Samstag, 12. März 2011

Wort Gottes für den Sonntag - Führe uns nicht in Versuchung

Manchmal fragen Leute: „Welchen Sinn hat eigentlich diese Fastenzeit?“ Es kann ja nicht sein, dass es nur darum geht ein paar Kilo abzunehmen. Ich sehe da noch einen anderen Sinn, nämlich: Schau mal bewusst auf dein Leben, ein wenig genauer und sorgfältiger. Und überlege, was sich da als Gewohnheit eingeschlichen und festgesetzt hat. Wie durch ein Vergrößerungsglas wollen wir mal auf unser Leben schauen, Sonntag für Sonntag, während der 40-tägigen Fastenzeit. Vielleicht entdecken wir da manches, von dem wir sagen: Mensch, das ist mir gar nicht aufgefallen. Da müsste ich etwas ändern.

Heute, am ersten Fastensonntag geht es vor allem um das, was von außen auf uns zukommt, als Versuchung. Dabei denke ich nicht nur an die Werbung, die uns zum Kauf mancher unnützen und überflüssigen Dinge verführen will, sondern es geht um die große Versuchung, den Mächten, die das Leben zerstören, mehr zu glauben als dem Gott, der das Leben schenkt. Wie gefährlich diese Versuchung ist, hören wir heute in den Texten der Lesung und des Evangeliums.

Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.
Mt 4,1-11

Versuchung ist ein Wort, das uns leicht über die Lippen geht. Wer gerade
abnehmen will und dann ein Stück Torte angeboten bekommt, der zitiert lächelnd aus dem Vaterunser: ,,Führe mich nicht in Versuchung!“ Eine Schokoladenfirma wirbt sogar mit dem Slogan: ,,Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.“
Einer Versuchung zu erliegen gilt mehr oder weniger als Kavaliersdelikt, ist nicht so schlimm, auf das eine Stückchen Torte wird es ja nun auch nicht mehr ankommen. Ist Versuchung also doch mehr Spaß? Ich denke, es geht um mehr. In den biblischen Lesungen geht es heute nicht um Süßigkeiten, sondern um unsere Existenz. In der Paradieserzählung aus dem Buch Genesis wird die Urversuchung angesprochen, der die Menschheit von Anfang an ausgesetzt ist. Gott hat die Welt ja gut geschaffen, er hat den Menschen ins Paradies gestellt, in ein sorgenfreies, glückliches Leben. Doch dann sagt die Schlange: ,,Ich dürft die Anweisung Gottes, nicht von den Früchten dieses einen Baumes zu essen, ruhig ignorieren. Euch gehen die Augen auf und ihr werdet wie Gott.“

Vor über 3000 Jahren ist diese Geschichte geschrieben worden. Die Erzählung von
Adam und Eva kleidet den Ur-Wunsch des Menschen nach Freiheit, in eine Geschichte. Über alles durfte der Mensch selber entscheiden, bis auf diesen einzigen Baum. Das heisst: Der Mensch hat auf Grund seiner von Gott gegebenen Fähigkeiten unendlich viele Möglichkeiten sein Leben zu gestalten. Er hat unendlich viele Möglichkeiten, aber eben nicht alle. Es gibt eine Instanz über ihm nämlich Gott.

Das will uns die Erzählung sagen.
Gott sein, davon träumen die Menschen immer
wieder. Die Medizin sagt: Wir brauchen keinen Schöpfer, wir können den Bauplan des Menschen selber entschlüsseln und manipulieren, wir bestimmen selbst über Anfang und Ende des menschlichen Lebens. Die Politiker sagen: Wir brauchen Gott nicht in unserer europäischen Verfassung, wir formulieren selbst, was uns gut tut.

Die Ur-Versuchung der Menschheit: Wir wollen selber Gott sein. Dabei brauchten diejenigen die heute so denken, die Paradiesgeschichte nur zu Ende lesen. Adam und Eva gehen die Augen auf, wird uns da erzählt. Doch was erkennen sie? Nicht, dass sie wie Gott sind, sondern in Wirklichkeit ,,nackt“, das heisst ganz und gar bedürftig. Trotzdem erliegen auch heute immer wieder Menschen dieser Versuchung.

lm Evangelium begegnet uns heute einer, der standhaft und seiner Bestimmung treu
bleibt. Bei Adam und Eva hatte der Teufel leichtes Spiel. Doch Jesus lässt sich weder von der Aussicht auf eine reichliche Mahlzeit noch von der Aussicht auf Macht und Reichtum blenden. Auf drei Versuchungen gibt er eine deutliche Antwort.

Nachdem der Teufel nichts ausgerichtet hat, geht er. Für dieses Mal hat er seinen Kampf um die Herrschaft über den Menschen verloren. Aber er kommt immer wieder. Der Teufel mit seinen Verlockungen und Versuchungen gehört zum Leben jedes Christen. Zur Fastenzeit die wir gerade begonnen haben gehört das eigene Leben redlich zu prüfen, welche Versuchungen uns von Gott trennen. Das ist aber keine Frage, wie viel Schokolade wir essen, sondern da müssen wir schon viel tiefer in unser Leben und Handeln hinein schauen.

Freitag, 11. März 2011

Vom richtigen und falschen Fasten

Auf die Frage, was die Menschen unter Fasten verstehen, steht die Antwort „weniger essen“ wohl an erster Stelle. Fasten bedeutet aber noch viel mehr. Die Schrifttexte des heutigen Tages zeigen uns, was Gott unter Fasten versteht. Wir erhalten ganz konkrete Vorschläge, wie wir unsere Fastenzeit gestalten können. Es geht dem Propheten Jesaja, um das richtige Fasten. Auf die rechte Gesinnung kommt es an. Jesaja sagt: „Ihr lasst eure Köpfe hängen wie eine Binse, damit jeder sieht, dass ihr fastet. Gleichzeitig betreibt ihr mit brutaler Gewalt eure Geschäfte und es gibt Streit und Zank.“ Ein solches Fasten gefällt Gott nicht. Solch fromme Übung ist schal und leer. Sie schadet mehr, als dass sie hilft. Der Prophet Jesaja:

So spricht der Herr: Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück! Lass deine Stimme ertönen wie eine Posaune! Halt meinem Volk seine Vergehen vor und dem Haus Jakob seine Sünden! Sie suchen mich Tag für Tag; denn sie wollen meine Wege erkennen. Wie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das vom Recht seines Gottes nicht ablässt, so fordern sie von mir ein gerechtes Urteil und möchten, dass Gott ihnen nah ist.


(Gott spricht:) Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt?

Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. (Jes 58,1-9)

Fasten im Sinne Gottes verändert etwas in der Gesellschaft: Der Hungrige wird satt, der Nackte bekleidet, der Arme bekommt eine Unterkunft. Damit wird ein verengtes Verständnis vom Fasten weiter gefasst. Wer immer noch der Meinung ist, Fasten bedeute nur reduzierte Nahrungsaufnahme, wird heute eines Besseren belehrt. Nicht Gesundheit und Kosmetik, sondern geistige Erneuerung ist der Sinn dieser Wochen. So lesen und hören wir es am Beginn der österlichen Bußzeit. Vielleicht müssen wir unsere Fastenvorsätze nach dieser Lesung etwas korrigieren.

Donnerstag, 10. März 2011

Eigentlich müsste ich umkehren



Ein Mann sitzt im Bummelzug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest den Ortsnamen und stöhnt.

Nach vier oder fünf Stationen fragt ihn besorgt sein Gegenüber: " Tut Ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich." Da antwortete er "Eigentlich müsste ich aussteigen. Ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber hier ist es so schön warm drin."
(Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten 2)



Dienstag, 8. März 2011

Aschermittwoch - Beginn der 40-tägigen Fastenzeit


Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt eine neue Zeit im Kirchenjahr: die Fastenzeit, oder richtiger: die österliche Bußzeit, wie wir diese Wochen bis Ostern nennen.

Die Fastenzeit ist keine Zeit, die so für sich da steht, sondern wir müssen sie im Zusammenhang sehen mit dem Fest das an ihrem Ende steht: Ostern. Darauf läuft diese 40-tägige Fastenzeit hinaus. Auf die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu sollen wir uns bereiten. Lassen wir uns in diesen vierzig Tagen vom hl. Paulus ermahnen, der uns in der Lesung sagt, dass jetzt die Zeit der Gnade ist, dass jetzt die Tage des Heils da sind (2 Kor 6,2).
Heilsstunden beginnen, wenn wir wacher und bewusster als sonst leben, wenn wir Nachlässigkeiten ablegen. Unser Leib, unser Herz und unsere Seele soll fasten von all dem was uns krank macht, was uns verschlossen hält für Gott und die Menschen.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Wenn wir am Aschermittwoch daran erinnert werden, wie vergänglich unser Leben ist, dann will die Kirche damit nicht sagen: Es hat ja doch alles keinen Sinn; es lohnt sich überhaupt nicht, sich in diesem Leben anzustrengen. Ganz im Gegenteil, sie will uns anspornen, damit wir uns für die richtigen Dinge einsetzen, für das, was bleibt.

Es geht im Leben eben nicht zuerst um Karriere, um großes Ansehen, Ruhm, Einfluss, Macht: All das vergeht. Es geht vielmehr darum, die Zeit zu nutzen, um die Welt zu verändern, um eine bessere, eine lebenswertere Welt zu gestalten, oder, um es mit den Worten der Bibel zu sagen, um Reich Gottes aufzubauen. Und der Einsatz dafür lohnt sich; denn das bleibt!

Die Kirche gibt uns für diese Besinnung sehr bewährte Hilfsmittel an die Hand, eine Art von Werkzeugen, die uns helfen wollen, dass wir unsere Kraft für die richtigen Dinge einsetzen, nämlich dafür, die Welt zu verbessern. Ja! Christen sind Weltverbesserer - aber nicht in einem utopischen, unrealistischen, romantischen Sinn, sondern die an ihrem Ort, in ihrem Bereich, in ihrem schlichten Alltag anpacken und ernst machen mit dem Evangelium. Das heißt: eben nicht nur einen Blick zu haben für das, was mir nützt, was mich weiter bringt, sondern vor allem einen Blick dafür zu haben, was allen nützt, was die Welt weiterbringt, was meinem Nächsten genauso hilft wie mir selbst. Diese Werkzeuge, die Hilfsmittel, die uns an die Hand gegeben werden, das sind die drei Dinge, die uns im Evangelium gesagt wurden: Almosen geben, Beten, Fasten.

Almosen geben, das bedeutet: den Blick für den Nächsten und seine Bedürfnisse offen halten. Wir haben oft ein sehr sensibles Gespür entwickelt für unsere eigenen Bedürfnisse, für das, was mir nutzt und hilft und Freude macht. Und das ist auch in Ordnung. Aber es ist notwendig, dass wir ein mindestens ebenso feines Gespür für die Bedürfnisse der anderen haben.

Beten, das bedeutet: immer wieder die Verbindung mit Gott suchen. Aus dieser Verbindung zu leben versuchen. Von hier her immer neu Kraft zu schöpfen. Im Gebet erhalte ich die Kraft mich immer neu einzusetzen. Beten heißt: sich immer wieder vergegenwärtigen, was Gott von mir will und erwartet. Das wird er uns in den seltensten Fällen direkt sagen. Im Gebet aber bleibe ich mit Gott in einer so engen Verbindung, dass ich spüre, was er von mir will, ohne dass er es ausdrücklich sagen muss. Und deshalb ist das Gebet so wichtig und so hilfreich, gerade in einer Zeit, in der ich vielleicht meine Ziele, die Grundrichtung meines Lebens neu überprüfe.

Fasten: Dieses Hilfsmittel hat der Fastenzeit ihren Namen gegeben. Das Fasten darf nicht falsch verstanden werden: Es geht nicht darum, sich selbst zu kasteien. Im Gegenteil, es geht darum in den Blick zu nehmen: Was tut mir gut? Damit ich den Blick dafür frei bekomme: Was brauche ich wirklich zum Leben und was ist vielleicht schönes, aber nicht notwendiges Beiwerk? Der bewusste Verzicht auf manchen Luxus, auch vielleicht einmal wirkliches Fasten lässt uns zugleich dankbarer werden für all das, was wir sonst als selbstverständlich ansehen. Und er schafft Raum für neue Erfahrungen: Wer zum Beispiel in der Fastenzeit einmal auf Fernsehen verzichtet, hat plötzlich wieder Raum, um einmal ein gutes Buch zu lesen oder etwas mit der Familie zu unternehmen, oder einfach nur, um über sich nachzudenken oder zu beten.

Verzicht ist also nicht Selbstquälerei, sondern macht frei für neue Erfahrungen. Almosen geben, Beten und Fasten: Das sind drei Werkzeuge, die uns helfen wollen zu entdecken, worauf es wirklich ankommt im Leben was bleibt, auch wenn wir einst zu Staub geworden sind.