der Bürgerrechtler in den USA, der wegen seines Einsatzes für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ermordet wurde, jeden Satz mit den Worten: "Ich habe einen Traum ..." Und das was er damals erträumt hat, ist inzwischen zum großen Teil Wirklichkeit geworden.

Besonders junge Menschen träumen. Sie haben Ideale und Wünsche. Sie träumen wie ihre Zukunft beruflich und familiär aussehen könnte und sie träumen von einer neuen Welt. Eine Welt ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Korruption.

Auch Jesus hatte einen Traum. Er träumte von einer neuen Welt, von der Welt wie sie sich Gott gedacht hat. Doch Jesus hatte nicht nur einfach einen Traum. Sondern Jesus hat genau gesehen, wie diese Welt und das Leben der Menschen sein könnte. Er schenkt uns auf dem Berg der Seligpreisungen die Richtlinien dieser neuen Welt.

Man mag zuerst ein wenig zurückschrecken, sich überfordert fühlen. Man mag sie als Träumerei abtun, nur für bestimmte, besondere Christen umzusetzen. Es lohnt sich aber diese Seligpreisungen, die Gebote der neuen Welt einmal anzuschauen.

Jesus sagt: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." Das ist keine Vertröstung der Armen auf später, auf „das Himmelreich“. Jesus rechtfertigt die Armut in der Welt nicht. Arm vor Gott sein heißt: ich bin einzig und allein auf Gott angewiesen. Mein Leben, alles, was ich im Leben erreiche und bekomme, ist Geschenk. Arm sein vor Gott ist der Zustand wenn man in Sorgen und Problemen ertrinkt, wenn man keine Perspektive im Leben mehr sieht. Wenn man erkennt, dass die eigene Kraft nicht ausreicht und man Gottes Hilfe benötigt, wenn man merkt, hier gibt es nur noch EINEN der helfen kann, dann ist man arm vor Gott. Jesus sagt zu diesen Menschen: „Ihr seid selig“. Und er gibt ihnen wieder eine Perspektive für ihr Leben: „Euch gehört das Himmelreich“.

Selig, die keine Gewalt anwenden: Der Glaube an Gott macht mich stark. Weil ich durch den Glauben an Gott stark bin, brauche ich mir nicht mit Gewalt Macht aneignen. Gewalt erzeugt immer neue Gewalt. In der neuen Welt, die Jesus aufbauen möchte, brauche ich keine Gewalt, ich brauche kein Recht um jeden Preis. Gott selber wird mir beistehen und mir zu meinem Recht verhelfen, denn Jesus sagt von den Gewaltlosen „Sie werden das Land erben“ womit Jesus sicher das Land meint in welches die Gerechten am Ende des Lebens einziehen, da, wo wir alle hin möchten in das Land, wo weder Geld noch Macht eine Rolle spielen, sondern wo jeder die gleichen Lebenschancen hat, weil dort die Liebe Gottes wohnt.

Selig die Barmherzigen: Wer sich selber auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen fühlt der wird hoffentlich auch seine Mitmenschen mit den Augen Gottes zu sehen. Wenn das der Fall ist erwächst daraus Barmherzigkeit. Dann verurteile ich einen Mitmenschen nicht, versuche in jedem ein Abbild Gottes zu sehen, in jedem armen und geringen Jesus zu entdecken, versuche zu verstehen, warum ein Mensch so und nicht anders geworden ist und überlasse das Urteil getrost und gelassen dem Hergott.

Dann spricht Jesus von denen, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen. Wer ist denn reinen Herzens? Antwort: wer aus Liebe handelt, wer seinem Gewissen folgt! Wer nicht beeinflussbar und käuflich ist. In einer oft schmutzigen Welt der Lüge, der Habgier, der Gewalt und der sexuellen Zügellosigkeit geht von einem Menschen, der ein lauteres, bescheidenes und reines Herz hat, eine durchdringende Kraft aus. Die Welt braucht diese Reinheit. Als Christen haben wir den Auftrag, in allem lauter zu sein und unsere Leidenschaften der ordnenden Kraft des Geistes zu unterstellen.

"Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden." Hier bezieht der Text sich wieder auf die Menschen mit reinem Herzen. Diese Personen sollen friedsam, geduldig und sanft gegen jeden sein; ein zorniges Herz kann nie rein sein, denn der Zorn entsteht stets aus Hochmut. Unsere Welt, in der Krieg und Gewalt, Ungerechtigkeit und Feindseligkeit allgegenwärtig sind, braucht Menschen, die als Boten der Frohen Botschaft Jesu mutige Schritte des Friedens gehen.

Wenn ich jetzt die letzten Gedanken Revue passieren lasse, dann spüre ich: Jesus hat uns hier in den Seligpreisungen eine neue Lebensmöglichkeit aufgezeichnet. Was er verheißt, das können wir bereits in diesem Leben erfahren. Denn überall wo diese Haltungen der Seligpreisungen eingeübt werden, beginnt ein Stück „Himmelreich“ auf Erden. Auf dem ersten Blick scheinen Menschen zu verlieren, aber wer mit Jesus lebt, der gewinnt, wer mit Jesus lebt ist auf der Gewinnerseite, denn: „Ihr Lohn im Himmel wird groß sein“.

Freitag, 28. Januar 2011

Katholiken werden vom Papst ausdrücklich ermuntert, die Chancen des Internets zu nutzen


Aus Anlass des 45. Welttags der Sozialen Kommunikationsmittel stellte Papst Benedikt XVI Überlegungen an die ihren Grund in einem charakteristischen Phänomen unserer Zeit haben: die Verbreitung der Kommunikation durch das Internet. „Die neuen Technologien ändern nicht nur die Art und Weise, wie man miteinander kommuniziert, sondern die Kommunikation an sich; man kann daher sagen, dass wir vor einem umfassenden kulturellen Wandel stehen“ so der Papst. Durch die moderne Form der Kommunikation entstehen neue Möglichkeiten, auch für die Verkündigung des Evangeliums.

„Es zeichnen sich Ziele ab, die bis vor kurzem undenkbar waren, die aufgrund der von den neuen Medien eröffneten Möglichkeiten Staunen hervorrufen und zugleich immer dringlicher eine ernsthafte Reflexion über den Sinn der Kommunikation im digitalen Zeitalter verlangen“ sagte der Papst. Er denkt dabei an die Vielschichtigkeit der Anwendungen des Internets und „wie alle anderen Schöpfungen des menschlichen Geistes müssen die neuen Kommunikations-technologien in den Dienst des ganzheitlichen Wohls des Menschen und der gesamten Menschheit gestellt werden. Wenn sie vernünftig genutzt werden, können sie dazu beitragen, das Verlangen nach Sinn, nach Wahrheit und nach Einheit zu stillen, das die tiefste Sehnsucht des Menschen bleibt“.

„Der virtuelle Kontakt kann den direkten persönlichen Kontakt mit den Menschen auf allen Ebenen unseres Lebens nicht ersetzen“

Der Papst richtet unser Augenmerk auf die Tatsache, dass die Gefahr besteht durch das übermäßige Nutzen des Internets andere soziale Kontakte zu vernachlässigen. Der Papst: „Die neuen Technologien gestatten den Menschen, sich jenseits der Grenzen von Raum und Kultur zu begegnen und so eine ganze neue Welt potentieller Freundschaften zu schaffen. Das ist eine große Chance, bedingt aber auch eine größere Aufmerksamkeit und eine Bewusstwerdung möglicher Risiken. Wer ist mein „Nächster“ in dieser neuen Welt? Besteht die Gefahr, weniger für die da zu sein, denen wir in unserem normalen täglichen Leben begegnen? Besteht die Gefahr, zunehmend abgelenkt zu sein, weil unsere Aufmerksamkeit gespalten ist und von einer Welt in Anspruch genommen wird, die „anders“ ist als die, in der wir leben? Haben wir Zeit, kritisch über unsere Entscheidungen nachzudenken und menschliche Beziehungen zu pflegen, die wirklich tief und dauerhaft sind? Es ist wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass der virtuelle Kontakt den direkten persönlichen Kontakt mit den Menschen auf allen Ebenen unseres Lebens nicht ersetzen kann und darf.“

Beim Austausch von Informationen teilen Menschen bereits sich selbst mit, ihre Sicht der Welt, ihre Hoffnungen, ihre Ideale.

Dann geht der Papst auf die Möglichkeit ein, das Web für die Verbreitung der frohen Botschaft zu nutzen. „Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen“. Im Klartext heisst das: Jeder der religiöse Inhalte auf die von ihm genutzte Plattform hinstellt, teilt dadurch auch einiges von sich selbst mit, vor allem was seine religiöse Überzeugung angeht. Er ‚outet’ sich, obwohl heute Religion und Glaube fast ausschließlich in den Bereich des privaten verdrängt werden.

„Ich möchte jedenfalls die Christen dazu einladen, sich zuversichtlich und mit verantwortungsbewusster Kreativität im Netz der Beziehungen zusammenzufinden welche das digitale Zeitalter möglich gemacht hat“, so Benedikt XVI. Zuletzt erinnert der Papst daran, dass auch in den neuen Medien respektvoller Umgang untereinander erforderlich ist. „Die Verkündung des Evangeliums verlangt eine respektvolle und unaufdringliche Form der Mitteilung, die das Herz anrührt und das Gewissen bewegt; eine Form, die an den Stil des auferstandenen Jesus erinnert ...“

Quelle: © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana

Donnerstag, 27. Januar 2011

Thomas von Aquin - der wohl größte katholische Theologe aller Zeiten


Die Kirche gedenkt heute des heiligen Thomas von Aquin, der im 13. Jahrhundert unter anderem in Paris Theologie lehrte. Er hat das Denken späterer Jahrhunderte befruchtet wie kaum ein anderer Kirchenlehrer. „Doctor venerabilis“ und „Doctor angelicus“ – der bewundernswerte und engelgleiche Lehrer – sind seine Ehrennamen.

Aus seiner Feder stammen jedoch nicht nur hoch komplizierte theologische und philosophische Werke wie die „Summe der Theologie“, sondern auch Gebete und Lieder, die seine tiefe Frömmigkeit erahnen lassen. Thomas war ein großer Gelehrter, aber er wusste, dass wir Gott nie ergründen können; wenn wir ihn jedoch aufrichtig suchen, wenn wir uns öffnen und uns von ihm beschenken lassen, werden wir ihn finden.


Thomas, geboren als Spross des italienischen Grafengeschlechts derer von Aquino, kam mit fünf Jahren als Oblate - als gottgeweihtes Kind - zu den Benediktinern ins Kloster auf dem benachbarten Montecassino, wo sein Onkel Abt war, der ihn für eine große Karriere präparieren sollte. Mit 13 Jahren studierte Thomas in Neapel Grammatik, Logik und Naturwissenschaften und lernte dort den noch jungen Dominikanerorden kennen. Gegen den Willen der Eltern trat er 1244 in diesen Orden ein. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, ließ seine Mutter ihn durch seine Brüder gefangen nehmen und hielt ihn über ein Jahr lang im eigenen Schlossturm gefangen. Mit Hilfe einiger verkleideter Ordensbrüder soll ihm schließlich die Flucht aus dem Familiengefängnis gelungen sein. Nach seiner Befreiung im Herbst 1245 folgten weitere Studien in Bologna, von wo ihn der Ordensmagister der Dominikaner nach Paris, zum Studium bei Albertus Magnus sandte; mit diesem ging er 1248 nach Köln. Dort wurde er dessen Assistent beim Aufbau des Studium generale und hielt erste Vorlesungen zu biblischen Themen. Mit philosophisch-theologischen Vorlesungen begann Thomas 1252 in Paris seine eigenverantwortliche Lehrtätigkeit. 1256 wurde er zum Magister der Theologie ernannt und 1257 - zugleich mit Johannes Bonaventura in den Magisterkreis aufgenommen.

Im Herbst 1259 kehrte Thomas nach Italien zurück, wohl erst nach Neapel, nun begann er an seiner Summa contra gentiles zu arbeiten, dem Lehrbuch gegen die (ungläubigen) Völker, in dem er sich tiefschürfend mit der arabischen Philosophie auseinandersetzte. 1261 beendete er diese Arbeit. Im Auftrag von Papst Urban IV. stellte er hier auch die Catena aurea, die goldene Kette zusammen, eine Sammlung von Kommentaren der Kirchenväter zu den Evangelium, die dann weite Verbreitung fand. 1265 wurde er nach Rom gerufen, um dort ein Studium für die Begabtesten der Studenten aufzubauen. Hier begann er nun sein bekannteste Werk, die bis heute wegweisende Summa theologiae, das Lehrbuch der Theologie.


Thomas bemühte sich in seinen Werken Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammen zu bringen.



Bis zu Thomas stand die Theologie unter dem Einfluss der von Plato beeinflussten Tradition des Augustinus; Thomas ließ sich vom wiederentdeckten Philosophen Aristoteles beeindrucken und versuchte, die christliche Lehre in seinen Denkkategorien auszudrücken. Thomas wurde so zum Meister der Scholastik, dem schulmäßigen und systematischen Ordnen der Lehre der Kirche in einem strengen System. Er war ein glasklarer Denker von höchster analytischer Intelligenz, zugleich aber auch ein frommer Beter und demütig Glaubender.




Sonne, Stern und Edelstein, mit denen er dargestellt wird, symbolisieren sein Geisteslicht, mit der er die Kirche erleuchtete; die Taube aus seinem Mund oder ihm ins Ohr flüsternd symbolisiert seine Weisheit.

In einer Eucharistiefeier wird Gott für Thomas zur lebendigen Erfahrung

Die Legende schreibt ihm einen kurzen Dialog unter einem Kreuz zu: Er habe die Stimme Jesu Christi gehört: Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst Du? Darauf Thomas: Nur Dich allein, Herr. So kommt es, dass Thomas nach dieser Vision von seinem Lebenswerk nichts mehr wissen will. Ab dem Nikolaustag 1273 - der Überlieferung nach der Tag seines mystischen Erlebnisses - weigerte er sich, weiter zu schreiben: "Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu, verglichen mit dem, was ich geschaut habe".

Auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater geladen hatte, starb Thomas in der Zisterzienserabtei Fossanuova; legendäre Gerüchte sprechen von Vergiftung. Er selbst hatte alle Würden immer abgelehnt, nach seinem Tod wurde er aber zum Bischof von Umbrien erklärt. Thomas' Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt.

Dienstag, 25. Januar 2011

Timotheus und Titus: "Geliebte Söhne" des hl. Paulus


Am Tag nach dem Fest der Bekehrung des heiligen Paulus feiert die Kirche den Gedenktag seiner Schüler Timotheus und Titus, die er durch Handauflegung und Gebet zu Gemeindeleitern einsetzte.

Die beiden Timotheusbriefe und der Titusbrief im Neuen Testament geben uns Einblick in das Leben der christlichen Gemeinden der frühen Kirche. Einer der Paulusbriefe ist an Titus gerichtet. Nach der Überlieferung wurde er von Paulus zum ersten Bischof von Kreta bestellt.“ Paulus, durch den Willen Gottes zum Apostel Christi Jesu berufen, um das Leben in Christus Jesus, das uns verheißen ist, zu verkündigen, an Timotheus, seinen geliebten Sohn: Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.

Ich danke Gott, dem ich wie schon meine Vorfahren mit reinem Gewissen diene - ich danke ihm bei Tag und Nacht in meinen Gebeten, in denen ich unablässig an dich denke. Wenn ich mich an deine Tränen erinnere, habe ich Sehnsucht, dich zu sehen, um mich wieder von Herzen freuen zu können; denn ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt. Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft. (2 Tim1,3-8)

Timotheus, Sohn eines heidnischen Vaters und einer jüdischen Mutter, stammte aus Lystra (in der heutigen Türkei). Er wurde von Paulus auf der ersten Missionsreise für den christlichen Glauben gewonnen und war sein treuester Begleiter und Mitarbeiter. Auch während der römischen Gefangenschaft war er bei Paulus. Nach alter Überlieferung war Timotheus der erste Bischof von Ephesus. Zwei von den paulinischen Briefen sind an ihn gerichtet.

Titus ist geborener Heide. In der Apostelgeschichte wird er merkwürdigerweise nicht erwähnt, dagegen in den Paulusbriefen oft als Mitarbeiter des Paulus genannt. Paulus hat ihn für das Christentum gewonnen, ihn zum sogenannten Apostelkonzil nach Jerusalem mitgenommen und ihm wichtige Aufgaben anvertraut. Nach der Überlieferung wurde er von Paulus zum ersten Bischof von Kreta bestellt.


Paulus ist über alles dankbar für seinen Gesinnungsgenossen Timotheus, den er nicht nur als „Schüler“, als Untergebenen betrachtet, er nennt ihn „seinen geliebten Sohn“. Paulus denkt in seinen Dankgebeten „unablässig“ an ihn (2 Tim 1,2). Ebenso bezeichnet er im Titusbrief den Titus als „seinen echten Sohn aufgrund des gemeinsamen Glaubens“.

Auch wir sollten viel mehr dankbar sein für alle Glaubensgemeinschaft, die wir um uns erleben: für die Gesinnungsgenossen, mit denen wir gemeinsam Gottesdienst feiern, für all die Leute, mit denen wir in der Pfarrgemeinschaft zusammentreffen. - Die Kirche wird zu einer beglückenden Gemeinschaft, wenn wir uns - eben aufgrund des gemeinsamen Glaubens - als Familie und wahre Freunde, als einander liebende Brüder und Schwestern, erfahren. Auch unsere Gebete sollten nicht nur Bittgebete, vor allem auch Dankgebete sein. Und auch wir dürfen alle unsere Lieben in das Gebet mit einschließen, an sie denken, um mit ihnen im Geist Gottes verbunden zu sein, um für sie Gutes zu erbitten.

Die Lesung schließt mit einer großen Ermutigung: „Gott gibt Kraft.“ Er hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Wir alle brauchen Kraft. Aus der geistigen Gottverbundenheit schöpfen wir die Kraft für das Leben, und es erfüllt uns mit Freude am Glauben und mit Freude an der Gemeinschaft der Christen. Das Reich Gottes kann nur verkündet werden von Menschen, die im Glauben feststehen: die fest überzeugt sind von dem, was sie erfüllt.

Montag, 24. Januar 2011

25. Januar: Bekehrung des heiligen Paulus

Die Kirche feiert heute das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus. Er war ein Gegner des christlichen Glaubens und verfolgte die Christen. Durch eine plötzliche Christusbegegnung vor Damaskus bekehrte er sich jedoch und wurde der große Völkerapostel.
Auch bei uns gibt es Christen, die mit dem Glauben lange Zeit „nichts am Hut“ hatten. Vielleicht hatten sie als Kinder nur wenig und dann noch Falsches über Gott und Jesus gehört. Doch dann gab es Zeiten, in denen sie sich angesprochen fühlten. Das konnte eine Kirchenbesichtigung sein, die Feier einer Erstkommunion, aber auch eine Krankheit. Manchmal waren es auch Begegnungen mit überzeugten Christen. Jedenfalls gibt es auch heute noch „Bekehrungen“ im Erwachsenenalter. Sie können plötzlich erfolgen oder auch allmählich sich entfalten. Biographien von Heiligen zeigen das sehr deutlich. Voraussetzung ist immer eine gewisse Offenheit trotz mancher Abwehr.

Die persönliche Begegnung mit Christus ist wichtig!

„Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Diesen Satz hat der bekannte Theologe Karl Rahner schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts geprägt. Der christliche Glauben wird nach Rahner nur bestehen können, wenn er mit einer persönlichen religiösen Erfahrung einher geht. Das nur theoretische Wissen der Lehre Jesu Christi und die Pflege gewisser überlieferter christlicher Bräuche sind für die Weitergabe des Glaubens sicher sehr wichtig. Wenn sie aber nicht das Herz des Menschen erreichen und bewegen, bleiben sie oberflächlich und werden leicht abgelegt oder können anderen Überzeugungen weichen.
Paulus aus Tarsus, ein gebildeter Jude, Schüler des Rabbi Gamaliel, ein Eiferer für Gott, hat nach dem Zeugnis seiner Briefe und der Apostelgeschichte eine solche mystische Erfahrung gemacht. Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Sohn Gottes, ist ihm auf unerklärliche, geheimnisvolle Weise erschienen und hat ihn zu einem anderen, neuen Menschen gemacht. Er sah ein helles Licht und hörte die Stimme Jesu. Diese Erfahrung hat sein künftiges Leben so tief geprägt, dass er sagen konnte: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir.“

Paulus und viele andere Frauen und Männer durften aus einer so engen Beziehung zu Jesus Christus den Sinn und die Bestimmung ihrer Existenz verstehen.
Nicht jeder Christ kann auf solche überwältigenden Erfahrungen verweisen. Nur einzelne Auserwählte sind dazu bestimmt, Zeugnis dafür abzulegen, dass Jesus wirklich lebt und uns liebt.
Aber Jesus Christus will auf ganz individuelle Weise auch jeden von uns ansprechen und innerlich berühren. Wenn wir hellhörig und feinfühlig bleiben, werden auch wir die leisen Töne und die unverhofften Momente wahrnehmen, mit denen er uns seine Nähe zu erkennen gibt. Von solchen Erfahrungen wird unser Glauben genährt, gestärkt und vertieft. Nur so können wir im Glauben leben und überleben. In diesem Sinne trifft auch auf uns der Satz von Karl Rahner zu: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.

Sonntag, 23. Januar 2011

Impuls für den Tag, 24. Januar 2011

Die Freundschaft gehört zu den tragenden Säulen unseres Lebens. „Ein guter Freund, das ist das beste, was es gibt auf der Welt“, so heißt es in einem Schlager. Zu einer gelingenden Freundschaft braucht es ein Gegenüber auf Augenhöhe, ein DU, das mich annimmt und mir zur Seite steht. Solch ein Du will Jesus Christus für uns Menschen sein. Liebe und Vertrauen, Hingabe und Verlässlichkeit bringt er mit ein in diese Freundschaft.

Doch diese Freundschaft kann nur fruchtbar sein, wenn wir unseren Teil dazu beitragen. Manchmal vernachlässigen wir jedoch die Freundschaft mit Jesus, gehen unsere eigenen Wege, bleiben nicht in seiner Liebe und sondern uns ab.
Wie in einer zwischenmenschlichen Freundschaft braucht es auch im Verhältnis zu Jesus Christus ab und an eine klärende Aussprache, eine Versöhnung. Für den heiligen Franz von Sales ( den heutigen Tagesheiligen) war das Sakrament der Buße der Ort, wo wir uns mit Jesus Christus wie mit einem Freund wieder vereinigen und versöhnen. Gibt es in meinem Leben solch ein Ritual, Orte und Zeiten der Aussprache und Versöhnung mit Jesus Christus?