Samstag, 16. April 2011

Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn

Am Palmsonntag feiern die Christen mit geweihten Zweigen Christus als König der Menschen, der feierlich in Jerusalem einzieht. Palmen waren in Israel von alters her das Symbol für die Unabhängigkeit (1 Makk 13,51; 2 Makk l4,4) und Sinnbild für den siegreichen König, von daher für die Römer eine besondere Provokation. Der Esel wiederum war (nach Sach 9,9) das Symbol des gewaltlosen Friedenskönigs und das Bekenntnis zur Bescheidenheit.

Der steile Osterberg von Golgotha

Es ist ein besonderer Sonntag, der sich in seinem Brauchtum mit Segnung der Palmzweige, Palmprozession, Mitführen eines Palmesels, erst ab dem 8. Jahrhundert allmählich in der Form ausbreitet, wie wir sie kennen. Zu dieser Palmprozession und dem damit verbundenen Brauchtum einige Gedanken: Die Menschen, die damalige Bevölkerung: Sie haben ihn, den Rabbi aus der Provinz hochgejubelt, als er in die Hauptstadt Jerusalem einzog. Auf einmal war er ein Star. Der Jubel stieg zum Himmel empor und damit auch eine Menge Erwartungen. All ihre (politischen) Hoffnungen setzten sie in ihn, der endlich die römische Besatzungsmacht vertreiben würde. „Hosianna, hosianna!“, also: viele Vorschusslorbeeren! Sie hatten sich alle miteinander getäuscht. Diese Enttäuschung schlug um in Wut und Verzweiflung, weil er nicht ihre Erwartungen und Ansprüche erfüllt hatte. So wird aus dem „Hosianna“ ein „cruci figere!“, das hineinführt in den Karfreitag.

Wenn sich Lob in Spott wandelt
Diese Begebenheit des Palmsonntags trifft doch immer wieder auch unsere Lebenssituation: Wir erwarten mitunter von anderen viel, setzen unsere ganze Hoffnung in den anderen, preisen seine Vorzüge an und dann kommt die Enttäuschung. Aber auch die umgekehrte Lage tritt ein: Wievielt wird einem zugemutet, bestimmte Aufgaben souverän zu erfüllen, man spürt die Überforderung und das großartige Lob wandelt sich in Spott, Hohn, abfällige Bemerkungen, wenn etwas schief geht. Lob, Vorschusslorbeeren liegen eng neben Tadel, Frust, Enttäuschung und Wut. So steigen wir in der Karwoche den steilen Osterberg nach Golgotha mit den vielen Kreuzwegstationen, die ja auch nichts anderes als Abbilder unseres Lebens sind, hinauf, um am Ende nach allem Leid, allen Niederlagen und Enttäuschungen und dem Tod – das Leben, also Auferstehung zu feiern. (Max Angermann, März 2005.)

Entscheidung
Zur Feier des Palmsonntags kommen auch viele Menschen in den Kirchen zusammen, meist mehr als an gewöhnlichen Sonntagen. Sie bereiten ihrem Herrn einen würdigen Einzug und empfangen ihn als Messias. 
Wir stehen heute vor der gleichen Herausforderung wie die Menschen damals: Werden wir zu unbeteiligten Zuschauern, die auf das nächste Ereignis warten, wenn dieses vorbei ist? Tauchen wir in der Menge unter, wenn es unbequem wird, sich zu Christus zu bekennen? Werden wir zu Wendehälsen, wenn es politisch opportun scheint? Oder gehen wir mit ihm, auch wenn er uns auf uns unbekannte Wege führt?
Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.
Da waren sie sehr betroffen und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters (Mt 26,20-28)

Eine Situation zum Zerreißen! „Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.“ Diese Worte Jesu sprechen an, was verborgen unter der Decke schwelt: Jesus kann sich auf Seine Jünger nicht mehr verlassen. Und das Vertrauen der Jünger untereinander ist auch verloren gegangen. Verrat droht – ein Verrat, der Jesus das Leben kostet und auch für die Jünger sehr gefährlich werden kann.

„Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.“ Diese Worte lösen Betroffenheit aus. Betroffenheit, aber kein offenes Geständnis. Und doch: Jeder der Anwesenden scheint innerlich zum Verrat bereit zu sein, denn einer nach dem anderen fragt: „Bin ich es etwa, Herr?“ Ja – jeder dieser Jünger hat offenbar schon mit dem Gedanken „gespielt“, Jesus dem Hohen Rat auszuliefern. Jeder von ihnen erwägt den Verrat im Herzen. Jeder ist ein potentieller Verräter. Jeder könnte zum Judas werden.


Und Judas selbst? Er hat – wie alle anderen Jünger auch – die Möglichkeit, Jesu Worte als Warnung zu nehmen und sein Vorhaben fallen zu lassen. Doch nutzt er diese Chance nicht: Er hört die Bestätigung, dass er der Verräter ist – und bleibt seelenruhig sitzen. Er tut, als sei nichts geschehen, als würde nichts geschehen.


Und das Mahl geht weiter – es geht weiter mit einem unvorstellbaren Liebeserweis: Jesus verschenkt sich selbst. Er gibt sich für die hin, die bereit sind, Ihn zu verraten. Er sagt weiter JA
zu ihnen, trotz allem – oder gerade deshalb – weil dieses Jawort der alleinige Weg zum Leben ist: für die Jünger – und für uns. „Nehmt und esst; das ist mein Leib. – Trinkt alle daraus; das ist mein Blut.“ Jesus macht Seinen Jüngern keine Vorhaltungen, Er stellt keine Bedingungen, schließt niemanden von Seiner Liebe aus. Er gibt sich hin und verschenkt sich.

Eine alte, vergangene Begebenheit? Nein – das ist höchst aktuell und geschieht auch hier und heute, in jeder heiligen Messe. Auch uns schenkt Jesus Christus sich hin, auch uns sagt Er: „Nehmt und esst, das ist mein Leib!


Doch wie ist es mit dem Wort vom Verrat? Ist Jesu Wort: „Einer von euch wird mich verraten?“, ist die Frage der Jünger: „Bin ich es etwa, Herr?“ auch heute aktuell? Jesu engste Freunde hatten in ihrem Herzen schon alle erwogen, sich von Ihm zu trennen. Keiner der Zwölf konnte die Hand ins Feuer legen und ehrlichen Herzens erklären: „Jesus, ich bin und bleibe Dir immer treu!“

Die Apostel, die engsten Freunde und Mitarbeiter Jesu, eine Ansammlung von Wackelkandidaten? Und doch verehren wir sie als große Heilige, ja als Säulen der Kirche! Aber das eben nicht deshalb, weil sie immer alles richtig gemacht haben, weil sie ohne Fehler waren. Nein – sie alle haben Schuld auf sich geladen – sind bei der Gefangennahme weggelaufen, haben sich ebenso von Jesus abgewandt wie Petrus, von dessen Untreue ausdrücklich berichtet wird. Doch bis auf Judas haben sie alle eines gemeinsam: Sie sind wieder zu Jesus zurückgekommen. Ihre Feigheit, ihre Ablehnung, ihr Weglaufen, ihr Verrat hatten nicht das letzte Wort. Sie haben zu Jesus zurückgefunden. Und Jesu erstes Wort zu ihnen nach der Auferstehung war: „Friede sei mit Euch.“ Er hat ihnen verziehen, Er hat sie in Seinen Dienst genommen. Mehr noch: Er hat sie zu Seinen Aposteln gemacht, zu den Säulen der Kirche. Ja, auf sie, die fehlerhafte Menschen sind, hat Er Seine Kirche gegründet. – Und sie haben Ihn später als den Auferstandenen bekannt und verkündet, haben ihr Leben für Ihn eingesetzt.
Im Blick auf den Kreis der engsten Jünger Jesu wird uns gezeigt: Was auch immer war oder ist – mit allem können wir (wieder) zu Ihm kommen. Und wir dürfen vertrauen: ER, unser Erlöser und Heiland, wird uns nicht nur wieder aufnehmen – Er wird uns auch in Seinen Dienst nehmen. Egal, was gewesen ist: Entscheidend ist, zu Jesus zurückzukehren und Ihn als Gott und Herrn zu bekennen.

Donnerstag, 14. April 2011

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 15. April 2011.


Ein junger Mann sitzt sichtlich bedrückt im Zug. Einem Mitreisenden erzählt er, er sei gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Keiner aus der Familie habe ihn dort besucht und jetzt fahre er nach Hause. Vielleicht wollten sie nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er hatte ihnen geschrieben, ob sie ihm ein Zeichen geben könnten. Ob sie, falls sie ihm verziehen, als Zeichen an dem Apfelbaum, den der Zug kurz vor seiner Heimatstadt passiert, ein weißes Band anbringen könnten. Sonst würde er weiterfahren, irgendwohin.

Der Zug nähert sich dem Baum. Die Spannung des jungen Mannes ist so groß, dass er sich nicht aus dem Fenster zu schauen getraut. Er bittet den Mitreisenden, für ihn zu schauen.

Dieser sieht den Baum und berührt sanft den jungen Mann: „Es ist alles gut. Der Baum ist voller weißer Bänder.“ In dem Augenblick verschwindet alle angestaute Angst und Bitternis aus dem Gesicht des jungen Mannes. - Der Mitreisende sagt später: „Mir war, als hätte ich ein Wunder erlebt. Vielleicht war es auch eins ...“.

Menschen haben das Glück eines Neuanfangs geschenkt. Ein Wunder.
Sie haben etwas von Gott verstanden.

An Gott zu glauben, das ist das eine, aber an der Zusage, dass dieser Gott barmherzig ist und jeden Menschen bedingungslos liebt und annimmt, keinen Anstoß zu nehmen, das kann eine Umkehr in einem ganz neuen Sinn bedeuten. Das kann den so sicheren und festen Glauben in ganz neuem Licht erscheinen lassen.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium, so predigt Jesus, dieser Satz war die Mitte all seiner Verkündigung. Kehrt um zu einem Gott, der barmherzig ist so, wie die Familie in der Geschichte von dem entlassenen Sträfling. Ich glaube, dass sich im Glaubensleben vieler Christen, viel verändern würde, wenn der oberste Grundsatz unseres Glaubens lautet: Unser Gott, der Vater Jesu Christi, ist ein barmherziger Gott.

Jesus hat dem Menschen seiner Zeit eine unglaublich schöne Geschichte erzählt um ihnen deutlich zu erklären wie groß Gottes Vergebung ist, die Geschicht vom verlorenen Sohn oder wie andere sie nennen die Geschichte vom barmherzigen Vater. (Lies Lk 15,11-31)

Es ist die Geschichte eines Menschen, der aus der kleinen Welt ausbricht und die große Welt erobern will. Als jüngerer Sohn kann er sich auch nur sein Erbteil auszahlen lassen und dann sein eigenes Glück suchen. Denn die Erbfolgeregelung ist klar, Zweidrittel des Hofes gehören per Gesetz dem Erstgeborenen, der Rest gehört dem Zweiten. Verständlich, dass irgendwann der Tag kommt, an dem sein eigener Weg ansteht. Verwerflich ist hier nichts. Eher selbstverständlich. Nein, als der Sohn geht, ist seine Geschichte offen. Hätte er denn - zu Hause bleiben sollen? Als Juniorpartner des älteren Bruders. Da wäre er höchstens ein guter erster Knecht gewesen, mehr nicht.

Der Vater gibt ihm alles mit: seine Liebe und sein Erbteil und wahrscheinlich viel Vertrauen! Und genau dieses Vertrauen trägt den Sohn, als er am Ende ist, auch wieder nach Hause. Wie viel Mut dazu gehört - ich zittere richtig mit. Ob mein Stolz mir nicht im Wege stünde? Es gehört schon etwas dazu, so nach Hause zurück zu kommen. Ohne etwas vorweisen, ohne etwas mitbringen zu können. Erbe verspielt, Chancen verspielt, Zukunft verspielt. Ein Verlierer, aber: ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen - das ist der Sohn. Darin ganz und gar der Sohn seines Vaters.

Je älter ich werde, ums besser gefällt mit diese Geschichte. Sie ist so Realitätsnahe. Das Leben spielt einem manchmal hart mit. Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Wir alle kennen Menschen, die sich einmal neugierig, mutig und mit vielen guten Vorsätzen auf das Abenteuer Leben eingelassen haben. Aber dann ging manches anders als geplant oder erwartet. Eine Beziehung ging auseinander. Ein Job wurde zum Albtraum. Finanziell hatte man sich verspekuliert. So oder so: Träume platzten wie Seifenblasen. In vielen Fällen kam die Angst dazu, etwas falsch, gar sich schuldig gemacht zu haben. Im Hinterkopf ist immer, dass ein Leben gelingen muss - und wenn es dann scheitert? Unansehnlich wird? Oft sind nicht einmal Menschen in der Nähe, die zuhören, überlegen, mittragen können. Was in Jesu Geschichte bei den Schweinen endet, endet in vielen anderen Geschichten im Suff, vor dem Richter oder beim Therapeuten.

Die Geschichte, die Jesus erzählt, provoziert. Jesus erzählt die Geschichte eines Vaters, der seinen Sohn freigibt - und ihn wieder aufnimmt, der ihn gehen lässt - ihn aber aus dem Dreck auf hebt. Eine Wundergeschichte also. Nichts für Moralisten. Die werden nur den Zeigefinger heben. Die werden nur das Negative sehen, das Versagen, die Sünde. Den Aufbruch zum Neubeginn aber nicht zu würdigen wissen.

Der Vater nennt ihn den “verlorenen Sohn” - weil er sich freut, ihn gefunden zu haben. Wir hören ihn rufen: Mein Sohn war tot . . . mein Sohn war verloren . . . War! Vergangenheit. Wir sehen den Schlussstrich förmlich. Eine große Entdeckung in dieser Geschichte: Es geht nicht um Verlorenheit - es geht um Gefunden sein.

Mittwoch, 13. April 2011

Ich bin verliebt in alltägliche Dinge


Von Phil Bosmans

Ich bin verliebt in einfache Dinge. Verliebt sein ist ein wunderbares Gefühl. Der Frühling im Herzen. Alles wird anders, alles fängt an, in den schönsten Farben zu leuchten.

Ich bin verliebt in einfache, alltägliche Dinge: eine offene Tür, ein gastlicher Tisch, ein herzlicher Händedruck, ein freundliches Lächeln, das Aufblühen einer Blume, das Zwitschern eines Vogels, die Wolken, der Bach und der Berg und der Sonnenschein.

Die kleinen Dinge machen mein Leben zu einem Fest, auf das ich mich jeden Tag freuen kann. Es ist wie die Liebe im Frühling.





Dienstag, 12. April 2011

Die Thessalonicher - ein Vorbild im Glauben


Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn. Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid. Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit; ihr wisst selbst, wie wir bei euch aufgetreten sind, um euch zu gewinnen. Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. So wurdet ihr ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia.

Von euch aus ist das Wort des Herrn aber nicht nur nach Mazedonien und Achaia gedrungen, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir darüber nichts mehr zu sagen brauchen. Denn man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, Jesus, den er von den Toten auferweckt hat und der uns dem kommenden Gericht Gottes entreißt. (1 Thess 1,2-10)

In seinem Brief an die Thessalonicher wendet Paulus eine Methode an die jeder gute Pädagoge kennt. Paulus schimpft keineswegs mit seiner Gemeinde, sondern macht ihr Mut, bestärkt sie, baut sie auf, gibt ihr Selbstvertrauen und lobt sie. Er kommt in dieser Epistel zunächst auf seine eigene Vorbildfunktion zu sprechen. Er hat auf seinen Missionsreisen und bei seinen Gemeindegründungen nicht nur in schönen Worten geredet, mitreißende Theologie und Spekulation vorgetragen und theoretisch überzeugt, sondern er hat vor allem in Tat und Praxis den an Jesus von Nazaret orientierten neuen Glauben als Jude gelebt, Tag für Tag zu verwirklichen gesucht und in die konkrete Lebenspraxis umgesetzt. So ist das Leben des Apostels selbst - nicht nur sein Reden, sondern seine Taten und seine Haltung - zum Vorbild und Beispiel für die Gemeinden geworden.

Dann beginnt er an, seine Gemeinde zu loben. Er erkennt an, dass diese kleine Gemeinde von TessalonichPaulus nennt dann, spürbar begeistert und dankbar, einige solcher Grundhaltungen:

“Ihr seid dem Herrn nachgefolgt“ sagt er. Die Gemeinde von Tessalonich suchte also den Lebensstil des Herrn Jesus zu ihrem Lebensstil zu machen;

“Ihr habt das Wort Gottes trotz vieler Bedrängnis in der Freude des Heiligen Geistes aufgenommen“, sagt er weiter. Diese Gemeinde hört und bedenkt also das Wort Gottes und lebt danach;

“Ihr seid ein Vorbild für alle Gläubigen weit und breit geworden, von euch aus ist der Glaube in die Nachbargemeinden vorgedrungen und überall bekannt geworden“ lobt er sie weiter.

Diese Gemeinde scheint also Freude und Hoffnung und tätige Liebe auszustrahlen und steckt die anderen damit an und ist so auch noch missionarisch tätig.

Wir verstehen warum Paulus von dieser Gemeinde so begeistert ist und - wie er sagt - er ohne „Unterlass“ Gott für diese Gemeinde dankt. Ich glaube, aus diesem kleinen Textausschnitt können wir vieles lernen. Wir Priester, als auch die Christgläubigen. Zuerst einmal sollten wir mehr Freude ausstrahlen. Nicht immer nur das Negative sehen, uns über schwindende Kirchenbesucherzahlen ärgern, sondern uns freuen mit denen, die da sind. Am Beispiel der Gemeinde von Tessalonich kann man aufzeigen: Es kommt nicht auf die Größe einer Gemeinde an, auf die zahlenmäßige Stärke, sondern auf die Art und Weise, wie eine christliche Gemeinde lebt. Und es kommt darauf an ob sie anderen, die sich nicht zur Gemeinde zählen, von der christlichen Lebensweise überzeugen kann.

Montag, 11. April 2011

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 12. April 2011.

Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig. Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen und viele Israeliten starben.

Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk.


Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. (Num 21,4-9)

Ein Pfarrer führte ein Gespräch mit einem Mann, dessen junge Frau er nach einer schweren Krankheit, die zum Tod geführt hatte, beerdigen musste. Der Mann war sehr traurig, und der Pfarrer versuchte, ihn irgendwie zu trösten. Doch er merkte, dass seine Worte keinen Trost vermitteln konnten. Schließlich stockte er und sagte: „Ich weiß, es gibt im Grunde keinen Trost.“ „Doch“, sagte der Mann, „Sonntag saß
ich in der Kirche. Auf die Predigt habe ich nicht geachtet. Ich schaute einfach zum Kreuz. Da hatte ich plötzlich das Gefühl, dass Jesus mir seine Arme entgegenstreckt und ich war irgendwie getröstet.“

Dieser Mann, den der Pfarrer als einen sehr nüchternen Menschen kannte, hatte eine Beziehung zum Kreuz, und er durfte die Wahrheit des Wortes Jesu erleben: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.“ (Joh 12,32)
Im Kreuz ist Heil. In der Geschichte von der Kupferschlange, die Mose auf Geheiß Gottes an die Fahnenstange hängte und zu der die Israeliten aufblickten, um vom lebensgefährlichen Schlangenbiss geheilt zu werden, sehen wir Christen ein Vorausbild des Kreuzes Christi. Wir schauen auf den Gekreuzigten und glauben, dass er uns durch Tod und Auferstehung das Leben in Fülle erwirkt hat. So wurde das Kreuz zum Hoffnungszeichen für uns alle.

Die Passionszeit will uns dies wieder näher bringen. Der Mann, von dem ich anfangs erzählte, fand Trost im Blick auf das Kreuz. Suchen auch wir im Kreuz Hilfe für unser Leben, besonders, wenn es gelegentlich einmal schwer wird. Schließlich gibt es im Leben nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen.